Ufenau

Wie ein Rapperswiler Kaufmann die Ufenau ersteigerte

Nach dem die Franzosen 1798 in Einsiedeln einfielen und das Kloster plünderten, beschlagnahmte die Helvetische Republik die Insel Ufnau. Der Kanton Linth versteigerte sie an den begüterten Rapperswiler Kaufmann Carl Ludwig Curti. Bereits 1805 fand die Insel wieder den Weg zurück in das Eigentum des Klosters.

Insel Ufenau mit der romanischen Kirche St. Peter und Paul. Aquatinta von Heinrich Maurer, um 1820.

Insel Ufenau mit der romanischen Kirche St. Peter und Paul. Aquatinta von Heinrich Maurer, um 1820. Bild: Peter Röllin

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Die Ufenau, die grösste Insel der heutigen Schweiz, gelangte im Januar 965 als Schenkung des Kaisers Otto I., dank des Engagements seiner Gemahlin Adelheid, in den Besitz des Klosters. Diese Schenkungsurkunde ist gegenwärtig in der Ausstellung «Kloster Einsiedeln» im Nationalmuseum in Zürich zu sehen. Messen, Prozessionen, Agrar-, Wein- und Viehzucht prägten seit je die «Insel der Stille».

Selbst noch 1797, als Johann Wolfgang von Goethe am 24. September von Stäfa aus die Insel besuchte. Ein Jahr später war zumindest eigentumspolitisch die Situation der Insel auf den Kopf gestellt.Erst weit über acht Jahr­hunderte nach der Schenkung Ottos I. kam es kurz zu einer Zäsur­ in den Besitzverhältnissen der Insel. Im Zuge der Französischen Revolution 1789 und der Ausrufung der von Napo­leon Bona­parte eingeleiteten Helve­tischen Republik 1798 brachen alte städtische, aber auch klösterliche Herrschaftsformen ein.

Das 934 gegründete Benedik­tinerkloster Einsiedeln wurde im Mai 1798 vom übermächtigen Franzosenheer unter General Schauenbourg überfallen, kurzerhand aufgehoben und dessen Besitz beschlagnahmt. Die Mönche selbst flohen kurz zuvor mit dem Gnadenbild nach Vorarlberg. Rund 6000 französische Soldaten sollen das Kloster über zwei Wochen geplündert haben.

Grabstele für Carl Ludwig Curti und seine Gemahlin Maria Katharina Josepha Fuchs, 1822 von Bildhauer Ignaz Brunner. Bild: Peter Röllin.

Versteigerung im Rathaus

Die Helve­tische Republik kons­tituierte «Cantons», so auch den Kanton Linth, in dessen Grenzbereich sich damals die Insel Ufnau­ und die nahe Stadt Rapperswil befanden. Wie die Akten im Schwyzer Staatsarchiv ver­muten lassen, drängte der Helvetische Finanzminister Johann Heinrich Roth­pletz 1801 den Kanton Linth wohl zur Schuldentilgung des Klosters zum Verkauf der Insel. Franz Joseph ­Büeler, Statthalter des Distrikts Rapperswil und einer der Vorreiter der neuen Ordnung ‹Freiheit und Gleichheit›, lei­tete die Versteigerung vom 27. Juni 1801 im Rathaus Rapperswil.

Nase und Portemonnaie ganz vorne­ hatte damals der begü­terte Rapperswiler Seidenhändler, Zunftmeister und Zunftrichter Carl Ludwig Curti (1739– 1806). Die im 17. Jahrhundert aus Mailand nach Rapperswil zugewanderten Curti, allen vor­an auch der Ratsherr Johann Baptist Curti, der «Capi­taine», waren durchaus franzosenfreundlich.

Über seinen Schwiegersohn, den Rapperswiler Porträtisten Felix Maria Diogg, bot Curti dem Finanzminister Roth­pletz 15 000 Schweizer Franken (vorsichtig geschätzt wären das heute rund 1,7 bis 2 Millionen Franken), während zuvor J. C. Baumann im Källhof Stäfa dem Abt Beat Küttel (damals im vorarlbergischen St. Gerold im Exil) 14 500 Franken geboten hatte.

