Rapperswil-Jona

«Ein Kontakt ist nur so gut, wie man ihn pflegt»

Nelly Camardo ist aus Sarasota angereist, um in Rapperswil-Jona für eine Partnerschaft zwischen den beiden Städten zu werben. Im Interview erzählt sie, wie viel Arbeit hinter einer solchen Partnerschaft steckt und was Sarasota ausmacht.

Nelly Camardo setzt sich für die Städtepartnerschaft zwischen Sarasota und Rapperswil-Jona ein.

Nelly Camardo setzt sich für die Städtepartnerschaft zwischen Sarasota und Rapperswil-Jona ein. Bild: Patrick Gutenberg

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Sarasota hat bereits neun ­Partnerstädte. Was bringt eine Stadt dazu, immer wieder neue Partnerschaften einzugehen?
Nelly Camardo: Sarasota ist eine sehr internationale Stadt. Eine Schwesterstadt wird meistens gegründet, wenn jemand, der in der Stadt lebt, enge Beziehungen zu einer anderen Ortschaft hat. So auch im Fall von Treviso, der Partnerstadt in Italien. Interessanterweise wurde das Opernhaus von Treviso in den 1950er- Jahren abgebrochen und Stein für Stein in Sarasota wieder aufgebaut. Das Theater existiert heute noch.

Nun soll Rapperswil-Jona die nächste Partnerstadt werden. Wie kommt es, dass Sie nun ­dafür werben?
Der Präsident des Schweizer Clubs in Sarasota hat mich angefragt, und ich habe sofort zugesagt. Ich bin an allem interessiert, bei dem es international zu- und hergeht. Jetzt bin ich beim Verband Sarasota Sister Cities für Rapperswil-Jona verantwortlich.

Es geht bei der Sister-Cities-Initiative, die von Präsident Eisenhower ins Leben gerufen wurde, um das Konzept der Citizen Diplomacy, der Bürgerdiplomatie. Was steckt hinter dieser Idee?
Es geht darum, die Unterschiede zwischen den Kulturen zu akzeptieren und zu pflegen, damit sich die Menschen besser verstehen. Das war das Ziel von Präsident Eisenhower nach dem Krieg. Es geht darum, einander zu verstehen, statt zu bekriegen.

Was ist das Geheimnis einer ­erfolgreichen Städtepartnerschaft?
Es braucht starke Gruppen, die zusammenarbeiten, die sehr enthusiastisch sind. Es ist ja alles auf freiwilliger Basis. Wir vom Sister-City-Verband treffen uns jede Woche. Bei diesen Treffen werden Ideen ausgetauscht, und es wird Unterstützung für die ­Anliegen der Partnerstädte organisiert. Wir treffen uns einmal im Monat für ein Mittagessen zu einem bestimmten Thema, wir halten Vorträge über die Partnerstädte und noch vieles mehr.

Was sind denn die konkreten geschäftlichen Vorteile, die aus einer Städtepartnerschaft erwachsen?
Firmen wie Geberit und Weidmann können aufgrund der Städtepartnerschaft leichter mit Firmen in Sarasota Geschäfte machen. Aber nicht nur mit Sara­sota, denn die Sister Cities von Sarasota sind ein Riesennetzwerk. Die Verbindung kann daher auch zwischen Rapperswil-Jona und zum Beispiel Mérida in Mexiko entstehen.

«Es geht darum, die Unterschiede zwischen den Kulturen zu akzeptieren und zu pflegen, damit sich die Menschen besser verstehen.»Nelly Camardo

Gibt es auch Städtepartnerschaften, die eingeschlafen sind?
Das kommt schon ab und zu vor. Zum Beispiel wenn die Regierungen in der Partnerstadt wechseln. Oder wenn die Freiwilligen nicht mehr engagiert sind. Dann muss alles wieder von vorne starten. Ich dokumentiere daher alles. Die offiziellen Briefe, alle Visitenkärtchen, die ich gesammelt habe, alles wird abgelegt. Wenn jemand Neuer übernimmt, ist ­alles da. Ein Kontakt ist nur so gut, wie man ihn pflegt.

Sie sind in den letzten zwei­einhalb Wochen in Rapperswil-Jona für das Projekt unterwegs gewesen. Was haben Sie in dieser Zeit genau gemacht?
Ich wollte dem Schweizer Verein für die Städtepartnerschaft zeigen, wie wichtig es ist, dass der Verein wächst, und zeigen, wie wir in Sarasota organisiert sind. Zwar sind alle enthusiastisch, doch wenn nichts Konkretes geschieht, verläuft es schnell wieder im Sand. Ich habe daher so viele Leute wie möglich kennen gelernt und dabei tolle Begegnungen gehabt. Ich will den Kontakt pflegen, damit das Projekt nicht einschläft.

Das Ganze wirkt beinahe wie ein Vollzeitjob.
Es ist fast einer! Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich da einlasse. Aber ich bin sehr offen und flexibel. Und es macht mir Freude, wenn die Leute anfangen, sich für ein Vorhaben zu begeistern.

Sie haben gesagt, es gehe bei der Sister-Cities-Initiative darum, Unterschiede ­anzu­nehmen. Was sind denn die Unterschiede zwischen ­Rapperswil-Jona und Sarasota?
Ich würde sagen, der Alltag in Sarasota ist völlig anders als das tägliche Leben hier. Ich sehe gerade, wie man hier jeden Tag ein wenig einkaufen geht. Die Distanzen sind kürzer. In Sarasota ist alles eine Nummer grösser.

Die meisten Rapperswil-Joner kennen Sarasota wohl nicht. Welchen Ort möchten Sie ihnen in Sarasota unbedingt ans Herz legen?
Unsere Strände. Die Nummer eins unter den Stränden ist ­Siesta Key, der ist weltberühmt. Er ist drei, vier Minuten von der Stadt entfernt und zieht enorm viele Leute an. Der weisse Quarzsand wird nie heiss, sodass man sich die Füsse nicht verbrennt.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.06.2017, 10:06 Uhr

Von Florida in die Welt

Der Verband Sarasota Cities Asso­ciation setzt sich für Städtepartnerschaften zwischen der Stadt in Florida und Ortschaften in der ganzen Welt ein. Der Verband ist Teil eines amerikaweiten Netzwerks, welches 1956 vom damaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower gegründet wurde. Sarasota hat bereits neun Partnerstädte. Bis Ende 2018 soll die Partnerschaft mit Rapperswil- Jona offiziell werden.

Nelly Camardo ist beim Verband verantwortlich für das Dossier Rapperswil-Jona. Die gebürtige Zürcherin zog in jungen Jahren nach Montreal. Nach einem Zwischenstopp in New York landete sie in Sarasota, wo sie seit 18 Jahren lebt und unter anderem im Schweizer Club aktiv ist. (otm)

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