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Ein heiterer Politabend

Die drei Stadtratskandidaten von Rapperswil-Jona diskutierten an einem Podium die Tunnelvarianten, das Lido-Projekt und das Thema Vertrauen.

Ueli Dobler, Silvia Kündig, Moderator Conradin Knabenhans und Ramiz Ibrahimovic am Wahlpodium im Kreuz.
Ueli Dobler, Silvia Kündig, Moderator Conradin Knabenhans und Ramiz Ibrahimovic am Wahlpodium im Kreuz.
Manuela Matt
Für Silvia Kündig ist der Tunnel eine mögliche Lösungsvariante. «Wir haben belastete Luft, und Kinder, die darunter leiden», sagte die UGS-Politikerin.
Für Silvia Kündig ist der Tunnel eine mögliche Lösungsvariante. «Wir haben belastete Luft, und Kinder, die darunter leiden», sagte die UGS-Politikerin.
Manuela Matt
Ueli Dobler hält den jüngst getroffenen Tunnel-Entscheid für richtig: «Für mich ist der Tunnel Mitte klarer Favorit.»
Ueli Dobler hält den jüngst getroffenen Tunnel-Entscheid für richtig: «Für mich ist der Tunnel Mitte klarer Favorit.»
Manuela Matt
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Es ist eines der grossen Bauprojekte der Stadt und offenbarte an der Podiumsdiskussion interessante Facetten der Stadtratskandidaten: das Lido-Projekt. Der Stadtrat gab vor kurzem bekannt, er wolle das Projekt noch einmal überdenken und statt einer Traglufthalle eine fixe Trainingshalle bauen. «Was halten Sie von diesem Entscheid?», wollte Pascal Büsser, Moderator und Redaktor der «Südostschweiz», von den drei Kandidaten wissen. CVP-Mann Ueli Dobler, Überflieger beim ersten Wahlgang und potenzieller Favorit am 21. Mai, überraschte mit seiner Antwort. «Wir müssen diesen ganzen Raum leerdenken und anders gestalten», sagte der gelernte Zimmermann. Dobler würde das Stadion in die Industriezone Buech beamen, wenn er denn könnte. «Das würde aber sehr viel kosten», wandte Büsser ein. «Ich bin von meinem Naturell her ein Typ, der sich solche Ideen durch den Kopf gehen lässt», antwortete Dobler und liess den Blick in die Ferne schweifen. Ihm gefalle diese ganze Anlage nicht.

Ramiz Ibrahimovic zeigte sich zufrieden damit, dass der Stadtrat im Lido-Projekt «die Handbremse gezogen hat» und nochmals genau hinschaue. Silvia Kündig machte sich dafür stark, dass solche Areale nicht bloss auf Spitzensportler zugeschnitten würden, sondern auf alle Bevölkerungsschichten.

Dauerbrenner Tunnel

Ein anderes zentrales Thema am Wahlpodium im Joner Kreuz war – wen wunderts – der Tunnel. Pascal Büsser, fragte zuerst Ramiz Ibrahimovic (Jungfreisinnige), ob er als Stadtrat den Tunnel Ost vom Seedamm via Jona zur A53 ebenfalls hätte ausscheiden lassen. «Es war sicher die schlechteste Variante», meinte Ibrahimovic. «Der Tunnel Ost wäre eine unökonomische Lösung gewesen.» Auch Ueli Dobler hält den Entscheid für richtig: «Für mich ist der Tunnel Mitte klarer Favorit.» Mit der Variante Ost hätte der Verkehr von Kempraten und Zürich her die Zürcherstrasse passieren müssen. «Der Verkehr gehört in den Boden, und das Leben gehört hinauf», brachte Dobler seine Vision auf den Punkt. Ob denn die vier Tunnelportale für die Stadt gut wären, wollte Pascal Büsser wissen. «Dass es Portale gibt, müssen wir in Kauf nehmen», fand Dobler. Wichtig sei, dass die Stadt keinen jahrelangen Tagbau ertragen müsse.

Für Silvia Kündig ist der Tunnel eine mögliche Lösungsvariante. «Wir haben belastete Luft, und Kinder, die darunter leiden», sagte die UGS-Politikerin. Auf eine bestimmte Tunnelvariante liess sich Kündig nicht festlegen: Es sei an den Bürgern, zu entscheiden, welche Lösung tragfähig ist. Als schnelle Massnahme schlug sie vor, die Automobilisten auf «Langsamverkehr» umzulagern.

Folgen der Stadtratsreform

«Haben Sie tatsächlich Lust auf eine Statistenrolle im Stadtrat, Ueli Dobler?», fragte Conradin Knabenhans, Moderator und Redaktionsleiter der «Zürichsee-Zeitung», und zielte auf die Stadtratsreform und die Volksmotion «Fünf Stadträte sind genug». Erst müsse das Gremium einmal die Stadtratsreform leben und schauen, wie es laufe, konterte Dobler. «Ich habe Sympathien für diese Motion, aber nicht jetzt.»

