Rapperswil-Jona

«Die Alternative ist, das Bad stillzulegen»

Der Stadtrat stellt die Eisprojekte im Lido zurück. Die Baukosten wären zu hoch gewesen, um Schwimmbad und Eisfelder gleichzeitig zu realisieren. Nun evaluiert der Stadtrat auch neue Standorte für eine Eishockey-Trainingshalle.

Die Schwimmanlagen im Lido werden neu geplant: Sie sind alt und sanierungsbedürftig.

Die Schwimmanlagen im Lido werden neu geplant: Sie sind alt und sanierungsbedürftig. Bild: Archiv Manuela Matt

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Für den Stadtrat von Rapperswil-Jona ist klar: Das Schwimmbad im Lido muss saniert werden. 25 Millionen Franken sind zwar viel Geld, aber das ist es dem Stadtrat wert. «Natürlich entscheidet am Schluss der Bürger, aber der Sanie­rungsbedarf des Bades ist unbestritten», argumentierte Stadt­präsident Martin Stöck­ling (FDP). Der Bedarf an einem klassischen Familienbad, zusätzlich zum See, sei aus Sicht des Rates klar ausgewiesen. Stöck­ling formulierte es an der Medienkonferenz drastisch «Die Alternative ist, das Bad stillzulegen.» Eine Lösung, die für den Stadtrat aber nicht infrage kommt: Denn die Lage in Bahnhofnähe, bei Kin­der­zoo und HSR ist attraktiv. Verworfen hat der Stadtrat deshalb sogleich das Gedankenspiel, das Schwimmbad an einem anderen Ort ganz neu zu bauen.

Dass die Frage, ob die Schwimm­bad­erneuerung nicht etwas teuer ist, überhaupt auftaucht, liegt am gescheiterten Eisprojekt. An der Bürgerversammlung vom April 2016 wurde ein Projektierungskredit bewilligt. Geplant werden sollten die Sanierung des Schwimmbads und der Neubau eines Sockelgebäudes an die bestehende Bootshalle. Dieses sollte als Standort für eine neue Eisfeld-Traglufthalle dienen. Zudem stimmte die Bürgerversammlung einem Baukredit für ein temporäres Aus­sen­eis­feld zu. In der Zwischenzeit fällte der Stadtrat im April dieses Jahres den Entscheid, anstelle einer Traglufthalle eine fixe Trainingshalle zu erstellen und mit dem Bau des Aus­sen­eis­felds zuzuwarten, bis der Entscheid zum Gesamtprojekt an der Urne gefallen ist.

Zu hohe Kosten

Die Kosten für die fixe Traglufthalle schossen aber ins Unermessliche: Ein erster Kostenvoranschlag vor den Sommerferien wies Gesamtkosten in der Höhe von rund 50 Millionen Franken aus. Nach einer weiteren Überarbeitung betrugen die Kosten noch immer rund 45 Millionen Franken – das waren 15 Millionen Franken mehr als in der ersten Schätzung des Stadtrates, die auch dem Volk vorgelegt wurde.

Was hatte das Projekt so verteuert? Gründe gibt es laut dem Stadtrat viele. Da wären etwa die fixe Trainingshalle anstelle der Traglufthalle und die aufwen­digere Eistechnik – alleine diese hat Mehrkosten von sechs Millionen verursacht –, aber auch der Standort Lido mit seinem schwierigen Baugrund grundsätzlich. Dazu kommen statische Massnahmen bei der Bootshalle. Diese wäre neu fix statt schwimmend gebaut worden, um die Last einer Halle tragen zu können. Zudem stiegen die Kosten, weil im Sockelbereich der Bootshalle auf Wunsch der Vereine etwa noch Garderoben eingeplant wurden. In der ursprünglichen Projekt­variante, die das Volk 2016 zur Weiterbearbeitung annahm, war das Sockelgebäude im Rohbau ­geplant worden.

Hat der Stadtrat falsch geplant – auch, weil er noch dieses Jahr mehrere Nachtragskredite unter anderem für ein zusätzliches Garderobengebäude zum Aus­sen­eis­feld vorlegte? Nein, sagt Marcel Gämperli, Leiter Hochbau/Planung: «Der Standard ist einfach gewachsen.» Der Eislauf funktioniere ja mit den derzeitigen Garderoben, wenn auch nicht optimal. Und Bauchef Thomas Furrer (parteilos) ergänzte, man habe bereits 2016 80 Prozent der Nutzer­wünsche abgedeckt. Immerhin gab er zu: «Die ursprüngliche Idee einer Traglufthalle war eine Notlösung.» Man habe bereits damals gesehen, dass die fixe Trainingshalle schwierig zu realisieren sei.

