Rapperswil-Jona

«Die Altstadt braucht mehr Mut»

Eine saisonale Modeschau oder Thementage von Gastronomiebetreibern: Die Altstadt müsse Erlebnisse bieten, sagt Götz Datko, dessen Firma den Stadtrat bei der Altstadtentwicklung beraten hat

Auch so könnte die Rapperswiler Altstadt in Zukunft aussehen.

Auch so könnte die Rapperswiler Altstadt in Zukunft aussehen. Bild: Owley

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Welche Note geben Sie der Altstadt von Rapperswil-Jona auf einer Skala von 1 bis 10?
Götz Datko: Ich gebe Rapperswil-Jona eine 7. Der Zustand der Altstadt ist gut, aber es gibt noch einiges zu tun.

Welche Funktionen hat eine Altstadt heutzutage?
Eine Altstadt ist nicht in erster Linie Ort des Konsums, sondern Ort der Geselligkeit. Angebote, die Treffpunkt-Qualitäten haben, funktionieren gut. Aber auch Begegnungsmöglichkeiten im öffentlichen Aussenraum funktionieren gut.

Können Sie konkrete Beispiele geben?
Der Park vor dem Schloss ist solch ein Ort, aber auch das Strandbad Stampf. Rapperswil-Jona bietet bereits heute solche Qualitäten direkt bei der Altstadt, was toll ist. Trotzdem droht die Altstadt im Zeitalter von Online-Shopping zu verwaisen. Wir bei Intosens fragen uns immerzu, wodurch eine Altstadt punkten kann. Eine Antwort lautet: Durch Vielfalt. Im Unterschied zu einem Einkaufszentrum, in dem ich ausschliesslich konsumieren und ins Kino gehen kann, sind hier die Möglichkeiten vielfältiger.

Was macht die Altstadt sonst noch wertvoll in Abgrenzung zum Shoppingcenter?
Die Altstadt ist auf Begegnungen ausgerichtet. Im Idealfall gibt es hier Angebote für jedermann, während Einkaufszentren auf konsumierende Personen ausgerichtet ist. Und dann steht die Altstadt auch für Identität. Die Rapperswiler Altstadt ist das Produkt einer jahrhundertealten Geschichte, was sich nicht nur in den historischen Gebäuden und der atmosphärischen Qualität, sondern auch in den Eigenarten der Menschen und der Anbieter in ihr niederschlägt. Die Einzigartigkeit der Altstadt macht sie für Besucher attraktiv. Ein Shoppingcenter hingegen hat nichts mit einem einzigartigen Gefühl zu tun.

Welche Funktion haben die Teilnehmenden der Altstadt-Workshops besonders hervorgehoben?
Die Altstadt als Einkaufsort hat am stärksten gepunktet. An zweiter Stelle folgte die Funktion «Treffpunkt für Einheimische». Das zeigt: Wenn da Leute sind, wenn gelacht wird. Das schätzt man in Rapperswil-Jona.

Alle sprechen von den Jungen, für die es mehr Angebote brauche. Gibt es noch eine andere Zielgruppe, die etwas in Vergessenheit geraten ist?
Ich würde empfehlen, die Kinder ins Visier zu nehmen. Was Kinder toll finden, finden auch die Eltern toll. Es wäre denkbar, in der Altstadt öffentliche «Spielgeräte» zu installieren. Das könnte ein Brunnen oder ein kleiner Wasserlauf sein.

Aber auch solche Installationen halten das Lädelisterben nicht auf.
Nein, dafür braucht es vielmehr ein Bündel von mehreren unterschiedlichen Massnahmen, so wie es bei den Altstadt-Workshops erarbeitet wurde. Beispielsweise haben wir diskutiert, wie die Zusammenarbeit zwischen den kleinen Geschäften in der Altstadt und den grösseren Anbietern jenseits der Bahnhofsstrasse in der Neustadt verbessert könnte.

Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?
Manor könnte beispielsweise mit einem Messerschmied aus der Altstadt zusammenarbeiten. Als Attraktion für den Manor würde der Schmied dort seine Handwerkskunst zeigen und im Gegenzug macht das Warenhaus Werbung für den Handwerksbetrieb. Es geht darum, einfache, pragmatische, aber wirkungsvolle Wechselwirkungen zwischen der Alt- und der Neustadt zu stärken.

