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Die heimlichen Zuhörer

Die Senioren im Alters- und Pflegeheim Bürgerspital können das Blues ’n’ Jazz vom Schlafzimmer aus verfolgen - und das umsonst. Was aber geschieht, wenn ein Bewohner in dieser Zeit stirbt? Ein Konzertbesuch abseits der grossen Scheinwerfer.

Direkte Aussicht auf die Bühne: Die Senioren im Alters- und Pflegeheim Bürgerspital geniessen am Blues n Jazz einen Logenplatz.
Direkte Aussicht auf die Bühne: Die Senioren im Alters- und Pflegeheim Bürgerspital geniessen am Blues n Jazz einen Logenplatz.
Manuela Matt

Für diese Aussicht hätte so mancher Fan viel Geld bezahlt. Weit offen steht das Fenster im Zimmer von Hedy und Erwin Ziltener; der Blick hinaus lässt einen kurz innehalten: Frontal präsentiert sich die Showbühne, davor eine Schar von Menschen, dahinter, tiefblau und schimmernd – der See.

Es ist Freitagabend, kurz nach halb sieben. In einer halben Stunde wird die Menschentraube un­ten am Fischmarktplatz weiter anschwellen, das erste Konzert die Musik bis weit in die Altstadt tragen. Hedy Ziltener, 79-jährig, rückt näher ans Fenster. Sie will es offen lassen, auch wenn schon bald wummernde Bässe ihr Schlafzimmer füllen. Das bisschen Musik mache ihr nichts aus, sagt die Dame besonnen, da seien «die Besoffenen», die am Wochen­ende jeweils vor dem McDonald’s herumjohlen würden, weitaus schlimmer.

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