St. Gallen

Ein Millionengeschenk mit grossen Verpflichtungen

Der Bund schenkt einer St. Galler Stiftung das Gebäude der Schweizer Schule in Rom. Bevor der Übertrag der Liegenschaft stattfindet, muss der Bund über eine Million Franken in die alte Villa investieren. Aber auch die Stiftung sucht Geld.

Es ist ein richtiges Schmuckstück: Die Villa Malpighi in Rom gehört bald einer St. Galler Stiftung.

Es ist ein richtiges Schmuckstück: Die Villa Malpighi in Rom gehört bald einer St. Galler Stiftung. Bild: PD

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Wer in Rom die Schweizer Schule besucht, tut dies nach Regeln des Kantons St. Gallen. Als Patronatskanton der Schule prüft er den Lehrplan, hilft Lehrern bei der Weiterbildung in der Schweiz oder stellt die Experten für die Maturitätsprüfung. Der KantonSt. Gallen hat sich als Patronatskanton deshalb aber auch sehr stark dafür eingesetzt, dass das Schulgebäude vom Bund endlich an eine neue Trägerschaft übergeben wird.Das Geschäft sieht folgendermassen aus: Bundesbern überträgt die Liegenschaft an der Via Malpighi als Schenkung an die neu gegründete St. Galler Stiftung Schweizer Schule Rom. Die Eidgenossenschaft verpflichtet sich, das Schulgebäude – darunter auch Turnhalle und Mensa – wieder betriebssicher zu machen. Alleine dafür investieren das Bundesamt für Bauten und Logistik und das Bundesamt für Kultur 1,3 Millionen Franken,wie die Ämter entsprechende ­Recherchen der «Zürichsee-Zeitung» bestätigen. Die Stiftung selbst wird das Gebäude dann in den kommenden Jahren den Betreibern der Schule, einem nicht profitorientierten Verein, zur Verfügung stellen. Ab dem Zeitpunkt der Eigentumsübertragung kommt dann die Stiftung für sämtliche Investitionskosten auf.

Eltern wollten weg

Der Deal zwischen dem Bund und der Stiftung Schweizer Schule Rom ist dringend notwendig. Mit rund 500 Schülern ist die 1946 ­gegründete Schweizer Schule in Rom eine der grösseren weltweit. Doch die Zahl der Schülerinnen und Schüler drohte zu sinken, weil mehrere Eltern ihre Kinder von der Schule abmelden wollten.

Die schlechte ­Situation bei der Infrastruktur machte ihnen Sorgen. «Viele der Eltern, die unsicher waren, konnten wir überzeugen, bei uns zu bleiben», sagt der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP), der als Stiftungsratspräsident amtet. Der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) und er besuchten im vergangenen Jahr gemeinsam die Schule, um über die geplanten Projekte direkt zu informieren. Leuteneggers hervorragende Italienischkenntnisse kamen ihm dabei zugute: «Man darf nicht vergessen, dass die Schweizer Schule in Rom einen grossen Einfluss auf das Image der Schweiz in der Stadt hat.»

Die Unsicherheit der Eltern führt Bildungsdirektor Kölliker auf eine Art «Vakuum» zurück, das in den letzten Jahren entstanden sei. Offenbar hat es der Bund in den vergangenen sieben Jahren, als über die Zukunft des Schulgebäudes verhandelt wurde, unterlassen, gross in die Liegenschaft zu investieren. 2014 scheiterte ein erster Versuch an den Preisvorstellungen des Bundes. Weil der Bund rund eine Million Franken für das Gebäude wollte, wären Steuern von 1,5 Millionen Franken angefallen. Das konnte sich die Trägerschaft nicht leisten.

Mit Bundesrat verhandelt

Hinter den Kulissen wurde daraufhin nach einer neuen Lösung gesucht und in der unentgeltlichen Übergabe des Gebäudes gefunden. Vor zwei Jahren ging der Direktor der Schweizer Schule in Rom, José Oberson Mau, erstmals auf Filippo Leutenegger zu. Es folgten mehrere Treffen – mit dem St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker, Bundespolitikern und gar mit dem zustän­digen Bundesrat, Finanzvorsteher Ueli Maurer. «In dieser Zeit konnten wir zwischen dem Bund und der Stiftung wichtiges Vertrauen aufbauen», betont Leu­ten­egger. Der Bund könne sich nun darauf verlassen, dass die Stiftung das Geschäft seriös an die Hand nehme und so lang­fristig der Schule zum Erfolg ­verhelfe. Bis Ende 2018 findet die Eigentumsübertragung vom Bund an die Stiftung statt, so lange hat die Eidgenossenschaft auch Zeit, das Gebäude wieder betriebssicher zu machen.

