Schmerikon

Im Aabach wird für den Hochwasserschutz gebaggert

Zurzeit wird beim Schmerkner Aabach die Mündung ausgehoben. Damit soll die Verlandung des Sees aufgehalten, und der Hochwasserschutz garantiert werden. Die Nutzungs-konflikte im Gebiet bleiben aber bestehen.

Projektleiter Martin Schibli (links) und Gemeindepräsident Félix Brunschwiler kennen sich im Delta aus.

Projektleiter Martin Schibli (links) und Gemeindepräsident Félix Brunschwiler kennen sich im Delta aus. Bild: Manuela Merk

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Beim sonst so ruhigen Aabach in Schmerikon geht es momentan laut zu und her. Lastwagen und Bagger rumpeln über die Kiesinseln und durch die Bachmündung. Ein Gespräch bei normaler Lautstärke zu führen, ist zeitweise unmöglich. Grund für den Lärm sind die Arbeiten am Delta. Seit Anfang Woche wird dort mit schweren Maschinen Kies und Sand vom Seeboden gehoben.

Das schöne Delta ist nämlich allem Anschein zum Trotz kein naturbelassenes Gebiet. Etwa alle sieben Jahre muss das Geröll, dass der Aabach vor sich herschiebt und im See deponiert, abgetragen werden. Ansonsten breitet sich das Delta immer weiter aus und der See wird langsam aber sicher zu Festland. Der «Pfropf» könnte langfristig auch dem Hochwasserschutz gefährlich werden, weil er das Wasser in den Bach zurückstaut. Daher werden bis Ende Monat zwischen acht und neuntausend Kubikmeter Material gehoben, wie Projektleiter Martin Schibli erklärt.

Die Insel aufschütten

Der erste Teil des Aushubs wird in einer Art Wall nahe der Mündung nach Kies und Sand getrennt. Somit ist der erste Schritt für die Weiterverarbeitung bereits getan. Doch nicht das gesamte Material verlässt den See: Ein Teil des Kieses wird verwendet, um die nördliche Kiesinsel wieder aufzuschütten. Der hohe Wellengang an dieser Stelle trägt nämlich über die Jahre hinweg die künstliche Insel Stück für Stück ab.

Ein Teil des Schlicks wird in der Nähe der Südinsel aufgeschüttet, um ein seichtes Gebiet zu schaffen, erzählt Schibli. Damit wird eine Nahrungsgrundlage für die sogenannten Schrittvögel geschaffen, die mit ihren langen Schnäbeln im Schlick nach Nahrung picken. Erst wenn diese Arbeit getan ist, wird der Grossteil der Mündung ausgebaggert.

Die Arbeiten sind nicht ganz ungefährlich, sagt Schibli. Der Grund sei schwierig einzuschätzen. Das sei einem der Lastwagenfahrer beinahe zum Verhängnis geworden: Er habe plötzlich gemerkt, wie sein Lastwagen im Schlick eingesunken sein. Zum Glück habe er noch rechtzeitig Gegensteuer geben können.

«Es ist eine Sisyphusarbeit.»Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident

«Es ist eine Sisyphusarbeit», meint Gemeindepräsident Félix Brunschweiler (parteilos). Die Arbeiten müssen alle sieben Jahre stattfinden. Doch was nun gehoben werde, sei nur ein kleiner Teil des Materials, dass sich über die Jahre angesammelt habe. Der See wird an der Mündung des Aabachs also immer seichter. «Die grosse Angst der Schmerkner ist, dass die Gemeinde irgendwann nicht mehr am See liegt», weiss Brunschwiler. Auch er denkt, dass dies unausweichlich ist. Schliesslich sei auch der Tuggenersee, der sich einst zwischen Benken und Tuggen erstreckte, im Mittelalter verlandet.

Doch das gesamte Gebiet auszuheben kommt nicht in Frage, das wäre zu teuer und zu aufwendig. Zudem hätten die Naturschutzorganisationen wohl Einwände dagegen. Mit den periodischen Arbeiten können sie sich gemäss Brunschwiler gerade noch anfreunden. Immerhin werden die Arbeiten so gelegt, dass die Störung für die Tiere im Delta möglichst klein ist.

Ein Spannungsfeld

Gefallen dürfte den Naturschutzorganisationen auch die Pläne, das Naturschutzgebiet auszuweiten. Die Südinsel wächst nämlich aufgrund der Verlandung an, sodass nicht mehr alle Teile unter Schutz stehen. Das soll sich mit der neuen Naturschutzverordnung der Gemeinde ändern. Diese liegt zurzeit beim Kanton, nachdem sie aufgrund von Einsprachen überarbeitet worden ist. Im Herbst soll sie dann öffentlich aufgelegt werden.

Der Nutzungskonflikt gärt aber weiter: Die Naturschutzorganisationen hätten bereits angekündigt, dass sie nochmals über die Baggerarbeiten diskutieren möchten, informiert Brunschwiler. Das geplante Hundeverbot, das zum Naturschutz hätte beitragen sollen, wurde vom Kanton in einen Leinenzwang umgewandelt. Die Ausflügler zieht es immer wieder auch auf die geschützte südliche Seite der Mündung. Die Gemeinde plant, künftig einen Rangerdienst einzusetzen, um die Leute auf die Regeln hinzuweisen. «Es ist eine extrem verknorzte Situation» seufzt der Gemeindepräsident. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.09.2018, 16:59 Uhr

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