Weesen

Die Geburtsstätte von tausenden Fischen

Das frisch renovierte Fischereizentrum öffnete am Samstag seine Tür und lud zur Besichtigung ein. Im Zentrum werden tausende Fischchen gezüchtet, bevor sie in der Linth ausgesetzt werden.

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Fischeier liegen zu Tausenden in den Langtrögen. Kurt Keller, Fischereiaufseher des Kantons St. Gallen, hat die letzten vor knapp einer Woche den Fischen entnommen. In einigen Becken schlüpfen bereits die ersten Fischchen und in wieder anderen schwimmen sie schon herum – noch mit dem Dottersack am Körper als Nahrungsquelle. Interessiert blicken die Besucherinnen und Besucher in die einzelnen Tröge und lauschen Kellers Worten.

Das Fischereizentrum Weesen öffnete am Samstag nach der Sanierung Tür und Tor zur Besichtigung. Nach 25-jährigem Bestehen präsentiert sich das Fischereinzentrum in neuem Glanz. «Das Gebäude musste wegen Hochwasserschäden saniert werden», erklärt Christoph Birrer, Leiter Abteilung Fischerei vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Türen und Fenster seien morsch gewesen, das Terrain habe sich seeseitig abgesenkt und die Aussenbecken waren undicht. Es wurden daher Mauern für Hochwasserschutz errichtet. Die Abwasser- und Filtertechnik sowie eines der Aussenbecken wurden ebenso erneuert. Das Raumkonzept passten die Bauherren bei dieser Gelegenheit auch gleich den heutigen Bedürfnissen an.

Die Vielfalt bewahren

«War vor 25 Jahren bei der Fischzucht vor allem Quantität gefragt, steht heute die Qualität im Vordergrund», weiss Michael Kugler, Bereichsleiter Bewirtschaftung beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Arten- und Lebensraumschutz, fischereiliche Nutzung und Öffentlichkeitsarbeit gehören zu den vielfältigen Aufgaben des Amtes.

Um die Vielfalt an Fischen in Schweizer Gewässern näher zu bringen, hat Fischereiaufseher Kurt Keller für die Besichtigung Fischpräparate ausgeliehen. Hechte, Forellen, Egli oder Felchen können ebenso beäugt werden, wie weniger bekannte aber faszinierende einheimische Fische.

Ganz jung und doch uralt

«Das Bachneunauge beispielsweise ist der für mich persönlich spannendste Fisch», sagt Keller begeistert. Das einem Aal ähnliche Fischchen ragt wie ein kleines Holzstück aus dem Boden. «Das Bachneunauge existierte bereits zu Zeiten der Dinosaurier und bevölkert noch heute Teile unserer Bäche und Flüsse», erzählt Keller. Es gilt als stark bedroht und steht auf der roten Liste. Es war daher der Fisch des Jahres 2017.

Lebende kleine einheimische Fische schwimmen im Aquarium. «Das ist ein Moderlieschen, hier eine Elritze und der kleine karpfenartige Fisch ist ein Bitterling», erklärt Keller auf die einzelnen Arten zeigend. Er macht auch auf die im Boden versteckte und vergleichsweise grosse Schleie aufmerksam.

Die Nase soll zurückkommen

Als eigentliche Fischzucht sieht sich das Haus nicht. Es nennt sich darum auch Fischereizentrum. «Hier werden lediglich Fische vermehrt, wo in der Natur ein Defizit besteht», erklärt Michael Kugler. Damit einher gehe der Schutz ihres Lebensraumes. Aktuell soll im Walenseeeinzugsgebiet die karpfenartige Nase wieder angesetzt werden.

Der einst passionierte Fischer, geht heute nur noch selten angeln und dann sehr bewusst. «Ich ziehe jeweils nur ein Fisch aus dem Wasser, brate ihn noch am See über dem Feuer und verspeise ihn sofort», verrät er. Früher sei Fischen für ihn eine Erholung in der Natur gewesen. «Heute sehe ich so vieles, was noch gemacht werden muss.»

«Grenzwerte erhöhen ist keine Lösung»

Als grösstes Problem sieht er die Verschmutzung der Gewässer. «Nicht nur der zu hohe Nitratgehalt, auch hormonelle Stoffe und sogenannte abbaubare Produkte bedrohen den Lebensraum der Fische.» Das Wort abbaubar sei irreführend, wie er erklärt. «Es kann bis zu 50 Jahre dauern, bis es tatsächlich abgebaut ist oder es baut sich in Verbindung mit anderen Stoffen gar nicht ab.»

In seinen Augen muss bei dieser Problematik auch politisch ein Umdenken stattfinden. «Lediglich die Grenzwerte zu erhöhen kann nicht die Lösung sein», sagt Keller. Der Tag der offenen Tür dient dem Zentrum daher auch der Aufklärung. «Wir möchten der breiten Öffentlichkeit unsere Bemühungen zum Schutz der Fische und aller Wasserlebewesen zeigen», sagt Christoph Birrer.

Ausverkaufte Fischknusperli

Einblick bietet an diesem Tag auch die Seerettung unterer Walensee, welche beim Zentrum stationiert ist. Obmann Marcel Bachmann zeigt auf Bildtafeln Übungen und Einsätze bei Bergungen, Abschleppungen oder Rettung von in Seenot geratenen Personen. Auch das Seerettungsboot kann besichtigt werden.

Die Fischknusperli im Festzelt der Familie Andreas Braschler aus Hurden sind bereits am frühen Nachmittag ausverkauft. Der Berufsfischer ist positiv überrascht. «Die Besucher kamen nicht nur um zu essen, sie stellten auch viele Fragen zur Fischerei», sagt er.

Im April geht's in die Natur

Die Vertreter der Seerettung und des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei zeigen sich über den grossen Publikumsaufmarsch ebenfalls erfreut. «Mit so grossem Andrang haben wir nicht gerechnet», sagt Birrer.

Damit der Fischbestand im Walen- und Zürichseeeinzugsgebiet gesichert bleibt, entlässt Kurt Keller im April die Abertausenden aufgezogenen Fischchen zusammen mit Helfern in die Natur. Mit einem verlängerten Teesieb setzt er sie behutsam unter verschiedenen Steinen in der Linth beim Hänggelgiessen aus. «Das ist für mich wie Meditation», sagt der passionierte Fischereiaufseher. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.03.2018, 19:11 Uhr

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