Rapperswil-Jona

«Diese Kampagne interessiert mich nicht»

Eine polnische Social-Media-Kampagne fordert den Erhalt des Polenmuseums im Schloss. Diese ­Forderung stösst beim Stadtpräsidenten auf taube Ohren.

Zeigt wenig Interesse an der Social-Media-Kampagne zum Erhalt des Polenmuseums: Stadtpräsident Erich Zoller.

Zeigt wenig Interesse an der Social-Media-Kampagne zum Erhalt des Polenmuseums: Stadtpräsident Erich Zoller. Bild: Archiv Moritz Hager

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Es steckt viel Herz­blut im ­Kampf um das Polenmuseum im Schloss Rapperswil. Das zeigt schon nur der Name der grossen polnischen Internetkampagne, die unter dem Titel «I love Rapperswil» läuft. Lanciert hat sie das Inter­net­portal Onet.pl, das zum Verlag Ringier Axel Springer gehört.

Die Einträge auf der Facebook-Seite der Kampagne zeigen: Zahlreiche Polinnen und ­Polen identifizieren sich mit dem Mu­seum. Für sie ist das Haus ein Symbol für die gemeinsame Geschichte von Polen und der Schweiz.

Entscheid steht fest

Erich Zoller (CVP), Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, ist über die Kampagne informiert. Für ihn sind die auf Onet.pl ver­öffent­lichten Forderungen ­jedoch kalter Kaffee: «Der Entscheid ist bereits vor einiger Zeit gefällt ­worden. Es wird kein Polen­museum mehr geben im Schloss Rap­pers­wil.» An diesem Entscheid werde nichts mehr geändert – Kam­pagne hin oder her.

Dass die Kampagnenführer von der Stadtverwaltung fordern, «das Museum im Namen unse­rer gemeinsamen Geschichte und zeit­genössischen Freundschaft zu erhalten», ist dem Stadtpräsidenten egal. Er sagt: «Diese Kam­pa­gne interessiert mich nicht.»

Die Idee zur Aktion sei Mitarbeitern von Onet.pl auf einer Reise nach Rapperswil-Jona ge­kom­men. Wie Alexandra Delvenakiotis, Sprecherin von Ringier Axel Springer, auf Anfrage schreibt, seien die betreffenden Mitarbeiter vom Polenmuseum und von der gemeinsamen Geschichte und Freundschaft der beiden Län­der «sehr angetan» gewesen.

Mit der Kam­pagne «I love Rapperswil» wolle Onet.pl die Verbundenheit des polnischen Volkes mit Rapperswil-Jona und ­seinen Bewohnern hervorheben und die gemeinsame Geschichte wieder ins Bewusstsein aller ­rufen. «Es ist vielen Polen ein Anlie­gen, dass dies auch in einer geeigneten Form im neuen Schloss­konzept erhalten bleibt», schreibt Delvenakiotis.

Imageschaden befürchtet

Anna Buchmann, Leiterin des Polen­museums, sagt, sie hätte von der Kam­pagne erst erfahren, als diese bereits angelaufen war. Aber: «Jede Aktion, die das Polen­museum unterstützt, ist will­kommen», sagt Buchmann. Onet.pl hat vor kurzem ein Interview mit Buchmann veröffentlicht. In diesem erklärt sie, der Schliessungsentscheid hätte in ihrer Heimat einiges in Bewegung gesetzt. «Die bevor­ste­hende Auflösung des Museums hat die Menschen in Polen wachgerüttelt», ist Buchmann über­zeugt. Die Kampagne stosse bei Polinnen und Polen auf grosse Resonanz; seit Beginn der Aktion ­habe sie zahlreiche Anrufe von Landsleuten erhalten, die sich posi­tiv zur Aktion äusserten.

Anna Buchmann befürchtet, dass der Rapperswiler Entscheid sich langfristig negativ auf das Ansehen der Schweiz in Polen auswirken könnte: «Dem Image der Schweiz wird das schaden.» Bisher sei der Ruf Helvetiens in ihrem Heimatland sehr gut ­gewesen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.05.2016, 08:47 Uhr

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