Rapperswil-Jona

Die SBB müssen Schnarchzüge leiser machen und umplatzieren

Der jahrelange Kampf von Stadt und Anwohnern hat sich gelohnt: Das Bundesamt für Verkehr (BAV)verpflichtet die SBB zu einem Dutzend Massnahmen, um den Lärm zu verringern, den abgestellte Züge verursachen.

Die SBB müssen die Schnarchzüge am Bahnhof Rapperswil leiser machen und umplatzieren.

Die SBB müssen die Schnarchzüge am Bahnhof Rapperswil leiser machen und umplatzieren. Bild: Archiv ZSZ / Geri Schedl

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Sie schlummern, schnarchen, und sie werden aufgeweckt. Die Rede ist nicht von schlafenden Menschen, sondern von Zügen, die im Bahnhof Rapperswil nachts und an Wochenenden abgestellt werden. Die Geräusche entstehen, vereinfacht gesagt, weil die Züge auch während des Schlummerns nie total ausgeschaltet sind. Im Sommer müssen sie belüftet werden, um nicht zu überhitzen, und im Winter werden sie auf zehn Grad geheizt, damit die Wasserrohre nicht einfrieren.

Wegweisende Verfügung

Am Lärm, der den Grenzwert von 50 Dezibel regelmässig um ein bis sechs Dezibel überschreitet, stören sich Anwohner entlang der Rietstrasse seit Jahren. Schon 2011 erhoben einige von ihnen wie auch die Stadt Beschwerde gegen die SBB. Diese wurde in der Sache abgewiesen, das Bundesverwaltungsgericht verlangte vom BAV aber, ein Verfahren betreffend Standlärm zu eröffnen. Vor wenigen Tagen hat das BAV nach über drei Jahren die Verfügung erlassen, die der ZSZ vorliegt. Sie wird auch für andere Bahnhöfe in der Schweiz wegweisend sein.

Im 32-seitigen Dokument bekommen die SBB zahlreiche Auflagen. Sie müssen den Lärm der Doppelstöcker der ersten Generation, die zurzeit modernisiert werden, messen und einen Bericht dazu einreichen. Die Züge der zweiten Generation werden bis Ende Jahr energetisch verbessert, was auch den Lärm reduzieren soll. Auch hierzu verlangt das BAV Messungen. Keine Massnahmen braucht es bei den Zügen der dritten Generation. Sie liegen mit 43 Dezibel deutlich unter dem Grenzwert. Hingegen müssen die Lokomotiven des Typs Re 460 (Lok 2000) und die Domino-Pendelzüge in den nächsten Jahren modernisiert werden, wobei die SBB den Nutzen für die Lärmreduktion aufzeigen müssen. Mit weiteren Auflagen wird die Bahn verpflichtet, die lärmigsten Züge so weit westlich in Richtung Hurden und nördlich abzustellen, wie es der Betrieb zulässt. Ebenso sollen leisere Fahrzeuge wie der SOB-Flirt den Lärm abschirmen.

Keine Lärmschutzwände

Die Lokführer dürfen in der Nacht und am frühen Morgen die Fahrbereitschaft jeweils nur in einem Führerstand erstellen. Führerstände in der Mitte oder am Ende von Mehrfachkompositionen müssen später am Tag und an anderen Orten aufgerüstet werden. Auf Lärmschutzwände, die sechs Meter hoch sein müssten, um eine Wirkung zu entfalten, wollen Stadt und Anwohner verzichten.

Der zuständige Stadtrat Thomas Furrer äusserte sich gestern sehr zufrieden über die Post aus Bern. Er wolle die Verfügung vor einem abschliessenden Urteil noch mit den Fachleuten vom Kanton besprechen. Sie bringe aber mit den geforderten technischen Verbesserungen und einem neuen Abstellkonzept endlich die gewünschte Klarheit. Die SBB wollten noch nicht Stellung nehmen.

Erstellt: 07.09.2015, 20:03 Uhr

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