Insel mit Lustschloss gekauft

Baumann wies speziell auch dar­auf hin, dass er die auf der Insel befindlichen «Alter­thümer» gewissenhaft respek­tiere und dem Kloster den allfälligen Wiederankauf angeboten habe. Roth­pletz seinerseits verlangte dar­auf eine neue Versteigerung, ohne dass dann die von Curti genannte Summe­ überboten wurde.

Curti bekam den Zuschlag. Die beiden Brüder des Käufers, Franz Curti, der letzte Schult­heiss von Rapperswil, sowie Johann Baptist Curti, leisteten solidarische Bürgschaft für die erworbene Insel. Diese umfasste «9000 Klafter Wiesen, 8890 Klafter Ried und Strohried samt Haus, Scheune, einem alten Lustschloss (Aussichtsgebäude auf dem Arn­stein) und einer alten bau­fälligen Kirche und Kapelle».

Das Verhältnis der mit Rapperswil noch heute stark verbundenen Familien Curti zur Ufenau ist bis heute wach geblieben.

Im August verlangte Roth­pletz 1801 von der Verwaltungs­kammer des Kantons Linth die Ratifikation des Verkaufs an ­Curti. Die Gemeinde Pfäffi­kon ihrer­seits bestand auf Einsicht in die Kaufbedingungen betreffend Unterhaltspflicht für die ­alte Pfarrkirche auf der Ufnau.

Glocken Beute der Franzosen

Curti wehrte sich erfolgreich gegen die Verpflichtung seitens der Gemeinden Freien­bach und Feusis­berg, die romanischen Kir­chen «im bau­lichen Zustand mit Glocken, Kirchenzierden und Paramenten» auf eigene Kosten zu unterhalten. Überhaupt: Glocken und Para­mente der Ufnau waren ohne­hin als Beute der Franzosen längst verschwun­den. Statt­halter Bühler, 1803 Kantonsrat und 1814 Regierungs­rat, setzte sich für den Erhalt der «ur­alten Kirche Peter und Paul» ein.

Bereits 1799 kehrten einige Mönche nach Einsiedeln zurück, 1802 auch Abt Beat Küttel. Als am 29. September 1803 das Gnadenbild, die Madonna von Einsiedeln, in den Fins­tern Wald zurückgetragen wurde, war der Kon­vent bereits stark reduziert. Dennoch hatte auch die Rückführung der Insel Ufnau in Klosterbesitz für die Mönchsgemeinschaft grosse politische und emotionale Bedeutung.

Vom Schloss nach Kempraten

Die Rückkaufurkunde zwischen Abt Beat Küttel und Carl Ludwig Curti datiert vom 11. März 1805. Curti wurde zugestanden, im Verkaufsjahr die Steinbrucharbeiten im Westen der Insel fort­füh­ren zu dürfen. Curti verstarb ein Jahr später 1806. ­Seine Nachkommen stifteten 1822 für Carl Ludwig Curti und seine 1810 verstor­bene Gemahlin Maria Katha­rina Jo­sepha Fuchs eine Grab­stele mit trauender Frau an Urne.

Das hervorragende, der romantischen Stilsprache verpflichtete Werk aus röt­lichem Sandstein des Bildhauers Ignaz Brunner stand ursprünglich vor der Rapperswiler Friedhofs­kapelle, schliesslich beim Schloss­zugang. Das 2016 unter Bei­zug der kantonalen Denkmalpflege restaurierte Standbild befin­det sich heute in einem Privatgarten an der Kempratner Bucht (siehe Abbildung).

Im Rückblick auf die kaiser­liche Schenkung der Insel im Jahr 965 ist der zeit­lich kurze Eigentumswechsel 1801–1805 eine kleine Episode und dennoch so beispielhaft und illustrativ für die von Napo­leon ausge­löste Wende in den Jahren vor und nach 1800.

Das Verhältnis der mit Rap­pers­wil noch heute stark verbundenen Fami­lien Curti zur Ufenau ist bis heute wach geblieben: Die Fami­lien Curti haben in Erinne­rung an den kurzen Inselbesitz einen nam­haften Beitrag an die aktuelle Restaurierung des Wirts­hauses Zu den zwei Raben in Aussicht gestellt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.01.2018, 13:36 Uhr

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