Rapperswil

Der Himmel ist seine Leinwand

Bomben, so gross wie Fussbälle: Damit das Feuerwerk am Seenachtfest am Freitagabend der Knaller wird, ­haben Pyrotechniker drei Ledischiffe mit mehr als 1500 ­Kugelbomben ausgerüstet. Für den Mann hinter dem ­Kunstwerk ist es diesmal eine Premiere.

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Ein Streichholz oder eine brennende Zigarette wäre hier fatal. Wer sich den Ledischiffen nähert, wird von den Männern, die ­darauf hantieren, genau im Auge behalten. «Achtung! Wir haben schon ziemlich viel Sprengstoff an Board.» Der Chef komme gleich, «bitte nichts anfassen».

Der Chef auf dem Platz, das ist Tobias Isler, 30-jährig, Pyrotechniker. Er ist der Mann hinter dem grossen Feuerwerk, das am Freitagabend den Nachthimmel über Rapperswil erhellen wird. Wenn die Menschen applaudieren und staunen, die Bouquets mit «aaah» und «oooh» quittieren, dann ist das sein Verdienst – und heuer erstmals seiner ganz allein. Sein Lehrmeister, der Inhaber der Firma Hirt & Co. Fireworks AG, habe es diesmal ihm überlassen, erzählt er nicht ohne Stolz und rückt das Käppi zurecht. Von A bis Z konzipiert er das Spektakel am Himmel. Dauer: knapp 30 Minuten. Kostenpunkt: siebzig- bis achtzigtausend Franken.

Per Gasdruck in die Luft

Seine Welt beginnt, wo anderen der Zutritt verboten ist. Aktuell ist das im Hafen bei der Kibag in Nuolen, wo drei Ledischiffe mit ordentlich Zündstoff beladen werden. Rohre in allen Grössen stecken wie leere Blumentöpfe im sandigen Untergrund. Die Rohre, auch Mörser genannt, seien für die Kugelbomben, erklärt Tobias Isler.

«Es ist wie beim Malen: Man kann es, oder man kann es nicht.»Pyrotechniker Tobias Isler

In jedem Rohr wird eine Kugel versenkt. Zuunterst befindet sich eine Treibladung. Wird sie gezündet, entsteht ein Gasdruck, der die Bombe nach oben schnellen lässt. Die Bomben reichen von tennisballgrossen Gebilden bis zu eindrücklichen Böllern von der Grösse eines Fussballs. Die grösste hat einen Durchmesser von 300 Millimetern, am Himmel zündet sie ein 250 Meter breites Bouquet. Andere setzen mit einem grossen Knall kleine Minibomben frei, die wiederum explodieren und Funken versprühen.

Den richtigen Takt finden

Doch der künstlerische Teil der Arbeit entsteht noch viel früher – lange bevor jede Bombe, jeder Singleshot an seinen Platz kommt. Es beginnt damit, die richtige Musik auszuwählen: schmissig, stimmig, ein paar Balladen, ein paar Ohrwürmer. «Der Takt muss stimmen», sagt Isler. Filmmusik eigne sich sehr gut wegen der Dramatik. Überhaupt steigert sich die Musik im Idealfall über das gesamte Feuerwerk zu einem gigantischen, explosionsartigen Finale.

Welche Feuerwerkeffekte zur Musik passen, das malt sich der Pyrotechniker vorher im Kopf aus. Manchmal skizziert er die Bilder auf Papier oder hält sie stichwortartig fest. Fantasie, ein gutes Vorstellungsvermögen, das sei von Vorteil in diesem Beruf. Lernen könne man diesen künstlerischen Teil nicht. «Es ist wie ein grosses Bild, das wir an den Himmel malen.» Und beim Malen sei es ja auch so: «Entweder man kann es oder nicht.»

Wie sich das Werk farblich präsentiert, darüber lässt sich Isler nicht auf Anhieb in die Karten blicken. Herzbomben seien dabei, lässt er sich entlocken. Sie zaubern rote Herzen an den Himmel, wie er sie sonst vor allem für Hochzeiten verwendet. Und das Grande Finale? Silbern werde es daherkommen, dazu ein paar Farbkleckser. Die Musik? Er druckst herum, das sei eigentlich ebenfalls geheim. Ein Stück aber sei auf Rapperswil bezogen, «in sportlicher Hinsicht».

Nervös vor der Feuertaufe

Noch bis Freitagmittag wird das Team um Tobias Isler die Bomben auf den Ledischiffen anbringen. Zum Schluss wird alles verkabelt und ans Zündgerät angeschlossen. Wenn alles abgedeckt ist, fahren die drei Schiffe nach Rapperswil, wo sie 350 Meter vor dem Ufer verankert werden. Den Start zum Spektakel zündet Isler am Abend via Funk. Ein bisschen nervös sei er schon, gibt er zu. Gegen technische Pannen hat er sich mit Reservezündboxen gewappnet. Wie sein «Bild» letztlich herauskommt, das weiss er allerdings erst, wenn es am Nachthimmel aufblitzt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 08:53 Uhr

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