Rapperswil-Jona

Der Mann, der die Brücken sicherer macht

Sommerzeit ist Stauzeit — auch wegen Strassenbauarbeiten. Viele Schäden in Brücken und Belägen könnten früher entdeckt werden, sagt der Geophysiker Johannes Hugenschmidt, und zwar mittels Georadar. Sein Institut für Bau und Umwelt an der HSR ist auf dem Gebiet federführend.

Weitsichtig: Geophysiker Johannes Hugenschmidt plädiert für einen vermehrten Einsatz von Georadar im Kampf gegen die Korrosion in Brücken.

Weitsichtig: Geophysiker Johannes Hugenschmidt plädiert für einen vermehrten Einsatz von Georadar im Kampf gegen die Korrosion in Brücken. Bild: Michael Trost

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Johannes Hugenschmidt, im Sommer werden viele Strassen- und Schienenabschnitte saniert, darunter zahlreiche Brücken. Weshalb müssen diese immer wieder saniert werden?
Johannes Hugenschmidt: Ein häufiges Problem ist die Korrosion, also der Rost von Stahl im Beton. Dieser entsteht, wenn im Winter Tausalz in den Beton eindringt.

Wieso dringt dieses Tausalz überhaupt in den Beton ein?
Eigentlich sollten Brücken abgedichtet sein. Es kommt aber immer wieder vor, dass an einer beschädigten Stelle salzhaltige Flüssigkeit in die Brückenplatte eindringt und Rost verursacht. Wenn man solche Rostschäden nicht rechtzeitig saniert, kann dies dazu führen, dass die Brücke abgerissen werden muss.

In welchen anderen Bereichen kann Georadar nützlich sein?
Wir haben auch schon Decken von Sporthallen untersucht, insbesondere nach dem Einsturz der einer St. Galler Sporthalle im Jahr 2009. Mittels Georadar kann man untersuchen, wie solche Decken aufgebaut sind und in welchem Zustand sie sind.

Ihr Institut forscht bereits seit über 20 Jahren in diesem Bereich, dennoch wird heute nicht immer mit Georadar gearbeitet.
Es ist noch immer gängig, ein Loch zu bohren, um herauszufinden, ob ein Strassenbelag noch intakt ist. Durch dieses Loch kann man nachmessen, ob der Belag beschädigt ist. Diese Technik bringt aber einige Nachteile mit sich.

Welche sind diese?
Erstens hat man etwas kaputt gemacht, das man später wieder reparieren muss. Zweitens erhält man nur Aussagen zum Strassenbelag an dieser spezifischen Stelle. Man bohrt dann vielleicht alle paar hundert Meter ein Loch, aber was dazwischen ist, weiss man eigentlich nicht.

Und Georadar funktioniert anders?
Ja, diese Technik kann den Zustand eines Bauwerkes auf seiner ganzen Fläche erfassen. Und Georadar ist nicht sehr aufwendig.

Ans Auto angehängt, sendet das Messgerät beim Fahren Wellen aus. Foto: PD.

Können Sie erklären, wie Georadar funktioniert?
Mit unseren Messgeräten senden wir Wellen aus. Diese sind vergleichbar mit Schall. Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit verbundenen Augen vor einer Felswand und klatschen in die Hände. Aufgrund des Echos — also der Ausbreitungsschalls — können Sie die Distanz zu dieser Felswand einschätzen. Dasselbe machen wir mit Wellen, nur dass diese elektromagnetisch sind.

Wie werden diese Messungen praktisch durchgeführt?
Wir bringen das Messgerät beispielsweise am hinteren Teil eines Autos an und fahren bei wenig Verkehr — also zum Beispiel nachts — mehrfach über die Brücke. Dabei sendet das Messgerät dauernd Radarwellen aus und misst so Strukturen unterhalb aus.

Was ist der Vorteil dieses Verfahrens?
Im Vergleich zu allen anderen Optionen sind diese Untersuchungen sehr effizient und günstig. Ein grosser Vorteil ist, dass das Verfahren sehr schnell ist. Die Messungen können meist in weniger als einem Tag abgeschlossen werden, die Auswertung dauert dann einige Tage.

Sie sagen, noch immer würden oftmals Löcher gebohrt, um Beläge zu untersuchen. Hat sich Georadar als zerstörungsfreie Prüfung von Belägen also noch nicht etabliert?
Unser Institut leistete 1995 Pionierarbeit, als wir die Gotthardautobahn zwischen Amsteg und

Wassen im fliessenden Verkehr untersuchten. Damals waren wir die Einzigen. Mittlerweile gibt es mehrere Firmen, die Georadar-Messungen anbieten. Auch die ETH macht solche Untersuchungen, aber eher im Bereich der oberflächennahen Geologie und Hydrologie. Georadar ist also eine von mehreren etablierten Messtechniken in diesem Bereich.

Führt das IBU auch konkrete Aufträge aus?
Ja, neben Forschung bieten wir auch Dienstleistungen an.

Wer sind Ihre Auftraggeber?
Das ist ganz unterschiedlich, etwa das Bundesamt für Strassen, die Kantone, die SBB und Ingenieurbüros.

In welchen Bereichen kann heute diese Technik weiterentwickelt werden?
Es werden immer schnellere Geräte eingesetzt und dadurch werden auch die Datenmengen grösser, welche verarbeitet und ausgewertet werden. Eine wichtige Aufgabe sehen wir darin, das Verfahren für neue Anwendungen einzusetzen und dort zu zeigen was möglich ist, oder eben auch nicht möglich ist.

Ist Georadar auch präventiv einsetzbar?
Ja, Georadar kann helfen, den richtigen Zeitpunkt für die Sanierung eines Belags oder einer Brücke zu eruieren. Wartet man zu lange, entstehen neue Probleme. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.08.2018, 16:55 Uhr

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