Rapperswil-Jona

Das Gold des Nordens

Bernstein ist in Polen ein Nationalgut. Den Grund dafür zeigt derzeit eine Ausstellung im Polenmuseum Rapperswil.

Am Samstag wurde die Ausstellung mit einer Vernissage eröffnet.

Am Samstag wurde die Ausstellung mit einer Vernissage eröffnet. Bild: Manuela Matt

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Gegen Würmer, Zahnschmerzen und Asthma soll es helfen. Fieber bekämpfen und die Gelbsucht aus dem Körper treiben. Das Wundermittel mit all diesen Eigenschaften stammt nicht aus einem modernen Labor, nein, es wurde vor Millionen von Jahren durch die Natur geschaffen: Bernstein. Dies lässt sich in der aktuellen Sonderausstellung im Rapperswiler Polenmuseum erfahren. Am Samstag wurde sie im Beisein zahlreicher Interessierter von Museumsdirektorin Anna Buchmann eröffnet.

Die Heilkraft, die dem Bernstein zugeschrieben wurde und noch immer wird, ist nur ein Aspekt, dem sich die Ausstellung widmet. Kuratorin Maria Cajochen hat die Räumlichkeiten im Schloss Rapperswil so eingerichtet, dass der Betrachter auf seinem Rundgang dem Material in den verschiedensten Facetten begegnet.

Begonnen bei der Frage, was es genau ist: Es ist das Harz der Bäume, die vor etwa 40 bis 310 Millionen Jahren in die tiefen Sedimentschichten der Ostsee und anderer Meere abgesunken sind. «Viele Menschen glauben, es handle sich um einen Stein», sagte Cajochen. Dabei meinte sie vor allem die hierzulande lebenden Menschen, denn in ihrer Heimat Polen sei Bernstein quasi ein Nationalgut und desgleichen das Wissen über seine Entstehung und Geschichte.

Hielt die Pest fern

Über die Gewinnung, Verwendung und Bedeutung des Bernsteins in den verschiedensten Zeitepochen klären weitere Informationstafeln auf. Schriftlich überliefert sei die positive Wirkung bei Pest: «Man weiss, dass in Danziger Familien von Bernsteinsammlern die Krankheit nicht aufgetreten ist», erklärte die Kuratorin. Dies habe wohl an der desinfizierenden Wirkung des Bernsteins gelegen – und dazu geführt, dass er zeitweise nur Spitälern und Apotheken vorbehalten war. Illegaler Besitz wurde zeitweilig mit dem Galgen bestraft.

Bei den Römern wiederum war er als luxuriöses Schmuckstück, glücksbringendes Amulett oder als Räuchermischung begehrt. Gladiatorennetze wurden mit ihm verziert, sodass sie im Licht der Sonne prunkvoll glitzerten. Nicht zuletzt deshalb, weil der Bernstein als so kostbar galt, trägt er den Beinamen «Gold des Nordens».

Natürlich bekommt der Betrachter an der Ausstellung auch zahlreiche grössere und kleinere Exemplare des Harzes zu sehen. In den unterschiedlichsten Farben und versehen mit spektakulären Einschlüssen, derentwegen Bernstein vor allem für den Naturwissenschaftler ein faszinierendes Fenster zur Vergangenheit darstellt. Das machte an der Vernissage Thomas Bolliger mit einem Referat deutlich. Der Vizedirektor und Kurator des Sauriermuseums in Aathal hat dem Polenmuseum viele der gezeigten Exponate als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Nicht nur gelb-braun

Blüten, Blätter, Spinnen, Ameisen - Letztere mitunter dutzendweise - sind in grauer Vorzeit am Harz kleben geblieben und wurden so bis zum heutigen Tag konserviert. «Man hat durch die Einschlüsse herausgefunden, dass vor etwa 50 Millionen Jahren an der baltischen Küste eine Zypressenart existierte», erläuterte Bolliger. Diese Baumart sei für den typischen Bernstein dieser Region verantwortlich. Er führte zudem aus, dass Bernstein nicht immer die transparente, gelb-braune Farbe aufweist. Der Knochenbernstein, so benannt, weil er weiss und undurchsichtig wie ein Knochen ist, ist denn auch jene Art, der die heilende Wirkung vor allem zugeschrieben worden ist.

Die Ausstellung präsentiert des Weiteren in den Turmräumlichkeiten moderne Verarbeitungen mit Bernstein. Die Objekte aus polnischen Ateliers sind kunstvolle Schmuckstücke, die den Bernstein aus für hiesige Augen ungewohnter Perspektive zeigen. Kuratorin Maria Cajochen hat diese Abteilung bewusst als Ergänzung zu den historischen Themen gestaltet. ()

Erstellt: 07.05.2017, 15:05 Uhr

«Bernstein – Gold des Nordens»

Die Sonderausstellung «Bernstein – Gold des Nordens» im Polenmusem im Schloss Rapperswil dauert noch bis zum 31. Oktober. Es hat ein Rahmenprogramm mit Führungen und Bastel-Workshops für Kinder und Erwachsene. Mehr Informationen unter: www.muzeum-polskie.org.

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