Sie haben mit einem ähnlichen Vorgehen auch die Entwicklung der Altstadt von Schaffhausen begleitet. Wodurch unterscheiden sich die beiden Altstädte?
Im Unterschied zu Schaffhausen gibt es in Rapperswil-Jona viel weniger Filialen in der Altstadt. Fast schon die einzige Filiale, die mir in der Altstadt von Rapperswil einfällt, ist der Starbucks. Die allermeisten Geschäfte sind inhabergeführt. Und die machen nicht die ganz grossen Umsätze.

In Rapperswil-Jona finden wir die Filialen grosser Ketten im Albuville und dem Sonnenhof.
Genau deshalb braucht es eine bessere Zusammenarbeit mit der Neustadt. Die Idee ist, dass der Kunde erst im Sonnenhof einen Pullover kauft und dann noch in die Altstadt geht, um etwas zu erleben. Dafür muss dieser Stadtteil aber etwas Besonderes bieten.

Wie könnte dieses «Besondere» aussehen?
Im Idealfall ist das ein Erlebnis, das mit Geselligkeit verknüpft ist. Ich gehe ja nicht wegen einem Pullover in die Altstadt, sondern weil ich Geselligkeit suche. So könnte ein Laden zum Beispiel zweimal pro Jahr eine kleine Modeschau organisieren. Restaurants könnten gemeinsam Thementage anbieten. Ein frisches Bar & Lounge-Konzept oder ein Mittagstisch für Studenten wären gut. Und wenn es doch um den Pullover geht, dann will ich in der Altstadt einen besonderen Pullover finden, etwa aus nachhaltiger Produktion oder Made in Switzerland und nicht einen, den ich auch in Internet kaufen kann.

Stehen die Filialen grosser Ketten nicht in Widerspruch zu «qualitätvollen Angeboten», welche die Stadt eigentlich generieren möchte?
Schön wäre eine gute Mischung zwischen Filialen und Detailhändlern. Es schadet nicht, wenn auch austauschbare Geschäfte da sind. Sie sind sogenannte Frequenzbringer. Allgemein gibt es in der Altstadt von Schaffhausen sicher zu viel «Mainstream», und in Rapperswil-Jona etwas zu wenig. Es wäre aber falsch, den Fokus auf Filialen zu legen.

In welchem Zeithorizont sollten die ersten Massnahmen umgesetzt werden, die in den Altstadt-Workshops erarbeitet wurden?
Ich denke, es sollte rasch losgehen. Erste Massnahmen gehören sofort umgesetzt. Das ist wichtig, denn die Leute sollen am Ball bleiben.

Wo sehen Sie Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Massnahmen?
Ganz wichtig ist, dass die Altstadt in einem kooperativen Verständnis weiterentwickelt wird. Alle Gruppierungen müssen zusammenarbeiten: Die Stadt, die Privaten, die Gruppierungen, die bereits bestehen. Die Workshops haben gezeigt, dass es eine gute Zusammenarbeit gibt, aber auch ein «Gegeneinander» besteht zwischen den unterschiedlichen Parteien.

Stadtrat Thomas Furrer sprach von einem «Ziehen an einem Strang».
Richtig. Die Workshops haben gezeigt, dass eine gute Zusammenarbeit möglich ist, dies muss jetzt aber auch für die Umsetzung konkreter Massnahmen bewiesen werden.

Wie soll die Altstadt in zehn Jahren aussehen?
In zehn Jahren soll der Besucher, spüren, dass die unterschiedlichen Akteure zusammenspielen. «Hier gibt es ein tolles Gesamtangebot» soll das vorherrschende Gefühl sein. Schön wäre es, wenn bis in zehn Jahren das Gesamtangebot mutig, innovativ und qualitätvoll wäre. Ausserdem soll die Altstadt durch architektonische Akzente und überraschende Angebote punkten. Insgesamt braucht es mehr Mut, mehr Innovation, mehr Überraschendes.

Welche Prognose geben Sie der Altstadt von Rapperswil-Jona?
Wenn es gelingt, dass die unterschiedlichen Akteure gut zusammenarbeiten, dann kann die Altstadt noch vielfältiger werden. Ein Einzelner oder eine einzelne Gruppe schafft das aber nicht. Wir haben viele schlaue, engagierte Köpfe, die sich mit der Altstadt auskennen und viel bewegen möchten. Damit ihre Ideen umgesetzt werden können, brauchte es aber eine gute Kooperation. (zsz.ch)

Erstellt: 10.11.2017, 19:07 Uhr

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