Benken

Dank Maria die Pest und das Linthfieber bezwungen – und die Türken besiegt

2019 geht in Maria Bildstein ein grosses Fest über die Bühne: Der Wallfahrtsort feiert sein 500-Jahr- Jubiläum. Ein Augenschein vor Ort zeigt auf, wie seit einem halben Jahrhundert die Mutter Gottes verehrt wird und die Mariastatue auf dem Büchel landete, um sie vor reformierten Bilderstürmern zu retten.

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Eine Töffcrew fährt mit brummenden Maschinen auf dem Parkplatz von Maria Bildstein ein. Ob die Motorradfahrer um den Beistand der heiligen Maria bitten, um sicher über die Strassen am Obersee zu kommen? Eine tamilische Familie nimmt derweil zielbewusst den Weg in die Krypta unter die Füsse – ein krankes Kind im Schlepptau, für das sie den Segen des Himmels erbitten.

Auch in der heutigen Zeit steht in den Fürbitten, welche die Besucher des Wallfahrtsorts in ein Buch schreiben, die Gesundheit im Zentrum. Allerdings hat sich die Bandbreite wesentlich erweitert: Wenn es im auslaufenden Mittelalter noch um die Pest und Malaria ging, so bitten heutzutage Kinder und Jugendliche um Erfolg an Prüfungen in der Schule, Frauen um den Segen für ihre Familien und Männer um den Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Vor der Zerstörung gerettet

Aus Sicht des Wallfahrtspriesters Pater Adelrich Staub verwundert der breite Katalog bei den Fürbitten nicht: Maria eigne sich durch ihre aussergewöhnliche Aufgabe als Mutter Gottes in besonderem Masse für die verschiedensten Anliegen. Allerdings war den reformierten Bilderstürmern im 16. Jahrhundert die Anbetung der Maria ein Dorn im Auge, den sie mit Stumpf und Stiel ausreissen wollten.

So mag es sich durchaus so zugetragen haben, wie die Legende erzählt, dass Jan Jud, der Meisterknecht im Damenstift Schänis, die ursprüngliche Marienstatue vor der Zerstörungswut der Reformatoren im dichten Wald auf dem Benkner Büchel in Sicherheit brachte. Es ist in diesem Sinne eine Ironie der Geschichte, dass sowohl die Reformation wie auch Maria Bildstein ihr 500-Jahr-Jubiläum gewissermassen gemeinsam feiern.

Ein handfester Altarstreit

Dass die Marienverehrung an sich ein Stein des Anstosses sein kann, hat sie dem Umstand zu verdanken, dass sie just bei rechtskatholischen Traditionalisten hoch im Kurs steht. In der Tat hat der Stiftungsrat von Maria Bildstein sein blaues Wunder erlebt, als er im Jahr 2013 den Umbau des Chorraums der Wallfahrtskirche in Angriff nehmen wollte und ein handfester Altarstreit entbrannte: Gläubige aus dem Umfeld der katholischen Laienorganisation «Pro Ecclesia» haben die «IG Maria Bildstein» gegründet und 700 Unterschriften gegen den geplanten Altarumbau in der Kirche gesammelt.

«Dass Maria Bildstein zum Kraftort wurde, hat mit dem Glauben zu tun. Wenn viele Menschen glauben, erzeugt das ein Feld, das spürbar wird.»Pater Adelrich Staub, Wallfahrtspriester Maria Bildstein

«Geplant war eine Anpassung des Raumes an die moderne Liturgie», sagt Pater Adelrich: «Der Altar wurde nach vorn verschoben, der Tabernakel an die Wand gerückt. Es gab Stimmen, die das nicht wollten.» Der Missionsbenediktiner der Uzner Abtei St. Otmarsberg sagt, es gebe ein breites Spektrum von Gläubigen in Maria Bildstein. Die Zeiten, als die Priester mit dem Rücken zu den Gläubigen die lateinische Messe feierten, seien längstens vorbei. Unterdessen würde manche von denen, die sich gegen einen Altarumbau wehrten, auch wieder an den Wallfahrtsort kommen.

Esoteriker in Engelmanier

Bemerkenswert ist, dass auch esoterisch angehauchte Zeitgenossen den Weg auf den Benkner Büchel finden – Maria Bildstein gilt denn als ausgewiesener Kraftort im Linthgebiet. Pater Adelrich macht – halb belustigt, halb verärgert – während des Rundgangs auf dem Kreuzweg auf kleine Engel aufmerksam, die Besucher zu den Heiligenfiguren und unter das Kreuz von Jesus Christus gestellt haben: «Engel sind in der biblischen Geschichte kräftige Gestalten. Diese Englein da passen nicht wirklich hierher.»

