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Die dicke Post der Post trifft Gemeinden im Linthgebiet

Von 17 Filialen der Post , wie es sie noch vor wenigen Jahren im Linthgebiet gab, bleiben nur sechs übrig. Die Post gab am Dienstag bekannt, bald auch die Filialen in Benken, Gommiswald, Schänis und Schmerikon zu schliessen.

Nach nicht einmal zwei Jahren im neuen Gebäude an der Hauptstrasse ändert die Post ihre Pläne: Die Filiale Schmerikon soll geschlossen werden.
Nach nicht einmal zwei Jahren im neuen Gebäude an der Hauptstrasse ändert die Post ihre Pläne: Die Filiale Schmerikon soll geschlossen werden.
Michael Trost

Im Kanton St. Gallen gibt es aktuell noch 72 Poststellen. Davon wird der Weiterbetrieb von 41 Filialen bis 2020 garantiert. 31 Poststellen sollen hingegen geschlossen und wenn möglich durch eine Postagentur ersetzt werden. Von den Schliessungsplänen betroffen sind im Linthgebiet Schmerikon, Benken, Gommiswald und Schänis.

Die Post hat in den letzten Wochen die Ergebnisse der Restrukturierung ihres Filialnetzes tranchenweise bekanntgegeben. Am Dienstag war der Kanton St. Gallen an der Reihe. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Poststellen soll geschlossen werden. Konkret steht bei 31 der aktuell 72 Filialen eine Einzelfallprüfung an.

Er wolle nichts beschönigen, erklärte Thomas Baur, Leiter Poststellen und Verkauf bei der Post, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Bei den nun folgenden Gesprächen mit den Gemeinden zu den 31 zu überprüfenden Filialen gehe es vor allem noch um die Modalitäten der geplanten Aufhebung.

Diskutiert werde etwa darüber, ob es einen Partner für eine Postagentur gebe und ob noch bauliche Fragen geklärt werden müssten. Spielraum gebe es etwa auch beim Zeitpunkt der Schliessung. Baur betonte, es müsse eine Lösung vor Ort gefunden werden, ersatzlose Schliessungen solle es nicht geben.

Geschlossene Poststellen rund um den Zürichsee und im Linthgebiet.

Der Kanton St. Gallen wird im landesweiten Abbau des Postellennetzes nicht verschont. Von derzeit 72 Poststellen werden bis 2020 noch 42 überleben. Zum postalischen Aderlass muss auch das Linthgebiet beitragen. Hier wurde in vier Gemeinden das Urteil «Filiale wird überprüft» gefällt.

Nach Lesart der Post ist das gleich bedeutend mit der bevorstehenden Schiessung aus wirtschaftlichen Gründen: Zu wenig Umsatz für eine eigenständig betriebene Poststelle. Betroffen sind Benken, Gommiswald, Schänis und Schmerikon. Vor allem in der Gemeinde am Obersee ist das eine Hiobsbotschaft ohne Vorwarnung. Laut Gemeindepräsident Felix Brunschwiler (parteilos) wurde Schmerikon erst am Dienstag informiert. Er habe gewusst, dass die Post Schweiz weit eine Überprüfung ihres Filialnetzes angekündigt hat. «Daher sind wir nicht überrascht», sagt er.

Kehrtwende in Schmerikon

Trotzdem komme der Beschluss unerwartet. «Erstaunt sind wir über den erst kürzlich getätigten Umzug aus der eigenen Liegenschaft im Seefeld in Miete an die Hauptstrasse», fügt Brunschwiler hinzu. Die aufwendige Züglete habe die Gemeinde doch glauben lassen, dass die Post langfristige Pläne in Schmerikon verfolge. Noch im Februar sagte Gemeindeschreiber Claudio De Cambio in der ZSZ: «Es würde mich daher erstaunen, wenn die Post nun doch noch zugeht.»

Genau das hat die Post nun bekannt gegeben. Wie sich Schmerikon dazu äussern wird, liess Gemeindepräsident Brunschwiler offen. «Der Gemeinderat wird sich betreffend das weitere Vorgehen an der heutigen Sitzung festlegen», sagte er am Dienstag.

Markus Werner, Sprecher der Post, erklärt die Kehrtwende in Schmerikon: «Wir haben unser Postnetz in den letzten Monaten einer Überprüfung unterzogen. Aufgrund des veränderten Kundenverhaltens sind wir dabei an einzelnen Standorten zu anderen Schlüssen gekommen, als dies noch vor drei oder vier Jahren der Fall war, so zum Beispiel in Schmerikon.»

Schänis war vorgewarnt

Ebenfalls zum dringlichen Traktandum wird der Bescheid aus Bern für den Gemeinderat Schänis, wie Gemeindratsschreiber David Reifler mitteilt. Dabei war die Gemeinde vorgewarnt. «Dass die Post ihre Filiale in Schänis überprüft, ist für den Gemeinderat Schänis nicht neu», sagt er.

«Ich bin überzeugt, dass die letzte Poststelle in Gommiswald erhalten werden muss.»

Peter Hüppi, Gemeindepräsident Gommiswald

Gleichzeitig unterstreicht er die Position der Behörde: «Der Gemeinderat ist nach wie vor dezidiert der Meinung, dass der Betrieb einer Poststelle in Schänis nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig ist.»

