Medien

«Die Leser sollen sich auf die Zeitung freuen wie auf den Kaffee»

Am 1. Oktober erscheint die neue «Linth-Zeitung» erstmals. Neuer Leiter des Blattes wird Urs Zweifel. Er freut sich auf die Aufgabe und will Abonnenten mit gut recherchierten und schön illustrierten Geschichten begeistern.

«Wir werden unser Bestes geben»: Der neue Leiter der «Linth-Zeitung», Urs Zweifel, im Gespräch mit Regula Späni.

«Wir werden unser Bestes geben»: Der neue Leiter der «Linth-Zeitung», Urs Zweifel, im Gespräch mit Regula Späni. Bild: Markus Timo Rüegg

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Der künftige Leiter der neuen «Linth-Zeitung» – welche aus «ZSZ Obersee» und «Südostschweiz Gaster und See» hervorgeht –, Urs Zweifel, und sein Team haben viel vor. Glaubwürdig und politisch unabhängig soll die neue «Linth-Zeitung» ab Anfang Oktober sechsmal wöchentlich über regionale Geschehnisse berichten. Und dabei diese analysieren, einordnen und Hintergrundwissen liefern, damit sich die Leser ihre eigene Meinung bilden können.

Am 1. Oktober erscheint die erste Ausgabe der neuen «Linth-Zeitung». Was bedeutet Ihnen dieser Schritt?
Es ist für mein Team aus beiden Redaktionen und für mich eine grosse Freude. Ich wusste ja schon länger von diesen Plänen, die übrigens schon vor ein paar Jahren aufs Tapet gekommen waren, aber wir wussten nie: Klappt es oder klappt es nicht? Nun ist es eine grosse Genugtuung, dass wir Anfang Oktober mit der neuen «Linth-Zeitung» starten können. Zudem freut mich, dass wir einen Ausbau vermelden können, in einer Zeit, in der in der Medienbranche ja eher abgebaut wird. Für mich ist es ein starkes Signal, dass Printmedien eine ­Zukunft haben. Ich bin sicher, dass wir eine interessante, lesenswerte Zeitung für diese Region herausbringen werden.

Welche Ausrichtung soll die neue Zeitung haben?
Es soll eine Zeitung werden, auf die sich die Leserinnen und Leser morgens ebenso freuen wie auf den ersten Kaffee. Sowohl die «Südostschweiz» (SO) als auch die «Zürichsee-Zeitung» (ZSZ) hatten immer den Anspruch, je die führende Tageszeitung in der Region zu sein. Daran wird sich nichts ändern, aber es wird ein­facher, da wir die Kräfte bündeln können. Wir wollen schnell und aktuell berichten über Lokales, Regionales, Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport, einfach über alles, was die Leute in der Region von Rapperswil-Jona bis Amden, vom Zürichsee bis St. Gallen interessiert und bewegt.

Sie haben gesagt, Sie wollen, dass sich die Leute morgens auf die Zeitung freuen wie auf den ersten Kaffee. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Wir haben ein starkes Team mit einem grossen Teil an sehr erfahrenen Journalistinnen und Journalisten. Wir haben viele Kanäle, die wir durchforsten. Das sind zahlreiche andere Zeitungen, aber auch auf den sozialen Netzwerken werden wir uns auf die Suche nach spannenden Geschichten begeben. Es sollen Geschichten sein, die nahe am Leser sind, die bewegen, über welche die Menschen sprechen. Natürlich ist uns auch der «Pflichtstoff» zum Beispiel aus der Politik wichtig. Unser Ziel ist es, ­jeden Leser dort abzuholen, wo die Interessen liegen. Es soll aber nicht so sein, dass die Abonnenten der bisherigen Zeitungen «Südostschweiz» und «Zürichsee-Zeitung» etwas komplett Neues, Unbekanntes erhalten. Aber wir können aufgrund der künftig grösseren Ressourcen ausbauen, mehr und andere Geschichten generieren und ver­tiefen. Geschichten, die sonst ­nirgendwo zu lesen sind.

Sie haben mit der neuen ­«Linth-Zeitung» dann aber eine Monopolstellung. Wie gehen Sie damit um?
Das stimmt, und dieser Ausdruck ist ja nicht nur positiv behaftet. Ich sags mal so: Man wird nicht um uns herumkommen. Bisher konnte man uns, also die SO und die ZSZ, gegeneinander ausspielen, zum Beispiel vonseiten der Behörden. Das wird künftig nicht mehr gehen. So gesehen, ist diese Monopolstellung eine Chance und ein Gewinn für die Leser.

Ist da eine gewisse Ver­stimmung herauszuhören?
Bis anhin waren wir nur noch in Rapperswil-Jona und Schmerikon amtlich. Ich denke, diese beiden Gemeinden machen dies aus der Überzeugung heraus, dass Medien und insbesondere die regionalen, wichtig sind und unterstützt werden müssen. Denn letztendlich ist es auch eine finanzielle Frage, ob eine Zeitung amtliche Inserate hat oder nicht. Dadurch, dass sich die anderen acht Gemeinden in See-Gaster von den Zeitungen als amtlichem Publikationsorgan verabschiedet haben, ist jedoch eine grosse Summe Geld verloren gegangen. Nun hoffen wir, dass Rapperswil-Jona und Schmerikon uns treu bleiben und sich bei den anderen acht Gemeinden vielleicht ein Gesinnungswandel einstellt. Schliesslich wird die neue «Linth-Zeitung» mit rund 10 000 Abonnenten eine beachtliche Abdeckung haben und somit viele Menschen erreichen. Von einer wieder engeren Zusammenarbeit könnten Gemeinden und Zeitung beide profitieren.