Ob der Ort über eine Strahlung mit viel Bovis-Einheiten verfügt, mit der die Stärke einer feinstofflichen Energie angegeben werden, kann der 74-jährige Missionsbenediktiner nicht beurteilen: «Der Ort an sich, dieser wundersame Wald, hat viel Ausstrahlung. Dass er zum Kraftort wurde, hat mit dem Glauben und mit dem Vertrauen zu Maria zu tun. Wenn viele Menschen glauben, erzeugt das eine Art Feld, das sicherlich spürbar wird.»

Allerdings geht es beim Benkner Wallfahrtsort nicht nur um die Mutter Gottes, sondern auch um ihren Sohn: Dominik Heidolf von Maseltrangen zog um 1740 mit einer Statuette des leidenden Heilands an der Geisselsäule von Haus zu Haus, manche beteten vor diesem auf dem Knien. Maria Anna Fäh, eine Jungfrau aus Benken, erwarb die barocke Holzstatuette und stellte sie in den Bildstock auf dem Buchberg. Die Figur Christi an der Geisselsäule steht noch heute im Seitenschiff der Kirche.

Ein Ort der Menschen anzieht

Neben dem Kreuzweg gibt es auf dem Benkner Büchel einen aussergewöhnlichen Grottenweg – der einzige in seiner Art in der Schweiz: Die elf Grotten sind originell, mit einem umfangreichem plastischem Figurenprogramm und mit Glasmalereien ausgestattet. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Christi oder sind Heiligen geweiht. Die Maria-Lourdes-Grotte ist bei Wallfahrern besonders beliebt. Bemerkenswert ist die kleine Meinradskapelle, die vollständig aus Holz erbaut und in die Bäume des Waldes integriert wurde. Neben dem Priesterhaus steht zudem ein Magdalenen-Bildstock. Die Ausgestaltung des Wallfahrtsortes gilt aus kunstgeschichtlicher und landschaftsarchitektonischer Sicht als Unikum im gesamten nördlichen Alpenraum. Dies mag seinen Teil dazu beigetragen haben, dass Maria Bildstein ein überregional bekannter und beliebter Wallfahrtsort geworden ist.

Verdunstet der christliche Glauben auch allerorten in der heutigen Zeit zusehends, scheint auf dem Benkner Büchel die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Gottesdienste seien sonntags überaus gut besucht, berichtet Pater Adelrich. Das ist für den Wallfahrtsort auch existenziell: Er ist auf Spenden angewiesen. Die Trägerschaft von Maria Bildstein ist eine Stiftung, Steuermittel stehen keine zur Verfügung. Ob es diesen Ort auch noch in 500 Jahren, anno 2517, geben wird? Darüber weiss der Benediktinerpater keine Antwort: Denn schliesslich sind Gottes Wege unergründlich. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.12.2017, 15:13 Uhr

Die Mutter Gottes als Siegerin über den Islam

Maria wurde im Laufe der Geschichte als Gottesgebärerin, allerseeligste Jungfrau, demütige Magd, als Schmerzensmutter, Himmelskönigin und Patronin unzähliger Städte verehrt. Und seit dem Spätmittelalter als siegreiche Heerführein – so auch in Benken: Maria Bildstein wurde im Jahr 1848 mit der ersten steinernen Kapelle unter der Bezeichnung «Unserer Lieben Frau vom Siege» zum Wallfahrtsort ausgebaut. In Benken zu finden ist ein Gemälde der Seeschlacht von Lepanto, das Eugen Zardetti im Jahr 1884 schuf.

1571 besiegte die Flotte der Heiligen Liga überraschend im Golf von Korinth die Osmanen. Die Soldaten Christi töteten Tausende Türken und steckten den Kopf von Admiral Ali Pascha auf eine Lanze. Überzeugt, dass Maria der christlichen Flotte zum Sieg verholfen hatte, verordnete Papst Pius V. ein Dankfest zu Ehren der Mutter Gottes. Er sah in der Schlacht einen heiligen Krieg.
Seither prägte Maria als Siegerin in Schlachten und als Patronin gegen Türken und Sarazen die religiös geprägte Politik des 16. und 17. Jahrhunderts. So ist die Mutter Gottes auch auf dem Gemälde in Benken, das sich im Bilderhort befindet, als tapfere Kämpferin und Schlachtenhelferin zu sehen.(ml)

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