Dass eine St. Galler Stiftung nun in die Bresche springen muss, um das Gebäude zu übernehmen und der Schule langfristig zur Verfügung zu stellen, erklärt sich auch mit dem italienischen Recht. «Es ist fast unmöglich, dass der Bund eine solche Vereinbarung mit den Betreibern der Schule nach italienischen Regeln abgeschlossen hätte», meint Leutenegger. Zu unterschiedlich sind die politischen Systeme, verschieden auch die Mentalität, solche Geschäfte zu regeln.

Sollte das Gebäude irgendwann einmal nicht mehr als Schweizer Schule genutzt werden, fällt es laut Leutenegger an den Bund zurück. Das Gesetz über Auslandsschulen schreibt zudem vor, dass bei einer allfälligen Auflösung der Schweizer Schule Rom der Erlös einer späteren Veräusserung der Liegenschaft zugunsten anerkannter Schweizer Schulen verwendet wird. Die Villa der Schule in Rom hat einen beträchtlichen Wert, nicht zuletzt wegen der prominenten Lage wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof. Christoph Mattle, damaliger Amtsleiterdes St. Galler Mittelschulamtes, schätzte den Wert 2014 im«St. Galler Tagblatt» auf rund 14 Millionen Franken.

Stiftung sucht Spenden

Wenn das Gebäude bis Ende 2018 betriebssicher ist, geht die finanzielle Verpflichtung an die Stiftung über. «Wir müssen für den langfristigen Betrieb ein Fundraising auf die Beine stellen», sagt Filippo Leutenegger. So müssten etwa in die Modernisierung von Turnhalle, Musiksaal oder Bibliothek sicherlich noch Gelder investiert werden. Der Zürcher Stadtrat spricht auch hier von einem Millionenbetrag. Die genaue Höhe werde nun in der Gesamtplanung errechnet. Leuten­egger hofft, mit dem Fundraising Firmen, aber auch Privatpersonen mit Bezug zur Schweizer Schule oder der Stadt Rom zu erreichen. Wie wichtig Leutenegger das Projekt ist, zeigt sich auch an seinem Versprechen: Er selbst werde privat selbstverständlich auch Geld beisteuern, um ein Zeichen zu setzen.

Finanziell habe auch der Kanton St. Gallen keine Verantwortung, betont der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker. Wenn man sich am Fundraising beteilige, dann höchstens über den Lotteriefonds. Kölliker ist überzeugt, die finanziellen Mittel über das breite Netzwerk der Stiftung auftreiben zu können. Mit dem ehemaligen Kommandanten der Schweizergarde, Elmar Mäder, verfüge die Stiftung über eine Person mit wichtigen Kontakten nach Rom. Barbara Keller-Inhelder, SVP-Nationalrätin aus Rapperswil-Jona, sorgt im Stiftungsrat derweil für die guten Kontakte in die Bundespolitik. (zsz.ch)

Erstellt: 12.01.2018, 18:11 Uhr

Prominente Stiftungsräte

Präsident des Stiftungsrates in der Stiftung Schweizer Schule Rom ist der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP). Ihm steht Elmar Mäder, ehemaliger Kommandant der Schweizer Garde zur Seite. Die Rapperswil-Joner Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder (SVP) ist ebenso vertreten wie der Verwaltungsratspräsident der Schule Pio Federici. Weil der Kanton St. Gallen Patronatskanton der Schule ist, sitzt zudem Tina Cassidy im Stiftungsrat. Sie ist Leiterin des kantonalen Amtes für Mittelschulen.

Catania: Schenkung in Vorbereitung

Die Schweizer Schule im sizilianischen Catania gehört mit rund 90 Schülerinnen und Schülern zu den kleineren Bildungsinstitutionen im Ausland. Das Gebäude gehört aber ebenfalls noch dem Bund. Es soll, wie jenes der Schweizer Schule in Rom, bis Ende 2018 vom Bund an neue Besitzer übergeben werden. Laut dem zuständigen Bundesamt für Bauten und ­Logistik sind die Abklärungen zur Schenkung noch im Gange, insbesondere bezüglich einer all­fälligen Stiftungsgründung. ­Gemäss heutigem Wissensstand sollten keine baulichen Massnahmen nötig sein, wie es auf Anfrage in Bundesbern heisst. Patronatskanton der Schule in Sizilien ist Zürich.

Engagement als Privatperson

Filippo Leutenegger engagiert sich als Privatperson in der Stiftung, die Stadt Zürich ist in keiner Weise involviert. «Es ist klassische Freiwilligenarbeit, die ich hier leiste.» Wenn Leutenegger über die Schule spricht, wird spürbar, wie froh er ist, mit dem Engagement in der Stiftung der Schule aus der verzwickten Situation helfen zu können. Dass sich der Stadtrat für die Schule dermassen ins Zeug legt, liegt an seiner engen Verbindung zu Rom. Leutenegger ist dort aufgewachsen, ging in ebenjener Scuola Svizzera zur Schule und sein Vater etwa baute den Zweig des Wirtschaftsgymnasiums auf. «Und heute», ergänzt er, «unterrichtet eine meiner Schwestern dort».

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