Darum habe die Behörde laut Reifler bereits im September 2016 der Post deutlich gemacht, «dass eine Schliessung der Poststelle Schänis im Einvernehmen mit dem Gemeinderat in keiner Art und Weise möglich sein wird».

«Das ist neu für mich»

Auch in Benken flatterte am Dienstag die dicke Post der Post ins Gemeindehaus. Gemeindepräsidentin Heidi Romer (CVP) reagiert gefasst: «Dass unsere Post geschlossen werden soll, ist für mich neu. Das ist keine schöne Nachricht.» Aber ganz unerwartet komme sie auch wieder nicht, «denn man hat ja gehört, dass einige Filialen auf wackligen Beinen stehen.»

Vorinformiert wurde Benken von der Post allerdings nicht, berichtet Heidi Romer. Jetzt würde sie sofort das Gespräch mit der Post und möglichen Partnern suchen. Es gelte nun die Energie für Lösungen zu finden, damit Benken wenigstens die wichtigsten Postdienstleistungen erhalten bliebe, sei es mit einer Agentur oder mit Hausservice. «Ich will keine Zeit verschwenden», sagt die Gemeindepräsidentin.

Faire Überprüfung verlangt

Völlig überrascht vom Bescheid zeigte sich Peter Hüppi (SP), Gemeindepräsident in Gommiswald. Die Post habe zuvor nie mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen? «Ich höre heute das erste Mal davon.» Enttäuscht ist er über den schrittweisen Abbau des Service Public. «Auf dem heutigen Gemeindegebiet Gommiswald wurden in den letzten Jahren vier Poststellen geschlossen. Darum bin ich überzeugt, dass die letzte Poststelle in Gommiswald erhalten werden muss.»

Seine Gemeinde werde nun «sicher Gespräche mit der Post führen und unsere Argumente auf den Tisch legen», sagt Hüppi. «Eine faire Überprüfung wird hoffentlich aufzeigen, dass in Gommiswald mit über 5000 Einwohner eine Poststelle aufrecht erhalten muss.»

Zwei Filialen Rapperswil-Jona

Von Abbauplänen der Post verschont bleibt Jona. Damit behält Rapperswil-Jona zwei Filialen: Eine neben dem Bahnhof, die andere an der Allmeindstrasse in Jona. Post-Sprecher Markus Werner begründet diesen Entscheid: «Der Ortsteil Jona verfügt über eine gewisse Zentrumsfunktion für die Region. Angesichts der aktuellen Nutzungszahlen sind wir deshalb der Ansicht, dass es in Jona weiterhin eine traditionelle Poststelle braucht. Der Standort Jona stand deshalb von Beginn weg nicht zur Diskussion.»

Gespräche mit dem Volkswirtschaftsdirektor

Die Post hatte ihr Filialnetz zuerst aufgrund von eigenen Kriterien durchforstet. Dabei galt, dass es in den Kantons- oder Bezirkshauptstädten weiterhin eine Filiale geben müsse. Generell sei man in Städten vom Verhältnis von einer Poststelle auf 20'000 Einwohner ausgegangen. Massgebend seien auch Umsätze oder die Kundenfrequenz gewesen. Danach wurden geografische Lücken in ländlichen Regionen geschlossen. Über dieses erste Ergebnis habe es danach Gespräche mit den jeweiligen Kantonen gegeben. Ansprechpersonen waren jeweils die Volkswirtschafsdirektoren. Aufgrund von raumplanerischen Einwänden oder von Annahmen über die Bevölkerungsentwicklung sei die Liste nochmals überarbeitet und ein zweites Mal diskutiert worden.

Unterwasser und Ebnat-Kappel bleiben

Dabei gab es auch Änderungen: Im Kanton St. Gallen sei eine garantierte Poststelle in Unterwasser zuerst nicht vorgesehen gewesen. Wenn man die örtliche Situation im Obertoggenburg nicht kenne, habe dies nicht eingeleuchtet, so Baur. Das gleiche gilt für die Poststelle in Ebnat-Kappel.

Waren sich Kanton St. Gallen und Post am Schluss einig? Generell sei man in den Gesprächen auf viel Verständnis gestossen, erklärte Baur. Schliesslich habe sich das Kundenverhalten stark verändert und die Post müsse darauf reagieren. Beide Seiten seien nach den beiden Gesprächsrunden der Meinung gewesen, dass «ein ausgewogenes Ergebnis erzielt wurde».

Die Post kündigte am Dienstag nicht nur Schliessungen an oder garantierte die Weiterführung von 41 Poststellen: An Orten, an denen es eine Agenturlösung gebe, werde ab September 2017 die Möglichkeit für Barzahlungen an der Haustür angeboten. Weiter will die Post abonnierte Tageszeitungen in Gegenden ohne Frühzustellung bis Mittag verteilen. Für KMU soll eine neue Lösung für die Aufgabe und Abholung von Sendungen angeboten werden.

Kritik der Gewerkschaft

In einem Communiqué kritisierte die Gewerkschaft Syndicom am Dienstag die geplanten Schliessungen im Kanton St. Gallen. Die Post ignoriere unter anderem eine Motion, die der Nationalrat kürzlich überwiesen habe. Darin wird «eine Überarbeitung der Erreichbarkeitskriterien für Postdienstleistungen» verlangt. Die Kantone und Gemeinden seien gut beraten, «sich vehement gegen den Abbau zur Wehr zu setzen».

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