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«Die Defizitgarantie für die Notfallpraxis war kein Fehler»

Die Notfallpraxis in Rapperswil-Jona hat hunderttausende Franken Verlust gemacht. Das Spital Linth hat deshalb die Notbremse betätigt. Die Ärzteschaft sieht den Ausstieg nach wie vor unter anderen Vorzeichen.

Spitaldirektor Urs Graf nahm am Montag vor den Medien Stellung zur Kritik der Ärzteschaft.
Spitaldirektor Urs Graf nahm am Montag vor den Medien Stellung zur Kritik der Ärzteschaft.
Patrick Gutenberg

Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch. Die Notfallpraxis der lokalen Ärzteschaft von Rapperswil-Jona und des Spitals Linth hat im ersten Betriebsjahr ein Defizit von 400000 Franken eingefahren. Dies bei Betriebskosten von 1,1 Millionen Franken. Diese Zahlen gab das Spital Linth am Dienstag an einer Pressekonferenz bekannt.

Damit wird klar, weshalb das Spital Linth den Vertrag mit der Ärzteschaft Ende des vergangenen Jahres kündigte. Verlässliche Informationen waren bisher rar. Stephan Bärlocher, Leiter Finanzen, Betrieb und Organisation des Spital Linth, sagt, die Notfallpraxis sei mit grossem Vertrauensvorschuss gestartet. Die schlechteste Variante im Businessplan sei ein Defizit von 300000 Franken gewesen. Man habe gewusst, dass die Praxis «im ersten Jahr keine schwarzen Zahlen schreibt» Im November sei das Spital Linth dann informiert worden, der Verlust betrage 400000 Franken. «Da muss man die Reissleine ziehen», betonten die Verantwortlichen des Spitals. Die Frequenzen seien zu tief gewesen. Nur gerade 700000 Franken Umsatz habe die Praxis, welche im Gebäude der Rosenklinik eingemietet ist, erwirtschaftet. Im Schnitt seien pro Tag gerade einmal 15 Personen in die Praxis gekommen.

Daniel Holtz, Vertreter der Rapperswil-Joner Ärzteschaft, will keine Zahlenklauberei betreiben. Er sagt, die Zahlen seien für ein «Start-Up» keineswegs schlecht gewesen. Auch weil die Betriebskosten ja 130 000 Franken für den Abenddienst der Ärzte des Spitals Linth umfassten. Und diese Kosten müsse man konsequenterweise vom Defizit abziehen.

Eine Hilfestellung

Die Reissleine gezogen hat das Spital Linth vor allem deshalb, weil das Spital eine unbeschränkte Defizitgarantie übernommen hat. Sprich: Egal wie gross das finanzielle Loch in der Kasse der Notfallpraxis gewesen wäre, das Spital Linth hätte bezahlen müssen. Weshalb aber hat das Spital Linth überhaupt eine solche Garantie übernommen - und erst noch unbeschränkt. Die Spitalleitung gibt sich dazu relativ wortkarg: «Wir wollten dem Projekt keine Knebel in den Weg werfen», sagte Spitaldirektor Urs Graf vor den Medien. «Für uns war klar, dass das ein Risiko ist, aber das ganze war eine Hilfestellung» Man habe in Treu und Glauben beim Projekt Notfallpraxis mitgemacht. Graf stellt klar: «Die Defizitgarantie war kein Fehler.»

Weshalb die Notfallpraxis nicht richtig funktioniert hat, darüber mutmassen die Verantwortlichen des Spital Linth. Ein fehlendes Marketingkonzept sei ein möglicher Grund, aber auch dass nicht alle Mediziner hinter dem Projekt stehen würde. Denn in gewisser Weise könne ja eine Notfallpraxis auch Konkurrenz für die lokale Ärzteschaft sein. Das Spital macht deutlich, dass diese Mentalität der Ärzteschaft nur möglich sei, wenn man einen «Sponsor» – also eine Defizitgarantie – habe. Diesen Vorwurf weist Daniel Holtz zurück: «Das ist lächerlich». Ihnen liege enorm viel an der Permanence. «Und wir kämpfen darum, sie unserem Ziel einer letzlich auch kostendeckenden Institution für die Bevölkerung jeden Tag noch näher zu bringen.»

Angelo Carone, Leitender Arzt der Kardiologie am Spital Linth, hat selbst in der Notfallpraxis gearbeitet. Kaderärzte der inneren Medizin hatten Dienste von 17 bis 22 Uhr übernommen, um die Hausärzte zu entlasten. «Wir haben uns auf eine längere Zusammenarbeit eingestellt.» Die Kaderärzte hätten extra einen Crash-Kurs besucht, um auf Notfall-Arbeiten eines Hausarztes vorbereitet zu sein. «Wir haben etwa das Nähen an Schweinsfüssen geübt.» Wirklich viel zu tun hatten aber auch die Kaderärzte nicht, sagt Carone: «Die Praxistätigkeit war zwar bei Ferienabwesenheiten von Hausärzten höher». Es hätten aber aber nur zwei Ärzte, die Patienten dann in Notfallpraxis geschickt haben. «Die anderen haben die Patienten untereinander verteilt.»

Der Vertreter der Ärzteschaft, Daniel Holtz, sagt dazu, es brauche mehr als acht Monate Zeit, diese «Umpolungen» vorzunehmen. «Kommt dazu, das möglicherweise einzelne Kollegen die Ferienvertretung deshalb nicht durch die Permanence machen liessen, weil sie um die eingeschränkte Wahlfreiheit ihrer Patienten bezüglich ambulanter Weiterabklärung und Hospitalisation wussten, wann immer die Kollegen vom Linth-Spital Dienst hatten.»

200000 maximales Defizit

Um weiter mit der Ärzteschaft zusammenarbeiten zu können, hat das Spital Linth Neuverhandlungen mit klaren Bedingungen gefordert: Dazu gehörte unter anderen ein Mitspracherecht und 200000 Franken maximale Defizitgarantie. Hätte man dann Massnahmen beschlossen, welche die 200000 Franken überstiegen hätte, wären die zusätzlichen Kosten ebenfalls vom Spital Linth getragen worden. Diesen Vorschlag hat die Ärzteschaft aber abgelehnt. Laut Holtz deshalb, weil die Defizitgarantie nur ein untergeordneter Aspekt im Vertrag war. Gemäss Holtz sah die Ärzteschaft die Wahlfreiheit des Patienten gefährdet, wenn das Spital Linth direkt bei der Notfallpraxis mitreden würde.

Das Spital Linth trotzt der Kritik. Man sei nach wie vor an einer Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft interessiert, sagt Urs Graf.

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