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Das Linthgebiet ist keine CVP-Hochburg mehr

Seit 12 Jahren zeigt sich in See-Gaster bei Kantonsratswahlen ein mit anderen Wahlkreisen vergleichbares Muster: Die früher dominante CVP fällt tief, die SVP gewinnt und ist seit 2008 die stärkste Partei am Obersee. Die FDP konnte ihren Rückgang bei den letzten Wahlen stoppen, die SP bereits ab 2012.

Die früher dominante CVP ist nun in keinem Wahlkreis mehr die wählerstärkste Partei – nicht einmal in ihrer einstigen Hochburg, dem Linthgebiet.
Die früher dominante CVP ist nun in keinem Wahlkreis mehr die wählerstärkste Partei – nicht einmal in ihrer einstigen Hochburg, dem Linthgebiet.
Symbolbild, Keystone

Bei einer Partei fällt das Linthgebiet aus der Reihe im Kanton St. Gallen: Die Grünen konnten sich am Obersee schon recht früh etablieren im Vergleich zu anderen Regionen. Ein Blick auf die vergangenen zwölf Jahren zeigt auf: Die Grünen lagen in See-Gaster bei den letzten vier Wahlen knapp unter zehn Prozent.

Die Fachstelle für Statistik stellt die jüngsten Kantonsratswahlen in einen Zusammenhang mit den früheren Wahlgängen. «Dadurch werden längerfristige Trends in der Entwicklung der Parteistärken im Kanton und in den Wahlkreisen sichtbar», schreibt die St. Galler Staatskanzlei in einer Medienmitteilung: Weitere Themen sind das Panaschierverhalten, die Wahlbeteiligung sowie das soziodemographische Profil der Kandidaten.

BDP und EVP sind draussen

Die Publikation der Fachstelle vertieft und erweitert das bestehende statistische Informationsangebot zu Wahlen und Abstimmungen. Im Zentrum des Berichts steht der Vergleich der Kantonsratswahl von 2016 mit den drei Wahlen der Jahre 2004, 2008 und 2012, also seit Bestehen der heutigen acht Wahlkreise.

Im Wahljahr 2016 habe eine Konzentration der politischen Verhältnisse im Kantonsrat stattgefunden, schreibt die Staatskanzlei: Die BDP und die EVP sind nicht mehr im Parlament vertreten. Im Falle der EVP sei dies bemerkenswert: Diese Partei war seit 1972 ununterbrochen im Parlament vertreten und hatte auch dessen Verkleinerung im Jahr 2008 überstanden.

Bei den grossen Parteien erreichte die SVP wieder ihre Wählerstärke von 2008. FDP und CVP haben sich bei rund zwanzig Prozent angeglichen. Die SP bleibt unangefochten die vierte Kraft im Kanton St. Gallen. «In den einzelnen Wahlkreisen widerspiegelt sich das Gesamtbild, allerdings mit unterschiedlichen Akzenten», führt die Staatskanzlei aus: Die früher dominante CVP ist nun in keinem Wahlkreis mehr die wählerstärkste Partei.

Panaschierverhalten im Fokus

Neu wurde untersucht, wie hoch der Anteil Stimmen in jedem Wahlkreis war, der an Listen ging, die keinen Sitz gewonnen haben. Der Anteil dieser «verlorenen» Stimmen ist von zwei Prozent im Jahr 2004 auf über sechs Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Mehr als zehn Prozent verlorener Stimmen gab es 2012 im Toggenburg und 2016 im Werdenberg.

Anders liegt der Fall im Sarganserland, wo jeweils alle angetretenen Listen Sitze gewonnen haben. Hier haben sich mehrmals Parteien, die sich alleine keine Chance auf einen Sitzgewinn ausrechneten, zu sogenannten «Mischlisten» zusammengeschlossen.

Die Wähler des Kantons St.Gallen würden rege vom Recht Gebrauch machen, Kandidaten anderer Parteien auf die Wahlzettel ihrer bevorzugten Partei zu schreiben, konstatiert die Staatskanzlei: Das Panaschierverhalten der Parteien wurde herangezogen, um die gegenseitige Affinität der Parteien im Zeitverlauf zu untersuchen. Diese Affinität gilt als besonders hoch, je grösser der Anteil der Panaschierstimmen für die jeweils andere Partei ist.

Grosse Wahlbeteiligung 2016

Generell lasse sich beobachten, dass das Panaschierverhalten der Wähler von FDP, CVP und SVP auf eine hohe Affinität füreinander hinweist. Ebenfalls gross ist die gegenseitige Präferenz bei SP und Grünen, sowie – in abnehmendem Mass – bei SP und CVP. Auffällig ist die grosse Stabilität der Panaschierpräferenzen von 2004 bis 2016. Eine Ausnahme davon bilden die Grünliberalen.

Die Wahlbeteiligung ist im Kanton St.Gallen in den Kantonsratswahlen 2004 bis 2012 nur leicht angestiegen, von 34,5 auf 37,6 Prozent. Im letzten Jahr gab es einen Sprung auf über 45 Prozent, was auf den mobilisierenden Effekt der gleichzeitig zur Abstimmung unterbreiteten «Durchsetzungsinitiative» zurückzuführen sein dürfte.

Nicht verändert hat sich aber die Tatsache, dass bei allen Wahlgängen das Toggenburg die höchste Beteiligung aller Kreise aufweist. «Unverändert nahmen Wähler in kleineren Gemeinden häufiger an Wahlen teil als solche aus Gemeinden mit mehr Einwohnern», stellt die Staatskanzlei fest: In allen Wahlgängen seit 2000 hätten diejenigen Kandidaten die grösste Chance gewählt zu werden, die in der vorhergehenden Periode bereits einen Sitz im Parlament innehatten.

Viel mehr Männer als Frauen

Ebenfalls erhöhte Chancen hatten männliche und ältere Kandidaten sowie solche aus Gemeinden bis 10 000 Einwohnern. Für Personen unter dreissig Jahren sei es nach wie vor schwierig, in den Kantonsrat gewählt zu werden, schreibt die Staatskanzlei.

Gemessen an ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung waren Männer im Jahr 2016 weitaus häufiger auf Wahllisten anzutreffen als Frauen. Das Gleiche gilt auch für Personen zwischen 18 und 59 Jahren: Klar untervertreten waren demgegenüber die Älteren.

Die Publikation «Kantonale Wahlen im Kanton St. Gallen»erscheint als Nummer 58 in der Reihe «Statistik aktuell».

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