Rapperswil-Jona

«Den Bligg-Bart gab es schon vor dem Hipster-Zeitalter»

Der Sänger Marc Sway tritt am diesjährigen Seenachtfest in Rapperswil auf. Begleitet wird er vom Rapper Bligg. Die langjährigen Freunde reden über Bärte, Höhenangst und ihr gemeinsames Lied «Us Mänsch».

Die zwei Zürcher Musiker Bligg (links) und Marc Sway sind bereits seit Jahren befreundet. Am Seenachtfest in Rapperswil-Jona werden sie zusammen auftreten.

Die zwei Zürcher Musiker Bligg (links) und Marc Sway sind bereits seit Jahren befreundet. Am Seenachtfest in Rapperswil-Jona werden sie zusammen auftreten. Bild: Moritz Hager

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Bligg, Ihr neues Album ist seit Wochen in den Top 10, Ihre neue Single «Us Mänsch» steigt in den Charts. Wie neidisch sind Sie, Marc Sway?
Marc Sway: Das ist ja eine ganz lustige Frage. Ich glaube, Neid ist eine Eigenschaft, die einen im Leben nicht weiter bringt. Das ist ein blödes Laster, welches man schnell loswerden muss. Wenn man glücklich sein will, sollte man Neid vergessen. Von dem her: Null Neid.

Sie haben ja auch Ihren Beitrag zum Erfolg von Bliggs Album geleistet.
Sway: So habe ich das noch gar nicht gesehen. (lacht) Aber man muss sich doch freuen über den Erfolg der Anderen. Ich durfte ja Teil des Albums «KombiNation» sein, was für mich eine riesige Ehre war. Jeder Schweizer Künstler, der erfolgreich ist, trägt etwas bei zu diesem grossen Kuchen «Schweizer Musik». Und je erfolgreicher wir sind, umso mehr können wir alle von diesem Kuchen essen.

Das heisst, Sie können bestätigen, dass Ihr Album bald erscheint?
Sway: Ich kann das nicht bestätigen! (lacht) Wir arbeiten auf Hochtouren an einem neuen Album. Ich will mir doch noch ein bisschen Zeit nehmen.

Bligg, Sie haben ja bekanntlich Höhenangst. Im Video zu «Us Mänsch», welches auf dem Prime Tower gedreht wurde, sieht man, dass Marc Sway hinter Ihnen platziert ist. Haben Sie das aus Sicherheitsgründen gemacht, damit Sie nicht herunterfallen?
Bligg: Wir sind als Performer ja alte Hasen im Geschäft. Auch wenn man uns auf der Bühne zuschaut, merkt man das. Wir wissen, dass man sich gegenseitig während einer Performance den Vortritt lassen muss. Wir sind ja auch seit Jahren Freunde. Solche Sachen, wie wer vor wem steht, überlegen wir uns gar nicht. Wir nehmen das sehr humorvoll und sind keine musikalischen Konkurrenten.

«Wir bringen
Menschen zusammen und stossen sie nicht auseinander.»
Bligg

Marc Sway, letzten November waren Sie in einem Migros Werbespot, in dem man Sie mit dem Rapper Stress verwechselt hat. Wie oft werden Sie im Alltag mit anderen Promis verwechselt?
Sway: (lacht) Das war ja Teil der Story, um zu zeigen, dass man sich selbst nicht so ernst nehmen soll. Ich werde ehrlich gesagt nicht so oft mit anderen verwechselt. Es gibt manchmal so ein Namenspuff mit mir. Ich wurde schon Patrick Swayze oder Sven genannt. Aber ich habe in der Schweiz keinen Doppelgänger. (Zu Bligg) Wirst du verwechselt?

Bligg: Nein, und ich glaube, das gilt für uns beide. Wir sind optisch sehr eigenständig. Am ehesten aufgrund der Hautfarbe und vor allem der Haare, werde ich mit Marc Sway verwechselt. (lacht)

Dank Ihrem Bart grenzen Sie sich ja schon stark ab.
Sway: Den gab es schon vor dem Hipster-Zeitalter!

Bligg: Bereits als 17-jähriger Bligg wusste ich, dass man mich in einem Interview fragen wird, ob ich verwechselt werde. Und weil ich das nicht wollte, habe ich mir einen Bart wachsen lassen. So, nächste Frage!(lacht)

Marc Sway, im Refrain von «Us Mänsch» singen Sie in den letzten Zeilen…
Sway: «Wivil chömer geh, wivil vertreits.»

Bligg feat. Marc Sway – Us Mänsch. Video: Bligg via Youtube

War das schon von Anfang an im Lied oder haben Sie das reingenommen, weil Bligg Sie aus den Ferien geholt hat, um am Lied zu arbeiten?
Bligg: Genau so war es! (lacht)

Wie sah Ihr Arbeitsprozess aus?
Bligg: Ich hatte den Refrain ja bereits geschrieben, bevor ich Sway dazu geholt habe. In der Demo Version sind diese Zeilen nicht drin. Wir haben schon vorher Lieder miteinander aufgenommen, aber noch nichts veröffentlicht. Damals waren wir jedoch beide im Studio. Bei «Us Mänsch» hatte Marc das Lied vorher noch nicht mal gehört. Ich sagte zu ihm: «Wenn wir das machen, muss es jetzt sein.» Es war das letzte Lied des Albums und wir hatten nur noch drei Tage bis zur Deadline übrig. Als er ins Studio kam, hat er aber auch gleich seine Meinung gesagt. Er hat meinen Produzenten und mich dazu überredet, noch mal Hand anzulegen.

