Lachen / Rapperswil

Der Komponist Joachim Raff kehrt an den Obersee zurück

Joachim Raff (1822–1882) war zu Lebzeiten einer der berühmtesten Komponisten. Der gebürtige Lachner wirkte einige Jahre als Lehrer in Rapperswil und zog dann mit Franz Liszt nach Deutschland. Jetzt wird an seinem Geburtsort ein Archiv eröffnet.

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40 Briefe und ein paar Liedvertonungen in Raffs eigener, gestochen scharfer Schrift; das einzige bis heute bekannte Ölbild, das Heinrich Georg Michaelis vom Komponisten in dessen Todesjahr gemalt hat; Raffs Stimmgabel und ein tipptopp restauriertes Pianoforte aus dem Jahr 1868, auf dem künftig Raff-Werke im Ori­ginalklang gespielt werden sollen. Das sind die Glanzstücke im schweizweit ersten Joachim-Raff-Archiv, das Anfang September in Lachen eröffnet werden wird.

Der Standort am Obersee hat Symbolkraft: Im Vorgängerbau des Hauses, wo das Archiv nun im Erdgeschoss Platz findet, wurde der Komponist im Jahr 1822 geboren. Der Platz am See heisst denn auch Raff-Platz; im Jahr 1972 wurde hier vom Bildhauer Josef Bisa ein Denkmal für den bis heute berühmtesten Sohn des Dorfes errichtet.

Briefe, Fotos, Notenblätter

Ebenso lange gibt es die Raff-Gesellschaft, deren unermüdlicher Präsident Res Marty sich zum Ziel gesetzt hat, alles zu sammeln, was es weltweit über Joachim Raff gibt. Entweder im Original oder dann zumindest als Kopie. Diesem Ziel ist die Gesellschaft schon ziemlich nahe gekommen, wie ein Blick ins neue Archiv zeigt. In zahlreichen Vitrinen und Schränken werden Briefe, Fotos, Stiche oder Notenblätter präsentiert und aufbewahrt.

Nach seiner Schulzeit in Lachen, an einem deutschen Gymnasium und in Schwyz trat Raff eine Lehrerstelle am Schulhaus Herrenberg in Rapperswil an. Bereits zu dieser Zeit komponierte er Klavierstücke, die dank der Fürsprache von Felix Mendelssohn im Jahr 1844 beim renommierten Verlag Breitkopf und Härtel erschienen.

Das Sammeln geht weiter

Nach vier Jahren Schuldienst beschloss Raff, eine Laufbahn als Komponist einzuschlagen, und er hatte das Glück, schon bald vom Klaviervirtuosen und Komponisten Franz Liszt als Assistent angestellt zu werden. Weimar, Wiesbaden und Frankfurt waren die Stationen, an denen er in Deutschland wirkte, wo er ab den 1860er-Jahren als einer der gefragtesten Komponisten galt. Neben Klavierwerken und Kammermusik komponierte er elf Sinfonien, mehrere Opern sowie eine Reihe geistlicher Werke. Er war Direktor des Konservatoriums in Frankfurt am Main, wo er im Jahr 1882 starb.

136 Jahre nach seinem Tod kehrt der einst so berühmte Komponist nun sozusagen in seine Herkunftsregion zurück. Das Raff-Archiv in Lachen soll laut Res Marty eine Mischung aus Museum und Forschungsstätte sein. Geleitet wird es vom Musikwissenschafter Severin Kolb, der zurzeit an einer Dissertation über Raffs Beziehung zu Richard Wagner arbeitet.

Wie die Büste herunterfiel

Dass die Sammlung zwar gross, aber bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, zeigte jüngst das Beispiel von neun Raff-Briefen, die in Stockholm auftauchten. Verschollen bleibt hingegen die Büste des Komponisten, die dessen Tochter Helene der Gemeinde Lachen in den 1930er-Jahren schenken wollte.

Der Gemeinderat lehnte das Geschenk ab mit der Begründung, eine solche Büste könne ja jederzeit hinunterfallen. So kam der Kopf in Frankfurt ins Museum, wo er dann in einer Bombennacht tatsächlich hinunterfiel.

Die Eröffnung des Raff-Archivs findet am 7. und 8. September mit einer internationalen Tagung und einem Konzert statt. Das detaillierte Programm ist zu finden unter www.joachim-raff.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.08.2018, 09:06 Uhr

Der Lachner Komponist Joachim Raff wirkte als Lehrer in Rapperswil. (Bild: pd)

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