Rapperswil-Jona

Das Ende einer langen Hotel-Ära

Ende Jahr schliesst mit dem Hirschen das älteste Hotel der Stadt. Die Besitzerfamilie erklärt die Gründe für die Schliessung und schaut ein letztes Mal zurück auf die bewegte Geschichte der historischen Herberge.

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Ursprünglich stand das Hotel Hirschen mal am See. Wo heute der Fischmarktplatz ist, war früher nämlich Wasser. So konnten die Schiffe im 16. Jahrhundert vom Zürichsee über den damaligen inneren Hafen bis vor das Hotel fahren, bei hohem Seespiegel sogar bis in die Arkaden der Herberge. Heute, rund 500 Jahre später, ist das Wasser dem Land gewichen. Der altehrwürdige Bau aber steht noch immer. Jahrhunderte lang bot er als Hotel seinen Gästen Unterkunft, sah viele Besitzer kommen und gehen und wechselte dabei immer mal wieder seinen Namen. Nun endet seine lange Geschichte – zumindest als Hotel. Ende Woche schliesst die Besitzerfamilie Schnyder den Betrieb. Sie baut ab Januar sechs Mietwohnungen mit je zweieinhalb Zimmern in das Innere der historischen Gemäuer.

Dass der Hotelbetrieb nun eingestellt wird, ist wohl auf verschiedene Gründe zurückzuführen. Die Zeiten für Hoteliere seien nicht einfacher geworden. «Der Konkurrenzdruck nimmt zu, die Preise sinken – auch wegen Webseiten wie Booking.com oder Airbnb», erklärt Besitzer Andreas Schnyder. Die Hotelneubauten boomen, in Zürich und der Umgebung. Grosse Hotelneubauten seien auch in Rapperswil-Jona ein Thema.

Eine Nachfolgesache

Wieso das ein Grund ist, gleich ganz mit der Hotellerie aufzuhören? Die Erklärung liegt in der Nachfolgefrage. Andreas Schnyder ist inzwischen 59 Jahre alt. Seine Pension rückt langsam aber sicher näher, die Kinder wollen das Hotel nicht übernehmen. Eine Verpachtung kommt für ihn aber nicht in Frage. Er ist der Meinung, dass ein Pächter einer Liegenschaft weniger Sorge tragen würde, als der Eigentümer. «Für mich liegt deshalb der optimale Nutzen der Liegenschaft im Zentrum», sagt der Hotelchef. Finanzielle Gründe hätten dabei zumindest aktuell keine Rolle gespielt. «Wir hatten immer schwarze Zahlen.» Auch wenn man ihm anfangs gesagt habe, das Hotels mit weniger als 30 Zimmern gar nicht rentieren könnten.

Frühstück im McDonalds

Der Hirschen scheinbar schon. Sein Kernbau stammt laut Hotelchronik aus dem 13. Jahrhundert und war einer der letzten Wohntürme des Mittelalters. 1511 wurde das Hotel erweitert, die Fassade Richtung See um 1871 so gestaltet, wie sie sich heute noch präsentiert. 1993 wurde das Dach renoviert, 1995 dann der Hirschen vollständig restauriert und im Jahr 2000 von der Familie Schnyder übernommen.

17 Jahre lang hat Andreas Schnyder zusammen mit seiner Frau den Hirschen geführt. Zuerst mit 14 Zimmern. Frühstücken mussten die Gäste damals noch im McDonalds, der im Parterre des Altbaus eingemietet ist. Vor zehn Jahren hat man dann eines der Zimmer in einen Frühstücksraum umgebaut. «Die beste Entscheidung, die wir je gefällt haben», meint der Hotelier dazu. Blickt man in die über vier Stockwerke verteilten, sehr unterschiedlichen Zimmer, kann man noch nicht wirklich realisieren, dass in ein paar Tagen bereits Schluss sein soll. Noch immer sind die Betten bezogen, die Bäder frisch hergerichtet, die Handtücher mit den aufgestickten Hirschköpfen sorgfältig daneben platziert.

Oft Pionier, selten Pannen

Seit der Übernahme durch die Familie Schnyder konnte sich der Hirschen immer wieder als technischer Vorreiter auszeichnen. «Wir gehörten zu den ersten in der Cloud, waren wohl die ersten auf der Webseite des Buchungsanbieters booking.com und die ersten der Stadt, die ihre Zimmer mit Flachbildschirmen ausrüsteten», hebt Andreas Schnyder hervor.

Froh ist er vor allem, «dass wir all die Jahre mehr oder weniger pannenfrei überstanden haben». Klar habe es den einen oder anderen Zwischenfall gegeben: Ein steckengebliebener Lift, verspätetes Frühstück und auch einige Zechpreller. Sentimental wird Andreas Schnyder beim Erzählen aber nicht. «Das fährt wahrscheinlich nochmals ein, wenn ich dann durch die leeren Hallen gehe und sehe, wie die Wände eingerissen werden.» Am schwierigsten sei aber gewesen, die Stammgäste über das Ende zu informieren. «In einem kleinen Hotel ist man sehr nahe am Gast.» Da entstehe über die Jahre doch eine gewisse Beziehung.

Sechs Unikate

Ende September 2018 sollen die sechs neuen 2.5-Zimmer-Wohnungen einzugsbereit sein. Einzelne Elemente aus der Zeit des Hotelbetriebs wie die 500-jährigen Balken des gotischen Dachstuhls sollen erhalten bleiben und die einzelnen Wohnungen so zu echten Unikaten machen. Gedacht ist, die Wohnungen langfristig zu vermieten. «Wir können uns aber je nach Nachfrage auch möblierte Serviced Apartments vorstellen», lässt Andreas Schnyder offen. Erst einmal gilt es jetzt aber, Abschied vom Hotelbetrieb zu nehmen. Damit beginnt die Familie nun Schritt für Schritt. Ein Teil des Hotelinventars wird diese Woche im Ausverkauf angeboten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.12.2017, 16:21 Uhr

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