Trotzdem will der Stadtrat Lehren aus dem Projekt ziehen. «Ein Projekt muss zukünftig sehr stark über Zielkosten definiert werden», sagt Stöck­ling. Dann müssten Planer aufgrund dieser Grössenordnung die ­besten Lösungen suchen, sonst habe man schnell wieder die­selben Probleme.

Neue Eis-Strategie

Der Projektteil Eis der Lido-Sanierung wird nun zurückgestellt. Kon­kret bedeutet das: Das heu­tige Aus­sen­eis­feld wird vorderhand weiterbetrieben. «Es ist ein gewisses Risiko, das weiterzubetreiben», sagt Bauchef Thomas Furrer. Das Feld ist bereits seit 20 Jahren als Provisorium in Betrieb. Erst vor drei Jahren musste man 120 000 Franken investieren, um das Eisfeld überhaupt in Betrieb zu halten. Weiter will der Stadtrat einen Strategieentscheid fällen, ob und wo eine Trainingshalle für den Eissport gebaut würde. Mögliche Stand­orte bleiben das Lido (aber nur auf der Fläche der Allmend und nicht der Bootshalle) und das Grünfeld, bei den übrigen Sportanlagen. «Ziel muss es sein, im Frühling 2018 eine Aus­sage dazu zu machen», sagt Stöck­ling. Furrer betont, dass man dabei auch über eine private Finanzierung der Trainingshalle nachdenken müsse.

Die Planung für das temporäre Aus­sen­eis­feld, welches während der Bauzeit der Trainingshalle im Lido genutzt worden wäre, wird vorangetrieben, bis eine Baubewilligung vorliegt. Danach hätte der Stadtrat vier Jahre Zeit, das Eisfeld wenn nötig sofort zu bauen. Für eine Baubewilligung muss allerdings zuerst eine Einsprache bereinigt werden. Knies Kinderzoo hatte Bedenken ­wegen des Betriebslärms des Eisfel­des angemeldet.

Direkt betroffen vom Entscheid des Stadtrats sind die Rappers­wil-Jona Lakers und die Eiskunstläufer, die schon länger auf neue Trainingsmöglichkeiten hoffen.

Anita Noger, Präsidentin des Eislaufclubs Rapperswil-Jona, zeigt sich enttäuscht von der Kehrtwende des Stadtrats: «Das heutige Aus­sen­eis­feld ist in einem erbärmlichen Zustand.» Die Leidtragenden dabei seien in erster Linie nicht die Spit­zen­läu­fer, sondern die Öffentlichkeit. Denn sowohl die Hobbyläufer als auch die Kinderkurse würden hauptsächlich das Aus­sen­eis­feld nutzen. Trotzdem sei sie froh, dass die Stadt das Projekt gut prüfe, und sie hoffe, dass letztendlich eine langfristige Lösung zustande komme. Die Rapperswil-Jona Lakers wollten den Entscheid des Stadtrats nicht kommentieren.

2018 an die Urne

Klar ist derweil, wie es mit dem Schwimmbad-Projekt weitergeht. Frühestens an der Bürgerversammlung im März 2018 wird der Stimmbevölkerung der konkrete Kostenvoranschlag vorgelegt, der dann im Juni 2018 an die Urne kommen soll. Baubeginn ist frühestens im Herbst 2019, die Inbetriebnahme ist für den Herbst 2021 geplant. Im Vergleich zu den ursprünglichen Kosten rechnet die Stadt derzeit mit 25 Millionen Franken. Das sind drei Millionen Franken mehr als angedacht.

Hauptsächlich seien die Kosten höher gewor­den, weil man Reserven einrechnen musste. Trotzdem: Kostenoptimierung hat der Stadtrat auch beim Schwimmbad betrieben und das Raumangebot reduziert. Dazu wurden das Schwimmbadgebäude sowie die Umgebungsarbeiten optimiert. Auch auf gewisse Nutzungen im Sockel der Bootshalle muss verzichtet werden, weil nun ja die Eisprojekte nicht realisiert werden. Die Realisierung der Schwimmbadanlage werde nun aber so geplant, dass man auch nachher etwa eine neue Kälte­maschine für neue Eisfelder einbauen könnte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.09.2017, 08:13 Uhr

Das zukünftige Lido-Areal

Die Eisanlagen (links) bleiben vorerst wie gehabt. Der Schwimmbadteil (rechts) wird – bei einem Volks-Ja 2018 – erneuert. (Bild: Grafik zvg)

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