Also seid Ihr noch richtig unter Zeitdruck geraten.
Sway: Am Schluss war es wirklich so, dass wir bis zur letzten Minute am Lied gefeilt haben. Wir haben wenig Zeit gehabt aber versucht, das Lied immer noch besser zu machen. Es ist immer ein wenig anders, wenn man später dazukommt und das Lied wie mit neuen Ohren hört. Ich habe sehr schnell gespürt, was für ein Potenzial drin steckte.

Bligg: Das Lied sollte ursprünglich gar keine Single sein. Dass Marc beim Song mitgemacht hat, hat das Lied überhaupt erst zur potenziellen Single gemacht. Das war eine glückliche Kombination.

Im Lied geht es genau um diese Kombination von Menschen aus verschiedenen Kulturen und Hintergründen. Das ist auch bei Ihnen zwei mit Ihren italienischen beziehungsweise brasilianischen Wurzeln gegeben. Wie haben Sie daraus Kreativität für den Song geschöpft?
Sway: Natürlich beeinflussen unsere Wurzeln unsere Musik. Wir leben in einer Welt, in der wir diverse Rollen erfüllen müssen und in jeder gut sein wollen. Als ich das Lied hörte, habe ich über dessen Aktualität gestaunt.

«Neid bringt einen im Leben nicht weiter.»Marc Sway

Bligg: Unsere Offenheit für andere Kulturen ist etwas, das uns als Menschen geprägt hat. Darauf basiert das Lied und auch unsere Freundschaft. Es inspiriert uns auch als Künstler: Wir sind beide sehr experimentierfreudig und offen gegenüber äusseren Einflüssen. Unsere Kulturen, Nationen und Religionen sind unwichtig. Bei uns muss der Vibe stimmen und die Musik, die uns verbindet. Das ist sicher auch ein Grund, wieso wir beide Musiker geworden sind. Wir bringen Menschen zusammen und stossen sie nicht auseinander.

Im gegenwärtigen politischen Klima stellt sich ja immerdie Frage: Isolieren wir uns zunehmend voneinander oder rücken wir näher zusammen? Hat diese Frage das Album beeinflusst?
Bligg: Absolut, das hat das ganze Albumkonzept beeinflusst. Daher auch der Titel «KombiNation» – man kombiniert, man kommt zusammen. Wir sind nicht für Trennungen, wir sind für das Miteinander. Das macht sich auch auf musikalischer Ebene bemerkbar. Mir war es auch wichtig, dass dies die Gäste auf meinem Album widerspiegeln. Mein Grossvater erzählt seine Geschichte, wie er aus Italien in die Schweiz gekommen ist. Damit können sich alle identifizieren, die in einem anderen Land ihre Wurzeln haben.

Sway: Es gibt ja diese DNA-Tests, mit denen Leute herausfinden können, woher sie stammen. Viele denken, sie seien zu 100 Prozent aus einer Nation und finden dann heraus, dass sie Wurzeln in der ganzen Welt haben. Am Schluss sind wir einfach «aus Mensch», was jegliche Art von Nationalismus und Fremdenhass zerstreuen sollte.

Man hörte ja auch von vielen Rechtsextremen, welche einen DNA-Test machen und herausfinden, dass sie eigentlich eine komplexe Herkunft haben.
Sway: In einem solchen Fall sieht man sogar auf dem Papier, dass Leute mit rechtsextremem Gedankengut einen Teil von sich selbst hassen. Den Rest von uns sollte so etwas aber näher zueinander bringen. Im Lied «Us Mänsch» sieht man das auch am Titel selbst.

Bligg: Auch wenn einige meinen, dass es grammatikalisch nicht korrekt ist. (lacht) Wir wollten den Menschen als ein einheitliches Material darstellen, aus dem wir alle bestehen. Es braucht schon ein gewisses Mass an Arroganz, um zu glauben, dass sich die Menschheit weiter in Gruppen aufteilen muss.

Wenn Sie die letzte Frage passend zum ersten Lied des neuen Albums mit «Ja, aber…» beantworten könntet: Marc Sway, haben Sie gerne mit Bligg gearbeitet?
Sway: Ja, aber wir sollten noch mehr Lieder zusammen veröffentlichen.

Bligg: Jetzt giesst du aber sehr viel Öl ins Feuer.

Bligg, waren Sie zufrieden mit dem Refrain, den Marc Sway gesungen hat?
Bligg: Ja, aber er sollte eigentlich noch mehr Refrains für mich singen.

Erstellt: 25.07.2018, 15:41 Uhr

Seenachtfest 2018

Am diesjährigen Seenachtfest in Rapperswil-Jona werden erneut Schweizer Musiker auf der Radio-Zürisee-Bühne auftreten. Neben Top-Acts wie Hecht, ­Baschi oder Stefanie Heinzmann wird nun auch Bligg als Special Guest von Marc Sway mit auf der Bühne stehen.

Das Seenachtfest findet vom Freitag, 10. August, bis Sonntag, 12. August, statt. Alle Konzerte sind mit dem Eintrittsticket zum Seenachtfest gratis. Informationen auf www.radio.ch und www.seenachtfest.ch. Tickets sind über www.ticketcorner.ch erhältlich. (red)

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