Ramiz Ibrahimovic zeigte sich - vor den Augen des im Publikum anwesenden Stadtpräsidenten Martin Stöckling - zufrieden mit einem allfälligen Teilzeitjobs im Stadtrat. «Ich stehe mitten in der Karriereplanung und hätte gar nicht erst für einen vollamtlichen Stadtratssitz kandidiert.» Silvia Kündig fand als Einzige, es brauche die Motion. Ob das denn funktioniere, dass Ressortleiter ohne Entscheidungsgewalt die Stadt vertreten, wollte Knabenhans wissen. «Das ist halt so», fand Ueli Dobler. Und Ibrahimovic meinte: «Wenn das Vertrauen stimmt, kann man gut Aufgaben delegieren.» Zuerst müsse man aber das Vertrauen zwischen Bevölkerung und Stadtrat wieder herstellen, sagte der jüngste der drei Kandidaten. Man müsse sich öffentlich zu wichtigen Themen äussern, das schaffe Vertrauen, meinte Ibrahimovic.

Auch für Silvia Kündig ist Vertrauen ein wichtiges Thema. Immer wieder kämen Menschen mit ihren Anliegen auf sie zu. «Sie wissen, dass ich Antworten gebe. Als Stadträtin würde ich hoffen, dieses Vertrauen weitertragen zu können.» Ueli Dobler meinte schlicht, er würde Vertrauen herstellen, indem er so weiterleben würde wie jetzt. «Auch zu mir kommen viele Leute, nicht nur zu dir, Silvia!», rief der CVP-Mann und erntete Lacher im Saal. Er würde als Stadtrat offen und ehrlich auf die Leute zugehen und ihnen dadurch zeigen, dass er ihre Meinung wahrnehme.

Kabarettistische Einlagen

Die Stimmung im Saal des Kreuz war heiter. Die vorwiegend älteren Zuhörerinnen und Zuhörer schienen interessiert – gleichzeitig war die Stimmung aber längst nicht mehr so aufmerksam-gespannt wie an den beiden vergangenen Wahlpodien. Auf dem Höhepunkt der Podiumsdiskussion wähnte man sich phasenweise an einer Kabarett- oder Satireveranstaltung, insbesondere bei den knackigen Kurzfragen, welche zum Ziel hatten, die Kandidaten aus der Reserve zu locken. Da war zum Beispiel diese Frage von Conradin Knabenhans an Silvia Kündig: «Welches Bild würde man von Ihnen in einer Home­story der Schweizer Illustrierten sehen, klassisch im Schaumbad oder mit den Finken auf dem Sofa?» Kündig liess sich auch hier nicht auf eine Version festlegen, sondern erzählte munter, welche Journalisten bei ihr bereits ein- und ausgegangen seien. Dann konterte sie Knabenhans’ Frage mit: «Wollen Sie auch einmal zu mir nach Hause kommen?»

Ueli Dobler zeigte sich bei den Kurzfragen als Pragmatiker. Auf die Frage, wann er zum letzten Mal so richtig auf dem Schlauch gestanden sei, sagte der Vizekommandant der Feuerwehr trocken: «Ich stehe nie auf dem Schlauch, sondern immer daneben, sonst gibt es kein Wasser.» Ramiz Ibrahimovic, der sich während des Wahlkampfs indirekt für die Geschichte Wilhelm Tells als Schulstoff starkgemacht hatte, wurde prompt von Knabenhans auf den Schweizer Nationalhelden angesprochen. «Wer im Stadtrat ist Tell, und wer ist Gessler?» – «Betim Bunjaku ist Wilhelm Tell», antwortete Ibrahimovic. Der parteilose Jungpolitiker, der beim ersten Wahlgang zur Ersatzwahl angetreten war, sei wirklich visionär und mutig. «Und Gessler ist Zoller», folgerte Ibrahimovic.

Am Schluss der Veranstaltung wollten die beiden Moderatoren von den Stadtratskandidaten wissen, ob sie die Klage der Stadt gegen die Gratiszeitung «Obersee-Nachrichten» aufrechterhalten. Ueli Dobler meinte, er könne erst eine Antwort geben, wenn er das Dossier genau studiert habe. Silvia Kündig und Ramiz Ibrahimovic sind beide für ein Aufrechterhalten der Klage, wenn auch der Jungfreisinnige nicht versteht, weshalb so viele Steuergelder dafür «verschleudert» würden.

Viel Einblick in die unterschiedlichen Charaktere gab die Frage von Pascal Büsser, was die drei Kandidaten tun würden, wenn sie «einen politischen Wunsch frei hätten». Ueli Dobler sagte, er würde das Schloss Rapperswil stärker für die Bevölkerung öffnen. Silvia Kündig wünscht sich, hinter dem Joner Coop-Restaurant nicht Rauchertischli, sondern «einen schönen Ort» vorzufinden. Und Ramiz Ibrahimovic würde in das Raumangebot des Berufs- und Weiterbildungszentrums (BWZ) investieren.

Junge für Politik motivieren

Interessant waren auch abschliessenden die Fragen aus dem Publikum. Eine Person warf die Frage nach dem Stadtparlament auf. Der jungfreisinnige Ramiz Ibrahimovic machte sich für ein «schmales, auf Freiwilligenarbeit beruhendes Stadtparlament» stark. Silvia Kündig findet, eine Stadt wie Rapperswil-Jona sei in der Zukunft undenkbar ohne Parlament, und Ueli Dobler meinte kurz und knapp «viele Köche verderben den Brei», deshalb sei er «grundsätzlich dagegen».

Eine junge Frau aus dem Publikum wollte wissen, wie es die drei Politiker erreichen wollten, dass sich mehr junge Menschen politisch engagierten. Ueli Dobler riet der Dame zum Einstieg in der Feuerwehr und erntete erneut Lacher, während Silvia Kündig das Jugendparlament und die Juso anpries und Ramiz Ibrahimovic fand, sie solle der «dynamischsten Jungpartei der Stadt» beitreten.

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