Rapperswil-Jona

Die «Seekuh» im Kampf gegen die Seegras-Plage

Seegras wuchert an den Ufern von Rapperswil-Jona. Das Mähboot «Seekuh» befreit die Hafenanlagen der Rosenstadt von der Plage. Dieses Jahr kam sie später als üblich zum Einsatz.

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7.30 Uhr morgens: Der blau-graue Himmel über dem Fischmarktplatz in Rapperswil ist von einem zarten rosa durchzogen. Boote wiegen sanft im Wind hin und her und Taucherenten hinterlassen kleine ringförmige Wellen an der Wasseroberfläche. Abgesehen davon umgibt wabernde Stille den Hafen von Rapperswil.

Frisch und munter sind lediglich zwei Personen: Corsin Tuor, Leiter des Werkdienst Rapperswil-Jona und ein Mitarbeiter des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kanton Zürich. Sie nehmen die «Seekuh» in Betrieb. Das ist nicht etwa ein Wasserlebewesen sondern ein Mähboot. Fressen tut es Seegras. 12 Tonnen verschlingt die Seekuh an einem Tag von dem Grünzeug, das sich im Hafen und an den Ufern der Kempratner Bucht häuft.

Prozess beginnt früher

Das Seegras hat sich dieses Jahr aussergewöhnlich spät ausgebreitet. «Ich dachte, die Hitze diesen Sommer würde das Wachstum beschleunigen», sagt Tuor. Wenn viel Sonnenlicht auf das Wasser trifft, begünstigt das die Photosynthese der Pflanze. «Für uns entsteht das Problem jedoch erst, wenn der Prozess bereits weit fortgeschritten ist.», erklärt sich Tuor das Phänomen. Denn das Seegras sei nicht zu sehen, bis es kurz unter die Wasseroberfläche reicht. Ausserdem reissen Stürme die Wasserpflanze in der Seemitte aus, welches anschliessend an das Ufer geschwemmt wird.

Das lange Gras kommt Segelbooten in die Quere, in deren Anker es hängen bleibt. Auch Anwohner der Kempratnerbucht und Badegäste der Stadtbadi stören sich daran. Deshalb greift die Stadt nun ein. Dies müsste sie gar nicht, denn die Hoheit über den Zürichsee obliegt dem Kanton Zürich. «Es ist ein Service der Stadt an ihre Bürger», sagt Tuor. Der Kanton Zürich wird nur selten selber tätig. Deshalb mietet der Werkdienst die einzige «Kuh» auf dem See jeweils vom Awel.

Diese fährt vom Hafen aus und schneidet das Gras mit sogenannten Messerbalken ab. Mithilfe einer Art Fliessband wird es auf das Wasserboot geladen. Ist die Fläche gefüllt, fährt der Bootslenker das Gefährt rückwärts an das Ufer, wo das Seegras abgeladen wird. Anschliessend wird es abgeholt und je nach Verschmutzungsgrad kompostiert oder verbrannt.

Die Seekuh im Einsatz bei Männedorf. Video: Archiv Marco Huber

Raubfische vermehren sich

Das Seegras ist nicht allen lästig. Hechtbestände konnten sich dank der Pflanze stark vermehren. «Die Raubfische jagen aus dem Versteckten. Das dichte Seegras spielt ihnen in die Karten», erklärt Tuor.

Viel Zeit hat er nicht mehr. Denn neben der Hafenreinigung ist er auch dafür zuständig, die öffentlichen Strassen, Plätze, Brunnen und Grünanlagen instand zu halten. Es reicht noch für eine kurze Verabschiedung und schon düst Tuor in seinem Fahrzeug davon. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2018, 14:05 Uhr

Warum die Seekuh kein Seegras fressen kann

Was die Seekuh im Zürichsee abträgt sind hochwachsende Wasserpflanzen. Der Volksmund benennt sie gerne als Seegras, allerdings ist dieser Populärname nur deshalb entstanden, weil die langen, dünnen, krausen Blätter einiger Pflanzen im See den Seegräsern ähnlich sehen. Die Gräser, die im Zürichsee gedeihen gehören zu den Laichkrautgewächsen und sind ein wichtiger Lebensraum für junge Fische und wirbellose Tiere. Seegräser wachsen ausschliesslich im Meer. Aus dem maritimen Bereich entstammt auch der Name des Spezialsschiffs Seekuh. Die Bezeichnung ist eine Anlehnung an die im Meer lebenden Säugetiere, die mit ihrer stumpfen Schnauze, die von feinen Tastborsten umgeben wird, Algen, Mangroven und eben Seegras fressen. Unter dem Namen Seekuh kennt man die Spezialschiffe zum Schneiden von Wasserpflanzen auch im Ausland. Die meisten dieses Typs stammen aus den USA.

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