Rapperswil-Jona

Die Insel mit der langen Leitung

Sie ist 1770 Meter lang, befindet sich bis zu 19 Meter unter dem Wasserspiegel und muss teilweise in den Boden ­eingegraben werden: Am Donnerstag war der Baustart der neuen Seeleitung von der Insel Lützelau nach Rapperswil.

Die Grabungen auf der Lützelau sind bereits fortgeschritten: Hier werden später die Anschlüsse der Werkleitungen fertiggestellt.

Die Grabungen auf der Lützelau sind bereits fortgeschritten: Hier werden später die Anschlüsse der Werkleitungen fertiggestellt. Bild: Ortsgemeinde Rapperswil-Jona

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Wann die Rohrexperten auf den See dürfen, bestimmen die Fische: Damit sie zur Laichzeit ihre Ruhe haben, dürfen Arbeiter und Fachkräfte nur in der Zeit vom 1. Februar bis Ende März auf dem Zürichsee unterwegs sein, um die neue Seeleitung zu verankern. 1770 Meter Rohr führen schon bald von der Insel Lützelau nach Rapperswil und müssen auf dem Seegrund befestigt werden. Dieser Spielraum von zwei Monaten müsse ausreichen, um das Vor­haben umzusetzen, hiess es am Donnerstag vonseiten der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona. Als Besitzerin der Insel Lützelau informierte die Ortsgemeinde zusammen mit Vertretern von Nachbargemeinden und involvierten Behörden über den aktuellen Stand des Projekts Neue Werkleitungen für die Lützelau.

Bereits vor zwei Wochen haben die ersten Vorarbeiten begonnen: Auf der Lützelau sowie an der Seepromenade Rapperswil wurden Grabungen für den Anschluss der Leitungen realisiert. Mit den Arbeiten im See ist gestern nun der eigentliche Auftakt erfolgt.

Den Campern stank es

Stein des Anstosses waren un­angenehme Fäkalgerüche auf der Lützelau. Schnell wurde klar: Die Klärgrube auf der Insel ist veraltet, genügt den Anforderungen einer modernen Abwasserentsorgung nicht mehr. Eine eigene Kleinkläranlage sei jedoch keine Option gewesen, erklärt Ortsverwaltungsrat Josef Stoffel: Weil die Insel Lützelau nur vier Monate pro Jahr in Betrieb sei, müsste die Anlage zwischendurch immer wieder stillgelegt werden – was technisch kaum machbar wäre. Die Ortsgemeinde prüfte darum drei weitere Varianten und entschied sich schliesslich für die «Variante Rapperswil»: den Anschluss an die öffentliche Kanalisation Rapperswil durch eine Leitung quer durch den Zürichsee.

Von dieser Stelle an der Lützelau gelangen die Leitungen in den Zürichsee.

Weil auch die Stromleitung auf der Lützelau Defekte aufweist, wird nun zeitgleich eine neue Elektroleitung durch den See verlegt, ebenso wie eine neue Frischwasserleitung. Insgesamt würden vier einzelne Leitungen verlegt, informierte die Ortsgemeinde.

Rohre mit Gewicht versenken

Nicht überall werden die Rohre auf die gleiche Art befestigt: Dort, wo das Wasser weniger als 10 Meter tief ist, müssen die Leitungen von Gesetzes wegen in einen Graben verlegt werden. Dies ist auf Rapperswiler Seite auf 500 Metern vor dem Ufer der Fall, auf der Seite der Lützelau in einem Bereich von 50 Metern. Ist es tiefer als 10 Meter, können die Leitungen direkt auf den Seegrund gelegt werden: Sie werden mit Stahlgewichten fixiert. Damit sie sich senken, werden sie mit Wasser gefüllt. Taucher sorgen dafür, dass die Rohre am Boden richtig verankert werden. An der tiefsten Stelle sind sie 19 Meter unter dem Wasserspiegel angebracht.

Dass die Arbeiten im Winter ausgeführt werden, hat auch mit dem Schiffsverkehr zu tun: Im Sommerfahrplan der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft würden schlicht zu viele Kursschiffe vor dem Rapperswiler Hafen an- und ablegen. Auch private Böötler dürfte es zur kalten Jahreszeit weniger auf dem See haben.

Nach den Arbeiten auf dem See geht es darum, auf beiden Seiten die Anschlüsse fertigzustellen. Ende April soll alles fixfertig sein, damit die Camper auf der Insel am 1. Mai ihre Zelte aufschlagen und wieder durchatmen können. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.02.2018, 08:15 Uhr

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Eine Seeleitung – aber welche?

Drei Varianten kamen infrage

Für die Insel Lützelau wurden drei Varianten einer Seeleitung geprüft: Die erste Option sah den Anschluss an die Kanalisation auf der Insel Ufenau vor, welche mit Freienbach verbunden ist. Der Nachteil: Rund um die ­Ufenau hat es keine grossen Wassertiefen – weswegen ein zu grosser Teil der Leitungen im Boden hätte vergraben werden müssen. Das wiederum hätte sich auf die Kosten nieder­geschlagen.

Die zweite Variante sah eine Seeleitung von der Lützelau ­direkt nach Hurden vor. Rein von der Distanz her wäre dies die kürzeste Strecke gewesen. Das Problem jedoch: Die Leitung hätte durch ein Moor von nationaler Bedeutung geführt, zudem durch einen Schilfgürtel sowie eine Zone, aus der Grundwasser gewonnen wird. Die nötigen Schutzmassnahmen wären schlicht zu aufwendig gewesen.

Die dritte Variante, diejenige ­direkt nach Rapperswil, machte schliesslich das Rennen – obschon die Zuleitung drei Kantone durchquert: Dafür wird kein Naturschutzgebiet tangiert, zudem ist das Wasser rund um die Lützelau weniger seicht, womit Grabungen im See wegfallen. (rkr)

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