Gommiswald

Der Gommiswalder Schulleiter fährt zweigleisig

Der Schulleiter der Primarschule hat parallel zu seiner Tätigkeit eine Privatschule gegründet. In einem offenen Brief fordert die CVP den Schulrat auf, sich zu erklären. Keine Mühe mit der privatwirtschaftlichen Nebenbeschäftigung hat der Gemeinderat, der von der Privatschule wusste.

Fragwürdiges Engagement stösst in Gommiswald auf Kritik: Der Schulleiter der Primarschule hat nebenbei eine Privatschule gegründet.

Fragwürdiges Engagement stösst in Gommiswald auf Kritik: Der Schulleiter der Primarschule hat nebenbei eine Privatschule gegründet. Bild: Archiv ZSZ

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein offener Brief der CVP Gommiswald hat kurz vor Ostern viel Staub aufgewirbelt. Der Vorwurf: Der Gommiswalder Schulrat hätte die Öffentlichkeit über die privatwirtschaftliche Nebenbeschäftigung von Roger Häubi informieren müssen.

Häubi ist Schulleiter der Primarschule und hat parallel zu seiner Tätigkeit in der Volksschule eine Privatschule gegründet. In dieser soll «das Lernen seinen Raum finden», wie es auf der Homepage heisst. Die Schule namens Lernraum befindet sich in Ziegelbrücke und richtet sich an Mädchen und Knaben im Alter von 9 bis 13 Jahren, «welche an der öffentlichen Schule unter dem starren System leiden». Starten soll die Privatschule ab dem Schuljahr 2018/19. Sie befindet sich in der Villa auf dem Jenny Areal.

CVP fordert Transparenz

Es waren die Medien, welche Roger Häubis «Zweitprojekt» an die Öffentlichkeit getragen haben. So hat gemäss CVP-Communiqué Radio Zürichsee für den «Lernraum» geworben und die «Obersee-Nachrichten» haben Ende Februar die Privatschule mitsamt Namen der Gründer vorgestellt. Die CVP will nun vom Schulrat wissen, ob er diese Nebenbeschäftigung bewilligt habe und weshalb der Rat die Öffentlichkeit nicht informiert hat. «Nachdem verunsicherte Eltern auf uns zugekommen sind, sahen wir uns gezwungen Transparenz zu schaffen», erklärt Richard Kaufmann, Co-Präsident der CVP Gommiswald, das Vorgehen seiner Partei.

Nun soll der Schulrat erklären, wie er die «abwertenden Werbeinhalte gegenüber öffentlichen Schulen» auf der Homepage von Häubis Privatschule beurteile. «Der Lernraum propagiert auf seiner Internetseite nicht nur ein positives, unterstützendes Klima, sondern bringt klar die öffentliche Schule in Misskredit», hält Kaufmann fest. So etwas sei schlicht unakzeptabel.

Tatsächlich heisst es auf der Webseite der Privatschule, das Angebot richte sich an Mädchen und Knaben, «die Lehrpersonen suchen, die auch nach mehrmaligem Fragen geduldig erklären und unterstützen, die ihr Potential in der öffentlichen Schule nicht ausschöpfen können und mehr möchten, als auswendig lernen und Arbeitsblätter lösen.» Nebst «fachlichen Zielen» sollen sich die Schülerinnen und Schüler in wichtigen Selbst- und Sozialkompetenzen, sowie Arbeits- und Lerntechniken üben, heisst es weiter. Obwohl sich die Privatschule damit klar als Alternative zur Volksschule versteht, orientiere sie sich an den Kompetenzen und Lernzielen des Lehrplans des Kanton Glarus und gewährleiste den Anschluss an weiterführende Angebote der öffentlichen Schule.

Gemeinde wusste Bescheid

Gemeindepräsident Peter Hüppi (SP) zeigt sich erstaunt darüber, dass sich die CVP Gommiswald mit ihren Fragen nicht direkt an den Gemeinde- oder Schulrat gewendet hat. «Ich bin masslos enttäuscht und irritiert über das Vorgehen der CVP.» Ein offener Brief widerspreche seinem Verständnis von einer guten Gemeindepolitik.

Der Gemeinderat sei vom Schulrat bereits vor längerer Zeit über das Engagement von Roger Häubi informiert worden. «Wir sind nicht der Meinung, dass sich dies mit seiner Arbeit als Schulleiter beisst.» Andere Schulleiter seien ebenso Gründer oder Vorstandsmitglieder von Parteien, Organisationen oder Vereinen. Den Vorwurf, dass Häubi mit seinem Engagement für die Privatschule Lernraum die öffentliche Schule konkurrenziere, weist Hüppi dezidiert ab. «Es gibt viele verschiedene Lernformen. Für den einen stimmt dieses, für den anderen jenes.» Roger Häubi mache aus Sicht des Gemeinderates einen sehr guten Job, sagt Hüppi. Möglicherweise könnten die beiden Schulen durch den Einsatz von Roger Häubi gar voneinander profitieren.

«Dem Image nicht zuträglich»

Kritischer sieht dies der kantonale Volksschulleiter Alexander Kummer. «Das ist nicht gerade die feine Art.» Als Arbeitgeber sei die Gemeinde Gommiswald zuständig. Das Volksschulamt habe weder Kenntnis von der Sache gehabt noch eine Handhabe, da es der Gemeinde obliege, einem Schulleiter eine solche Nebenbeschäftigung zu bewilligen oder zu verbieten. Da sich die Schule zudem auf Glarner Boden befinde, müsse das St.Galler Volksschulamt diese auch nicht bewilligen. Kummer gibt jedoch zu bedenken, dass die Tätigkeit von Häubi «nicht gerade dem Image der Volksschule in Gommiswald zuträglich» sei.

Weder die Schulpräsidentin Brigitte Signer Pfenninger, noch Roger Häubi waren am Mittwoch für eine Stellungnahme erreichbar. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.03.2018, 18:24 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben