Ufenau

Die unerhörte Leichtigkeit des Musizierens

Zwei junge Interpreten und alte Musik: Dank dieser Mischung entstand in der Kirche Peter und Paul auf der Ufnau ein wunderbares Sommerkonzert.

Die Blockflötistin Lucie Horsch und der Lautenist Thomas Dunford spielten nicht immer nach Programm.

Die Blockflötistin Lucie Horsch und der Lautenist Thomas Dunford spielten nicht immer nach Programm. Bild: Tobias Humm

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Einen schöneren Ort als die Insel Ufnau kann man sich für Barockmusik kaum vorstellen. Intim ist der Rahmen, intim auch der Klang von Flöte und Laute, die trotz ihres Namens ein vergleichsweise zartes Instrument ist. Umso besser, dass der umtriebige Impresario des Musiksommers am Zürichsee, Giovanni Bria, die Stuhlreihen eng gesetzt hat. Man ist sich nah im Publikum –und nah an den Musikern.

Sonst hätten auch einige der potenziellen Konzertbesucher den Weg auf die Insel umsonst gemacht, denn die kleine Kirche St. Peter und Paul war voll, Giovanni Brias Ambition erfüllte sich. Allerdings nicht nur bezüglich des Besucheraufmarschs, sondern auch bezüglich der Qualität des Gebotenen.

Frisch und unverbraucht

Die erst 18-jährige holländische Blockflötistin Lucie Horsch und der etwas ältere, aus Paris stammende Lautenist Thomas Dunford zeigten sich über den ganzen Abend hinweg von ihrer besten und bestgelaunten Seite. Zwar spielten sie nicht genau, was auf dem Programmzettel stand – einiges wurde ausgelassen, anderes kam hinzu –, aber sie spielten die alte Musik mit einer Frische und Unverbrauchtheit, als würden sie die Klänge im Augenblick des Spiels erfinden.

Den Anfang machte ein Werk von Johann Sebastian Bach. Es folgte eine Komposition des als Musiker wenig bekannten François-André Danican Philidor. Seine zweite Liebe hatte dem Schachspiel gegolten und in diesem Gebiet ist er der Nachwelt als Vordenker in Erinnerung geblieben. Doch die fünfsätzige Sonate in d-Moll, welche die beiden jungen Musiker zu Gehör brachten, beweist, dass er nicht nur auf dem Brett mit 64 Feldern, sondern auch auf den fünf Notenlinien Bedeutendes zu leisten vermochte. Nachdenklich war der Anfang, lebendig die Fortführung – und der Schluss eine Reverenz an Bach, dessen Name wie kein zweiter mit der Form der Fuge, die das Werk abschloss, verbunden ist.

Jugendlich und nahbar

Nach einer halben Stunde Musik folgte eine Pause, die der Beschaulichkeit am idyllischen Ort gewidmet wurde, um dann ein Stück lang der vorgesehen Programmierung zu folgen. Dario Castello, ein venezianischer Frühbarockmusiker, hat nur ein schmales Werk hinterlassen. Doch sein «Sonata Seconda» erblühte unter den flinken Fingern der Interpreten zu einem Blumenstrauss von Klangfarben, dass es eine Freude war. Lebenslust, Wagemut und Spielwitz zeichnen das Musizieren der beiden Interpreten aus, sie lassen ab dem ersten Ton allfällige Erwartungen von etwas Verstaubtem vergessen. Telemann und Vivaldi erfreuten in der Folge das Gehör, aber auch Johann Hieronimus Kapsbergers Komposition erklang in einer jugendlichen und nahbaren Weise.

Kein Wunder, diese Werke waren zur Zeit des Barocks gleichsam die Popmusik, die man am Hofe hörte und zu der getanzt wurde. Lucie Horsch und Thomas Dunford spielten sich so sehr in die Herzen des Publikums, dass es sich auch mit zwei Zugaben nicht zufrieden geben wollte. Bloss die Notwendigkeit, den letzten Dampfschiffkurs zum Festland nicht zu verpassen, liess die Leute den Kirchenraum verlassen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.07.2018, 14:01 Uhr

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