Ufenau

Die zwei Raben fliegen wieder

Ab heute ist das Haus zu den zwei Raben auf der Insel Ufenau wieder geöffnet. Die jahrelange Modernisierung der Perle im Zürichsee wurde am Freitagabend mit einer kleinen, aber heiteren Feier zelebriert.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Amore, more, ore, re». Diese vier lateinischen Worte rückte der Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer, in den Mittelpunkt seiner Rede zur Wiedereröffnung der Insel Ufenau. Liebe, Benehmen, Wort und Tat – Begriffe, die für den Abt zur Insel passen. Und das nicht nur, weil sie auf dem Grabstein des 1704 verstorbenen Mitbruders Gregor Hüsser hinter der Inselkirche St. Peter und Paul stehen. «Als liebende Menschen sollen unsere Gäste die Insel wieder verlassen», sagte Abt Urban in seiner äusserst weltlich gehaltenen Ansprache. Die Insel der Stille sei mehr als ein Ort, an dem der Lärm wegbleibe. «Es ist ein Ort der Orientierung.» Die Ufenau sieht er als Oase, in der man neue Hoffnung schöpfen könne.

Abt Urban zeichnete die Geschichte der Insel nach, die 965 als Geschenk von Kaiser Otto in den Besitz des Klosters überging. Früher war sie zu Zeiten des Mittelalters als Pfarrei das geistige und kulturelle Zentrum am oberen Zürichsee. Heute ist sie nach wie vor ein Ort der Kultur, aber auch der Gastlichkeit. Und damit diese benediktinische Tradition des Gästebewirtschaftens weiterhin gelebt werden kann, dafür mussten auf die Worte auch Taten folgen. Er sei dankbar, dass sein Vorgänger, der krankheitshalber abwesende Martin Werlen, die Insel zurück in den Fokus des Klosters Einsiedeln geholt habe, meinte Abt Urban.

In seiner von Dankesworten geprägten Rede lobte er aber auch die unermüdliche Arbeit der Projektgruppe Ufenau und des Vereins «Freunde der Insel Ufnau», die sich in den vergangenen fast zwanzig Jahren für die Sanierung der Insel starkgemacht haben. Das waren etwa Projektleiter Rudolf Späni – «ein Guttäter» –, aber auch der Vereinspräsident Fredy Kümin. Keiner kenne die Insel so gut wie Kümin, betonte der Abt und schob lachend nach: «Und er ist mit allen 30 Vogelarten auf der Insel per Du.»

Ein Millionenprojekt

Dass der Vorsteher des Klosters Einsiedeln so viel zu danken hatte, liegt nicht zuletzt am Millionenbetrag, der in die Insel investiert wurde. Allein die Sanierung des Gasthauses zu den zwei Raben hat sieben Millionen Franken verschlungen. Gut, liege die Insel «bettelstrategisch» noch besser als nur vor der Gemeinde Freienbach, scherzte der Abt. So spendeten auch die Kantone Zürich, St. Gallen und Schwyz an die sanfte Modernisierung der Ufen­au, ebenso wie viele Stiftungen und Privatpersonen.

Von diesen Gönnern wohnten viele der geschlossenen Feier in der Kirche St. Peter und Paul bei, unter ihnen die Regierungsräte Michael Stähli (Schwyz) und Martin Klöti (St. Gallen), aber auch Vertreter der umliegenden Gemeinden – allerdings keine aus dem Kanton Zürich. Abt Urban lobte vor den knapp 80 Gästen das Gesamtwerk, das den Architekten Frank Roskothen und Pius Bieri bei der Sanierung gelungen sei. Dabei ging er – fast schon entschuldigend, aber mit viel Schalk – auch auf Details ein: «Gehen Sie aufs WC. Es lohnt sich.»¨

Video: Die Segnung des Hauses zu den zwei Raben von Abt Urban Federer

Bauen, was finanziert ist

«Die Stille bleibt, die Schlichtheit ist erhalten», betonte Projektleiter Rudolf Späni in seiner Eröffnungsrede. Die Ufenau liege wie eine grosse Perle am Ende einer Kette, die beim Schlossturm im Unterdorf von Pfäffikon beginne, sich über die Seeanlage erstrecke und mit der Insel im See ende. Späni lobte die Arbeit der Projektgruppe, die sich stets ans Credo «Es wird nur gebaut, was finanziert ist» gehalten habe. Dies gelte nicht nur für die Sanierung des Hauses zu den zwei Raben, sondern auch für die früher erfolgten Renovationen der Kirche und Kapelle, die behindertengerechten Wege oder die ökologische Aufwertung.

Zwei Raben fürs Dach

Späni hätte die Insel gerne mit einem symbolischen Akt eröffnet – doch ein Schlüssel für die Insel gebe es nicht und ein Band für die ganze Insel wäre ganz schön gross geworden. Der Projektleiter übergab Abt Urban Federer deshalb zwei Skulpturen – in Form von Raben –, die eine Künstlerin aus Guarda GR geschaffen habe. «Ich könnte mir vorstellen, dass sie in Zukunft vom Vordach des Hauses zu den zwei Raben aus genau beobachten, was auf der Insel vor sich geht», meinte er.

Dass die Ufenau nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist, freut auch den Unternehmer Beat Curti, wie er am Rande der Eröffnung erzählte. Er hat mit seiner Familie das neue Vordach des Gasthauses gestiftet. Das tat er nicht nur aus Freude über die wunderbare Insel, sondern auch wegen der besonderen Verbundenheit mit ihr. In den Zeiten der Helvetischen Republik hatten seine Vorfahren die Ufenau 1801 ersteigert und vier Jahre später dem Kloster zurückverkauft. Über 200 Jahre später ist Nachfahre Beat Curti weniger am Besitz der Ländereien interessiert, sondern an ebenjenem, was auch die normalen Ufenau-Besucher ab heute wieder auf die Insel lockt: «Meine Frau liebt die Bratwürste. Und ich komme wegen der Fischknusperli.» (zsz.ch)

Erstellt: 20.04.2018, 23:17 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!