Rapperswil -Jona

Ein Konflikt, der vorauszusehen war

Das neue städtische Polizeireglement erlaubt das Fischen auf dem Holzsteg. Fischer und Tierschützer waren von Anfang an skeptisch. Jetzt warnen Jogger vor gefährlichen Situationen.

Nicht immer verläuft die Begegnung zwischen Fischern und Spaziergängern auf dem Holzsteg so friedlich.

Nicht immer verläuft die Begegnung zwischen Fischern und Spaziergängern auf dem Holzsteg so friedlich. Bild: Archiv ZSZ

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Schreck war gross. Jogger P. L. (Name der Redaktion bekannt) lief in zügigem Tempo auf dem Holzsteg von Hurden nach Rapperswil, als er kurz nach der Seedammunterführung durch drei am Boden liegende Velos abrupt gestoppt wurde. Die Fahrräder gehörten einer Gruppe von Jugendlichen, die vom Holzsteg aus fischten. P. L. wich dem Hindernis aus, doch als er an der Gruppe vorbeirannte, wurde sein Lauf abermals unsanft unterbrochen.

Einer der Fischer holte in diesem Augenblick mit seiner Angelrute aus und der Angelhaken flitzte nur wenige Zentimeter am Gesicht des Joggers vorbei. Zwei Spaziergängerinnen mit Kindern hätten die Szene beobachtet, berichtet der Jogger. Sie hätten ihrem Ärger über die gefährliche Situation lautstark Luft gemacht.Was die Spaziergängerinnen offenbar nicht wussten: Die Fischer taten nichts Verbotenes. ­Fischen auf dem Holzsteg ist seit diesem Herbst offiziell erlaubt. Die Stadt Rapperswil-Jona änderte ihr Polizeireglement und hob den Verbotsartikel auf, der vorher acht Jahre lang in Kraft gewesen war. Allerdings: Das Verbot hätte die Stadt seinerzeit gar nicht aussprechen dürfen, wie Michael Kugler erklärt. Er ist im kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) für den Vollzug der entsprechenden Gesetzgebung zuständig. Einzig der Kanton kann demnach ein solches Verbot aussprechen und auch wieder aufheben.

Mit dem Feumer fischen

Er sei zunächst skeptisch gewesen, was das Fischen auf dem Holzsteg angehe, sagt Kugler. Der kantonale Fischereiverantwortliche hatte dabei aber weniger potenzielle Konflikte mit Joggern und spazierenden Kindern im Kopf als das Tierwohl. Tierschutzkonformes Fischen aus einer gewissen Höhe über Wasser verlange vom Fischer nämlich ein besonderes Verantwortungsbewusstsein.

Einmal, weil man einen Fisch zum Schutz von dessen Schleimschicht nie mit trockenen Händen anfassen sollte, zum anderen, weil das Zurückwerfen ins Wasser dem Fisch schaden kann. Kugler empfiehlt deshalb für das Fischen auf dem Holzsteg, einen Feumer, ein Fangnetz an einer Stange, zu verwenden.

Fischer sahen es kommen

Von Anfang an eine ganz klare Haltung vertreten hat der Fischereiverein Rapperswil-Jona. Jungfischerobmann Ralf Lendi sagt: «Wir gehen mit den Jungfischern nicht auf den Steg.» Der Verein wolle den Jugendlichen fachgerechtes Fischen beibringen, und das sei von einem erhöhten Steg aus schwierig. Auch Lendi nennt als Beispiel das Zurücksetzen von zu kleinen oder geschützten Fischen ins Wasser. Die Konflikte mit Joggern und Spaziergängern haben viele Mitglieder des Vereins vorausgesehen. Der Fischereiverein hat sich daher von Anfang an gegen die Aufhebung des Verbots ausgesprochen. Der Holzsteg sei ein viel begangener Erholungsweg, sagt Präsident Marcel Wäckerli. Die Fischer wollten dort keine Konflikte provozieren.

Nur mit Patent

Jogger P. L. zieht den Vergleich mit dem Seedammtrottoir, von dem aus auch gefischt werden darf. Dort seien die Platzverhältnisse besser und man komme leichter aneinander vorbei, findet er. Seine Laufstrecke über den Holzsteg mit der viel befahrenen Seedammstrasse tauschen will der Mann jedoch keinesfalls.

Der kantonale Fischereiverantwortliche Michael Kugler hat bis anhin keine Kenntnis von Konflikten zwischen Fischern und Joggern auf dem Holzsteg. Das Gleiche gilt für den Leiter des städtischen Polizeidienstes, Guido Wunderlin. Auf dem Steg sei auch unter dem alten Verbot hin und wieder gefischt worden, doch von Problemen habe er nie etwas gehört.

Bleibt die Frage, ob die Jugendlichen, die Jogger P. L. in die Quere kamen, tatsächlich berechtigt waren, auf dem Holzsteg zu fischen. Das darf nämlich nur, wer im Besitz eines Patents ist. Ohne Patent fischen darf man nur vom Ufer aus. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 10:40 Uhr

Artikel zum Thema

Heizpilze lassen Restaurants kalt

Rapperswil-Jona Das Polizeireglement ist neu aufgelegt worden. Heizpilze sollen nun verboten werden. Betroffen von der neuen Regelung sind vor allem Raucher und Wirte. Doch letztere verzichten ohnehin schon grösstenteils auf die Heizgeräte. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!