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Der «Herr der Buchstaben» hört auf

Sie sind ein Blickfang, und seit bald 20 Jahren das Aushängeschild der Stadt: die Buchstaben am Rapperswiler Hauptplatz. Der Mann hinter den Wortspielen, Hansueli Keller, geht nach mehr als 350 Wortkreationen in den Ruhestand. Er versichert: «Die Buchstaben bleiben».

Die allerersten Buchstaben schmückten im März 1998 den Hauptplatz der Rosenstadt. Damit ersetzten sie die unschöne Schranke, die zuvor das Fahrverbot signalisiert hatte.
Die allerersten Buchstaben schmückten im März 1998 den Hauptplatz der Rosenstadt. Damit ersetzten sie die unschöne Schranke, die zuvor das Fahrverbot signalisiert hatte.
Archiv ZSZ
Das Lager der Buchstaben erweiterte sich von Jahr zu Jahr. Mittlerweile sind im Werkhof der Stadt 37 weisse Lettern verstaut.
Das Lager der Buchstaben erweiterte sich von Jahr zu Jahr. Mittlerweile sind im Werkhof der Stadt 37 weisse Lettern verstaut.
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Was zunächst nicht allen gefiel, ist inzwischen längst zum Markenzeichen der Stadt geworden. Hier der Expo Schriftzug im Jahr 2010.
Was zunächst nicht allen gefiel, ist inzwischen längst zum Markenzeichen der Stadt geworden. Hier der Expo Schriftzug im Jahr 2010.
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Man kennt sein Werk, nicht aber das Gesicht dahinter. Und das soll auch so bleiben. Er gibt sich bescheiden, jener Mann, der für die grossen weissen Buchstaben am Rapperswiler Hauptplatz verantwortlich ist. Ein Gespräch für ein Abschiedsporträt? Ein Bild von ihm in der Zeitung? «Das schon grad gar nicht.» Die brummlige Stimme am Telefon wimmelt die Journalistin ab. Er wolle nicht so prominent in Erscheinung treten. Er habe schliesslich nur seine Arbeit getan. Seine Arbeit, das sind immerhin 350 Wortspiele aus 37 Buchstaben.

Hansueli Keller, so heisst der «Buchstaben-Götti», hat mit den zwei Meter hohen Lettern das Bild der Rapperswiler Altstadt massgeblich geprägt. Als Mitarbeiter der städtischen Bauverwaltung lag das Buchstabenprojekt fast zwanzig Jahre in seiner Obhut. Er überlegte sich alle zwei Wochen aufs Neue, was Touristen und Spaziergänger vor dem Schlossaufstieg am Hauptplatz zu Lesen bekommen sollten. «Fescht Jona» lautet die jüngste Wortkreation. Es ist zugleich seine Letzte. Ende Woche, so teilt die Stadt mit, geht Keller in den Ruhestand.

Am Anfang war die Barriere

Begonnen hatte alles mit einem Verbot. In der westlichen Altstadt wurde 1996 eine Fahr- und Parksperre verhängt. Mit einfachen Pfosten und einer Barriere am Hauptplatz sollte das Verbot signalisiert werden. «Unschön», fand die Interessensgemeinschaft Hauptplatz, und wandte sich mit einem Schreiben an die Stadt. Die Schranke würde Gäste und Touristen abschrecken, wirke abweisend. Ob es keine freundlichere Lösung gäbe? Es gab sie. Die Stadt beauftragte einer Männedörfler Firma, eine künstlerische Alternative auszuarbeiten. Aus drei Vorschlägen setzte sich die Idee der zwei Meter hohen Buchstaben durch. «Flanieren», lautete die erste Buchstabenkombination, die im März 1998 einmal quer über den Hauptplatz lief. Was zunächst nicht allen gefiel, ist inzwischen längst zum Markenzeichen der Stadt geworden.

Seither haben die Mitarbeiter vom Werkhof die auffälligen Lettern unzählige Male auf den Hauptplatz geschleppt, ausgetauscht und montiert. 15 bis 50 Kilogramm wiegt ein Buchstabe, am schwersten sei das «M». Die Zahl der Buchstaben wuchs von 15 auf 37 Stück an, einige Buchstaben sind mehrfach vorhanden. Weil sie Wind und Wetter ausgesetzt sind, müssen sie regelmässig neu gestrichen werden. Hin und wieder, das lässt sich Hansueli Keller entlocken, wurden einzelne Buchstaben verkritzelt oder mit Aufklebern versehen. Grössere Schmierereien habe es aber nie gegeben. Pro Jahr standen im Schnitt 30 Wörter für jeweils zwei Wochen am Hauptplatz.

Warum das «L» krumm ist

Anekdoten dazu gäbe es viele. Etwa, dass einzelne Buchstaben einmal verkehrt herum montiert wurden, und das Team vom Werkhof den Fauxpas erst beim Wegfahren bemerkte. Oder, dass das «L» krumm ist, weil es von einem Auto gestreift wurde, als das Wort zu lang war. Darum dürfen die Wörter auch nicht aus mehr als elf Buchstaben bestehen. Und schliessslich, im letzten Herbst, der jüngste Lapsus: «Wellcome», mit einem L zu viel, hiess es versehentlich auf dem Hauptplatz. Als das Missgeschick bemerkt wurde, weilte der «Chef» in den Ferien.

Über all diese Geschichten will Hansueli Keller keine grossen Worte verlieren. Nur so viel: «Die Buchstaben, jaja die bleiben natürlich.» Die Bauverwaltung wolle das Projekt weiterführen. Hin und wieder werde er einen Blick darauf werfen, wenn er am Hauptplatz vorbeispaziere. Er ist zuversichtlich: «Die Kollegen werden das sicher gut machen.»

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