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Die Unterhaltungstante vom Vierwaldstättersee

Ihre Bestseller heissen «Wandern ist doof», «Schwingfest» oder «Gipfeltreffen». Wenn Blanca Imboden auftritt, liest sie nicht einfach aus ihren Büchern. Sie bietet eine Vorstellung, zu der sie nichts weiter braucht als sich selber.

Von einem Bestseller zum nächsten: Die Schwyzer Autorin Blanca Imboden mit den vier Hauptfiguren ihrer Serie «Schule ist doof».
Von einem Bestseller zum nächsten: Die Schwyzer Autorin Blanca Imboden mit den vier Hauptfiguren ihrer Serie «Schule ist doof».
Moritz Hager

Sie war Sängerin, Seilbahn­angestellte, Museumsführerin und Journalistin. In ihrer Zeit bei der – 2013 eingestellten – «Neuen Schwyzer Zeitung» habe sie viele langweilige Lesungen besuchen müssen, erzählt Blanca Imboden. Lesen könne man das Buch ja eigentlich selber, habe sie dabei immer gedacht. Viel interessanter wären doch Geschichten rund um den Autor, die Autorin. Daran hält sich die 54-jährige Schwyzerin, die inzwischen selber zur Bestsellerautorin avanciert ist und sich als Unterhaltungstante bezeichnet. Die 150 Zuhörerinnen im knallvollen Saal des Begegnungszentrums Uznach langweilen sich offensichtlich keine Sekunde.

«Heute würde man ein Kind wie mich wohl therapieren.»

Blanca Imboden

Imboden erzählt, sie habe schon als Kind gern und viel geschrieben. Einen ihrer Schulheftromane hat sie gleich mitgebracht. Die handgeschriebenen, mit Bildern aus Illustrierten verzierten Seiten hat Imboden über all die Jahre sorgfältig aufgehoben. Die Hefte, in denen es von Krankenschwestern, Ärzten und Leichen nur so wimmelte, machten schnell die Runde auf dem Pausenplatz. «Heute würde man ein Kind wie mich wohl therapieren», sagt die Autorin. Dabei hat Blanca Imboden aus einer Not heraus zu schreiben angefangen. Sie wuchs in Ibach bei Schwyz in einer Arbeiterfamilie mit sechs Geschwistern auf. Das Geld war knapp, für Bücher reichte es kaum. Die wenigen Exemplare in der Bibliothek hatte sie eins, zwei weggelesen. «Da musste ich halt meine eigenen Bücher schreiben.»

Vom Problem zum Glück

Blanca Imboden schrieb weiter, träumte davon, eines ihrer Werke einmal als gedrucktes Buch in den Händen zu halten. Doch von den Verlagen kamen nur Absagen. Bis ihr eines Tages ihr grösstes Problem zu ihrem grössten Glück verhalf. Jahrelang hatte sie mit ihrem Gewicht gekämpft, eine Diät nach der anderen ausprobiert und mit der «Kalorien-Königin» darüber ein Buch geschrieben. Dieses erschien zunächst in einem kleinen Schweizer Verlag, bevor das grosse deutsche Haus Piper anbiss. Imboden wurde mit einer Fortsetzung beauftragt und lernte dabei das Verlagsbusiness gleich so richtig kennen. Als das zweite Buch fertig war, wollte der Verlag unbedingt den Titel «Die Pralinen-Prinzessin» darüber setzen. Das Problem war, dass im ganzen Buch keine einzige Praline vorkam. Als folgsame Innerschweizer Frau habe sie dann halt noch einige Pralinen in den Roman «hineingemurkst», erzählt Im­boden.

Auch ihren ersten Grosserfolg hat Blanca Imboden indirekt ihren Gewichtsproblemen zu verdanken. Als es mit der gefühlt tausendsten Diät wieder nicht geklappt hatte, landete die Geplagte bei einer Mentaltrainerin. Und diese verordnete ihr: Bewegung. Daraus entstand 2013 der Bestseller «Wandern ist doof», erschienen im Wörterseh-Verlag. Das Buch schaffte es im Nullkommanichts in die Schweizer Top Ten, und Blanca Imboden fand sich in einer Reihe mit Martin Suter und Dan Brown wieder. Seither gehts Schlag auf Schlag. Mit «Gipfeltreffen» ist soeben eine Fortsetzung herausgekommen; ausserdem wurde das Konzept erfolgreich auf eine Reihe mit dem Titel «Schule ist doof» ausgeweitet. Die Idee dazu stammt übrigens von Imbodens Götti­buben.

Kuhstall und Schwingfest

Was leicht tönt, ist harte Arbeit. Für den vierten Teil von «Schule ist doof», der demnächst erscheinen wird, absolvierte Imboden ein einwöchiges Praktikum bei einem Tierarzt, wo sie lernte, was ein Käfigmagnet in einem Kuhmagen macht und warum in manchem Stall kübelweise Kafi Schnaps herumsteht. Für ihr Buch «Schwingfest», das sie nur schrieb, weil der Verlag fand, es habe noch nie jemand einen Roman über den Schweizer Nationalsport geschrieben, tingelte sie von einem Festplatz zum nächsten, bis sie herausfand, dass sie am Fernsehen viel mehr übers Schwingen lernen konnte.

Für den vierten Teil von «Schule ist doof» absolvierte Imboden ein einwöchiges Praktikum bei einem Tierarzt.

Reich wird Imboden trotz Bestsellerlisten nicht. Manchmal werde sie von Existenzängsten geplagt, gesteht sie gar. Und hat doch fast Mitleid mit den Schulkindern, die in ihren Lesungen jeweils nur wissen wollen, ob sie denn jetzt reich und berühmt sei. Sie habe ein spannendes Leben und sei froh, dass sie zum Glücklichsein gar nicht so viel brauche, antwortet sie dann.

Um auf Ideen für neue Bücher zu kommen, muss Blanca Imboden nicht ans Ende der Welt reisen. Sie findet sie fast überall: auf ihrem geliebten Urmiberg, wo das Huhn Mathilda Seilbahn fährt, als wäre dies das Normalste in der Tierwelt. Oder im Zug, wo der Sitznachbar am Telefon über seine Hämorrhoiden berichtet. Ihre Diäten schaffen es ab und zu noch in eine Kolumne für eine Sonntagszeitung. Wenn sie dann vorliest, wie sich der Winterspeck in Frühlingsrollen verwandelt, sodass das figurbetonte Sommerkleid klebt und spannt statt fällt, lachen die Zuhörerinnen über sich selber fast genauso laut wie über die Autorin. Und manch eine mag denken, dass es um jedes Pfund schade wäre, das diese Frau da vorne weniger hätte. Fett ist schliesslich Energie.

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