Ufenau

Das Haus, das nie war

Das Kloster Einsiedeln wollte auf der Insel der Stille einen Neubau von Peter Zumthor realisieren. Das Bundesgericht brachte das Projekt aber nach jahrelangem Streit zu Fall.

Das geplante Sommerrestaurant von Peter Zumthor, mit dem markanten Segeldach.

Das geplante Sommerrestaurant von Peter Zumthor, mit dem markanten Segeldach. Bild: zvg/Visualisierung

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Eigentlich hätte Gasthaus zu den zwei Raben nach der Auffrischungskur der Insel Ufenau nur noch die zweite Geige spielen sollen. Der renommierte Architekt Peter Zumthor hatte Anfang der Nullerjahre einen ambitionierten Neubau für ein Sommerrestaurant entworfen. Blickfang wäre das 43 Meter lange und 16 Meter breite segelförmige Dach des Sommerrestaurants gewesen. Bis zu 250 Gäste hätten darunter Platz gefunden. Für das barocke Gasthaus war eine Restaurierung, für den Anbau ein Abbruch geplant.

Doch verschiedene Organisationen bemängelten das Fehlen eines Gutachtens der Eidgenössischen Kommission für Natur- und Heimatschutz (ENHK) und reichten Einsprache gegen das Projekt ein.

Das Gutachten der ENHK kam zum Schluss, dass ein Neubau aufgrund der strengen Bestimmungen des Moorlandschaftsschutzes nicht wünschenwert sei. Daher entschied das Kloster Einsiedeln, Besitzer der Insel, das Zumthor Projekt ein einer verkleinerten Version voranzutreiben.

Einige Verbände konnten sich aber immer noch nicht mit dem Projekt anfreunden und bekämpften es bis vor das Bundesgericht. Das höchste Gericht entschied 2011 schliesslich, dass ein Neubau nicht zulässig sei. In geschützten Moorlandschaften sei einzig der Unterhalt und die Erneuerung bestehender Gebäude erlaubt. Auch der geplante Abbruch des hölzernen Anbaus wurde als erhebliche Beeinträchtigung des Ortsbildes gewertet. Dieser Entscheid bedeutete das Ende für das Zumthor Projekt.

Der Vergleich kommt immer

Doch der Geist des Zumthor Projekts hing über dem neuen Restaurierungsprojekt. Es seien häufig Vergleiche angestellt worden, erzählt der Rapperswiler Architekt Frank Roskothen, der die Restaurierung leitete. «Aber mich hat das nicht gestört», meint er. Er habe immer klar gesagt, dass er einen komplett anderen Zugang habe. Doch Zumthors Projekt habe ihm auch gefallen.

Wie genau die Öffentlichkeit beim Thema Ufenau hinschaut, hat Roskothen auch erlebt. Zwar gingen gegen sein Projekt keine Einsprachen ein. Dafür wurde der Architekt häufig persönlich mit Fragen konfrontiert. Obwohl während 18 Monaten keine Kursschiffe an der Ufenau anlegten, setzten immer noch Privatboote über. Die Begegnungen mit den Ausflüglern seien aber immer von Respekt geprägt gewesen. «Das liegt wohl auch an der speziellen Atmosphäre auf der Insel.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.03.2018, 14:33 Uhr

Serie

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