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Das Amar Quartett zeigt Spielfreude und Vitalität

Von Beethoven über Schubert zu Dvoraks, das Amar Quartett vermochte mit seinem vielfältigen Programm einmal mehr zu überzeugen. Das begeisterte Publikum konnte sich gar eine Zugabe erklatschen.

Die Geigerinnen des Amar Quartetts Anna Brunner (links) und Annina Wöhrle.
Die Geigerinnen des Amar Quartetts Anna Brunner (links) und Annina Wöhrle.
Tobias Humm

Nach einem Unterbruch gastierte der Musiksommer am Zürichsee mit seinem umtriebigen Impressario Giovanni Bria wieder in der Kirche Schmerikon. Der Publikumsaufmarsch zeigt, dass ein Bedürfnis nach hochstehenden Konzerten besteht. Eins von Beethovens frühen Streichquartetten und Franz Schuberts reifes Werk kamen zur Aufführung. Dazwischen schob das Amar Quartett Antonin Dvoraks Fragment Opus 120 ein. Cantabile, also sängerisch, stand eigentlich über dem zweiten Satz von Beethovens Streichquartett Opus 18 Nr. 2. Doch das Amar Quartett, bestehend aus den beiden Geigerinnen Anna Brunner und Annina Wöhrle, dem Bratschisten Marko Milenkovic und dem Cellisten Ofer Canetti, spielten von Anfang an mit einem anschmiegsamen Klang, den man durchaus als cantabile bezeichnen könnte.

Das Adagio fängt mit einem einsamen Ton der ersten Geige an, gleich setzen die anderen Instrumente ein, schwelgerisch lädt der Satz zum Träumen ein, man begegnet dabei einem heiteren Beethoven, er ist noch relativ jung, und mit 27 Jahren noch bei Joseph Haydn in Ausbildung. Diese heiteren Stimmungen findet man bei ihm immer wieder, auch wenn gerade seine Kammermusik eher für schwere Zugänglichkeit bekannt ist. Hier zeigt er sich ganz als Haydns Schüler: jugendlich, frisch und hoffnungsvoll. Dabei kommen die musikalischen Qualitäten des Amar Quartetts zum Tragen: Spielfreude, Vitalität und eine intensive Kommunikation unter den Musizierenden zeichnen ihren Vortrag aus. Ausserdem weisen sie gerade mit ihrer Mimik oft auch auf das drollige mancher Passagen hin.

Schwebende Akkorde

Antonin Dvoraks Fragment Opus 120 geht andere Wege. Hier spürt man die aufkommende Moderne, gemischt mit Sehnsuchtsklängen, die den Balkan anklingen lassen, doch das Werk, das auf einen Auftrag zurückgeht, blieb unvollendet. Schade, denn man hätte gerne mehr davon gehört, aber wenigstens wurde es nicht vernichtet und hat als Fragment überlebt. Nach der Pause stand Franz Schuberts spätes Streichquartett Deutschverzeichnis 804 auf dem Programm. Schubert war bei der Komposition nur zwei Jahre älter als Beethoven bei dem Werk, das von ihm zur Aufführung kam. Doch bei Schubert scheint sich der Lebenskreis eben schon mit 27 Jahren zu schliessen.

Schubert fängt mit schwebenden Akkorden an, lässt lautmalerisch den Blick in die Runde schweifen, sängerisch, schwelgerisch und vielleicht an dem Abend in einem etwas gar langsamen Tempo gespielt, entwickelt es mit zunehmendem Fortschreiten Kraft und Charakter. Man spürt, hier kündigt sich die Romantik an. Dur und Moll scheinen einen Kampf auszufechten, Liedhaftes und streng ornamentale Elemente sind im Widerstreit. Dem Menuett als drittem Satz verweigert Schubert das Tänzerische, das eigentlich im Titel vorgegeben wäre. Ein Frage- und Antwortspiel ist es zwischen Violinen und Viola, dem Cello bleibt die Rolle des Basso Continuo.

Das Publikum, das den Kirchenraum nicht ganz zu füllen vermochte, aber doch zahlreich genug erschien um den Aufwand zu rechtfertigen, zeigte sich begeistert und erklatschte sich eine Zugabe. Hier zeigte das Amar Quartett auf mitreissende Art, dass es nicht nur in der Klassik zu Hause ist, sondern auch mit der Moderne auf Du und Du steht.

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