Hitze

Die Jona ist voller stinkender Algen

Einen traurigen Anblick bietet die Jona zurzeit. Der Fluss führt nur wenig Wasser, dafür umso mehr Algen. Deren Gestank sorgt für Gesprächsstoff.

Es stinkt beim Stadthaus in Rapperswil-Jona. Ursache sind die Algen auf der Jona, die im seichten Wasser ideale Lebensbedingungen vorfinden.

Es stinkt beim Stadthaus in Rapperswil-Jona. Ursache sind die Algen auf der Jona, die im seichten Wasser ideale Lebensbedingungen vorfinden. Bild: Moritz Hager

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Zwischen Stadthaus und Hotel Kreuz ist der steinerne Kanal der Jona auch an normalen Tagen keine Augenweide. Gegenwärtig ist das Bild jedoch besonders trist: Das Wasser steht nur noch ein paar Zentimeter hoch und ist bedeckt von einem gelbgrünen Algenteppich.

Auf Facebook schlagen die Wellen dafür umso höher. Zahlreiche Kommentare befassen sich mit dem Zustand des Flusses, wobei vor allem zwei Themen zu reden geben: der Gestank und die Fische. «Es ist extrem, Fische können nicht mehr schwimmen, und es stinkt richtig», hält eine Userin fest. «Ja, ganz schlimm und es stinkt grausam», kommentiert eine andere den Geruch nach faulen Eiern, der bei der Zersetzung der Algen entsteht.

Super Bedingungen für Algen

Andri Pfister, Obmann der Bachbewirtschaftungsgruppe Jona, bestätigt den Befund der Facebook-Gemeinde. Der Wasserstand der Jona sei tief, das Wasser warm und dementsprechend sauerstoffarm. Das alles begünstige das Algenwachstum, sagt Pfister. Das Phänomen sei nicht neu, und es habe sich dieses Jahr schon vor Wochen abgezeichnet. «Aber die Leute reagieren erst, wenn das Problem sicht- und riechbar ist.»

Pfister, der sich mit seiner Gruppe um die Ökologie entlang der Fliessgewässer kümmert, ist überzeugt, dass Hitze- und Trockenperioden Folgen der Klimaerwärmung sind und zunehmen werden. Den Leuten, die in den sozialen Netzwerken Dampf abliessen, seien die Zusammenhänge jedoch vielfach zuwenig bewusst. Dabei könnte jede und jeder bei sich selber anfangen, die Situation zu verbessern, findet Pfister. «Man muss sich nur mal die Frage stellen, wieviel Wasser man täglich verbraucht beziehungsweise eben verschwendet.»

Auch Gift sprühende Hobbygärtner sind Pfister ein grosser Dorn im Auge. Viele seien sich gar nicht bewusst, dass ihre Mittel zur Insektenvertilgung und Rasenverschönerung ungefiltert in die Gewässer laufen würden.

Nicht noch mehr Stress

Die Bachbewirtschafter haben sich in den letzten Wochen, als sich die Wasserknappheit in der Jona und anderen Bächen abzeichnete, Gedanken über mögliche Massnahmen gemacht. Die naheliegendste wäre, die Algen abzuschneiden. Doch das würde laut Pfister für die verbliebenen Tiere enormen Stress bedeuten. Stress, der die ohnehin schwierige Situation der Fische und Krebse nur noch verschlimmern würde. «Ausserdem kommen die Algen schnell wieder zurück, wenn sich am Wetter nichts ändert.»

Vom Abfischen, das derzeit in einigen Bächen praktiziert wird, hält Andri Pfister nicht viel. «Wohin sollen wir die Fische denn umsiedeln?», fragt er. Ausserdem sei das Abfischen mit elektrischem Strom für die Tiere ebenfalls stressig. «Viele überleben das nicht.»

Seine Bachbewirtschaftungsgruppe, eine Untergruppe des Fischereivereins Rapperswil-Jona, pflanzt dafür mit dem Einverständnis von Grundeigentümern und Pächtern jedes Jahr entlang von Bächen zahlreiche Sträucher und Bäume. Der Schatten, den sie in einigen Jahren spenden werden, wird die Gewässer ein Stück weit vor dem Austrocknen schützen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.07.2018, 16:34 Uhr

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