«Wir wollen über und für die jeweilige Bevölkerung ­berichten, vom kleinen Benken bis zum grossen Rapperswil-Jona.»Urs Zweifel, zukünftiger Redaktionsleiter «Linth-Zeitung»

Warum gehen diese beiden Zeitungen überhaupt zusammen?
Der Hauptgrund ist, dass auf so kleinem Raum zwei Zeitungen schlicht nicht mehr überleben können. Zwei Redaktionen für je gut 5000 Abonnenten aufrechtzuerhalten, macht wirtschaftlich schlicht keinen Sinn. Wir haben uns gegenseitig das Leben schwer gemacht. Die beiden Verlagshäuser Somedia und Tamedia bündeln deshalb die Kräfte und wollen vor allem der Region See-Gaster ein starke, regional verankerte und politisch unabhängige Zeitung sichern. Die beiden Redaktionsstandorte Uznach und Rapperswil-Jona sind auch ein klares Bekenntnis, dass man die gesamte Region publizistisch unterhalten und bedienen möchte.

Wie wird sich die neue ­Redaktion zusammensetzen?
Dazu laufen in den nächsten Tagen und Wochen Gespräche mit den bisherigen Journalisten von SO und ZSZ. Es ist das Ziel, auf beiden Seiten möglichst alle Mitarbeiter zu behalten und in die neue LZ zu integrieren. Die neue Redaktion wird rund elf Vollzeitstellen umfassen.

Mit der neuen Zeitung ­verdoppelt sich auf einen Schlag die Leserzahl auf 10'000. Was bedeutet das?
Davor haben wir natürlich Re­spekt. Die grosse Herausforderung wird sein, diese zu halten. Zu Beginn rechnen wir mit ein paar Abgängen. Aber es ist an uns, unsere Kundschaft mit gutem Journalismus zu begeistern, mit Geschichten, die nahe an den Menschen sind. Da wollen wir täglich unser Bestes geben. Ich kann den bisherigen Lesern der beiden Zeitungen versichern, dass sie kaum etwas davon vermissen werden, was sie bis anhin bekommen haben. Auch was die Berichterstattung aus Rapperswil-Jona anbelangt. Vonseiten der SO versprechen wir, dass die Gewichtung der Stadt in der ­neuen «Linth-Zeitung» weitergeführt und sogar noch aus­gebaut wird.

Braucht es dafür zwei Redaktionsstandorte in Uznach und Rapperswil-Jona? Würde eine Redaktion zum Beispiel in der Stadt nicht reichen?
Aus finanziellen Gründen haben wir uns das zunächst auch überlegt. Schliesslich zahlen wir doppelt Miete, Unterhalt usw. Uns geht es aber um ein klares Bekenntnis sowohl zum Land als auch zur Stadt. Wir wollen, dass die Landgemeinden weiterhin gleichermassen betreut werden wie die Stadt. Wir wollen über und für die jeweilige Bevölkerung berichten, vom kleinen Benken bis zum grossen Rapperswil-Jona.

Was heisst: Wir wollen gute Geschichten liefern . . .
Letztendlich muss es etwas sein, worüber die Leute im Treppenhaus, am Arbeitsplatz, beim Mittagessen, am Stammtisch reden. Dazu wollen wir auch wieder mehr rausgehen, uns umschauen, mit den Leuten reden.

Wie können euch denn die Menschen helfen, diese guten Geschichten zu publizieren?
Das ist mir ein grosses Anliegen, dass wir mehr Feedback bekommen. Vonseiten der Leser kommt eher wenig zurück. Dabei sind wir überzeugt, dass eben gerade die Menschen draussen am nächsten an den spannenden ­Geschichten sind. Ich möchte sie deshalb auch auffordern, uns mehr Inputs zu liefern. Wir sind immer offen und erreichbar. Per Telefon, per Mail, auf sämtlichen Kanälen. Wir freuen uns auf ­Inhalte, die wichtig sind, die wir aber in den Dörfern und den ­Gemeinden nicht immer mit­bekommen.

Erstellt: 05.09.2018, 10:08 Uhr

Zur Person

Urs Zweifel ist seit über 18 Jahren als Journalist für die «Südostschweiz, Gaster & See» tätig, davon zehn Jahre als stellvertretender Redaktionsleiter. Anfang 2016 wurde er zum Leiter der Redaktionen in Uznach und Rapperswil-Jona berufen. Durch seine langjährige Erfahrung ist er bestens mit Land und Leuten im Linthgebiet, im Kanton und in den Nachbarregionen vertraut. Als Ausgleich zu seiner Arbeit ist Urs Zweifel gerne in der Natur unterwegs – vorzugsweise mit dem Velo. Daneben liest er auch in der Freizeit gerne Zeitungen, dazu Bücher und interessiert sich für Dokumentarfilme. Urs Zweifel ist 49 Jahre alt und verheiratet. Er wohnt zusammen mit seiner Frau und zwei Katzen in Uznach. (red)

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