Rapperswil-Jona

Dritter Platz für Lokalmatadoren

An der Star-Schweizer-Meisterschaft auf dem Zürich­see gewannen die Lokalmatadoren Jürg Ryffel und Alex Gouda vom Yacht-Club Rapperswil die Bronzemedaille. Die ­Entscheidung fiel erst auf der letzten von sechs Wettfahrten.

Segeln vor traumhafter Kulisse: Die Teilnehmer der Star-Schweizer-Meisterschaft segelten bei strahlendem Sonnenschein um die Wette.

Segeln vor traumhafter Kulisse: Die Teilnehmer der Star-Schweizer-Meisterschaft segelten bei strahlendem Sonnenschein um die Wette. Bild: Andreas Eisenring

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Vor dem letzten Durchgang am Sonn­tag, bei gerade noch knapp ausreichendem Westwind, hatten noch fünf Boote Chancen auf den Meistertitel. Dieser ging schliess­lich dank des dritten Laufsieges verdient an das Team Bernhard Seger und Walter ­Oess von der Segler-Vereinigung Bottighofen TG. Die Lokalmatadoren des Yacht-Clubs Rapperswil, der Stäfner ­Jürg Ryffel mit seinem Teamkollegen Alex Gouda aus Zürich, hatten ihre Chancen auf den Titel wegen gleich zwei missratener Starts vorentscheidend kompromittiert.Jürg Ryffel, ein Ursegler mit gegerbter Haut und weis­sem Haar, stand als Vorstandsmitglied des organisierenden Yacht-Clubs Rapperswil und als segelnder Mitfavorit in einer an­spruchs­vollen Doppelrolle. Und er erlebte an den vier Wettkampftagen ein Wechselbad der Ge­fühle.

Zum Start am Auffahrtstag produzierten Skipper Jürg Ryffel und Vorschoter Alex Gouda einen veritablen Fehlstart und glitten als Letzte über die fiktive Start­linie. «Das war ein richtiger Anfängerfehler», schüttelte Ryffel den Kopf, «man merkte, dass wir diese Saison noch nicht so viele Regatten bestritten haben.» Mit einer kämpferischen Aufholjagd auf Rang 11 hielten die beiden den Schaden gerade noch in Grenzen, mussten aber gleichwohl bereits im ersten Lauf das Streichresultat einziehen.

Laufsieg am 58. Geburtstag

Den Freitag, den Tag seines 58. Geburtstages, hätte Jürg Ryffel nicht würdiger begehen können: Das Geburtstagskind skippte sein Boot Arleccino so zielsicher durch die Rapperswiler Bucht, dass ein Laufsieg und ein dritter Platz herausschauten, wodurch nach vier Durchgängen die Gesamt­führung übernommen ­wurde und auch die SM-Wertung bereits gültig gewesen wäre.

Nach dem zweiten Wettkampftag, voll auf Meisterkurs liegend, brachte dann die samstägliche Schwachwindwettfahrt den Einbruch – als ob Ryffel es geahnt ­hätte. «Wenn man in Führung liegt, hofft man natürlich, dass die restlichen Wettfahrten bei ­gutem und gleichmässigem Wind stattfinden», meinte Ryffel vor dem fünften ominösen Lauf. «Schlimm wäre ein schlechtes Rennen mit Windlöchern, wo der Zufall mitspielt.»

Seine Vorahnung am Freitagmorgen, als er von seinem Haus in Stäfa aus am Morgen früh die Windbewegungen auf dem See beobachtete, täuschte Ryffel nicht. Die fünfte Wettfahrt bot zwar bei 7 bis 8 Knoten West­wind anständige Startbedin­­gungen, ­flaute dann aber schnell auf 4 Knoten ab.

Start als Problem

Das Hauptproblem war erneut der ungenügende Start. «Wir sind zu verhalten gestartet und wurden im Feld blockiert», erklärte Ryffel. Sein Vorschoter Alex ­Gouda erklärte, warum der Start im Segeln so eminent wichtig ist: «Wenn man weit hinten wegfährt, hat man kaum mehr Chancen, nach vorne zu kommen, weil der Abwind der anderen Boote die Luft verwirbelt und man so gebremst wird.»

Traum geht nicht in Erfüllung

Dank erneut grandioser Aufholjagd – auf der letzten Kreuz gelang der Vorstoss von Rang 18 auf 10 – fielen die Lokalmatadoren auf Zwischenrang 3 zurück. Dabei blieb es. Damit ging der Traum, nach 1996 – ebenfalls in Rapperswil – zum zweiten Mal in 20 Jahren Schweizer Meister mit dem Star zu werden, knapp nicht in Erfüllung.

Ryffel aber hat an der Schweizer Meisterschaft einmal mehr gezeigt, dass er ein ausgesprochener Wettkampftyp ist. «Ich kann nicht gemütlich segeln», sagt er und fügt schmunzelnd an: «Wenn ich es gemütlich haben will, gehe ich mit dem Motorboot raus.» Wenn er nicht Segler geworden ­wäre, hätte er wohl eine andere sportliche Challenge gesucht, meint der ehemalige Skilehrer, der jährlich noch immer 80 bis 100 Tage auf den Brettern verbringt. «Mein Leben, das ist das Segeln», bringt es der ehemalige Mitbesitzer der Ingenieurfirma Zülke auf den Punkt, wobei der frühere Spagat von Firma und Sport nicht immer einfach gewesen sei. «Für Wettkampfsegeln muss man sich viel Zeit nehmen, man muss auch im Kopf frei sein dafür», sagt er. Aber er könne gut switchen: «Wenn die Kra­watte weg ist, kann ich sofort auf Segeln umstellen.»

Seit Martin Caspar neuer Präsi­dent des Yacht-Clubs Rapperswil ist, ist im Segelklub viel frischer Wind zu spüren. Caspar drängte darauf, dass die Erfahrung von Ryffel auch dem Klub mehr zugutekommt. So enga­giert sich YCR-Sportchef Ryffel seit kurzem auch als Trainer in der neu lancierten Nachwuchsbewegung, die in den letzten Jahren arg vernachlässigt wor­den ist.


1. Rang: Bernhard Seger, Walter Oess,Segler-Vereinigung Bottighofen TG. 2. Rang: Beat Hunziker, Vincent Nagelisen, Segelclub Hallwil.
3. Rang: Jürg Ryffel, Alex Gouda, Yacht-Club Rapperswil.
(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.05.2016, 21:04 Uhr

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