Rapperswil-Jona

Clever einkaufen für Mutter Erde

An der«Clever»-Ausstellung auf dem Schulareal Hanfländer können Schüler interaktiv das eigene Kaufverhalten testen. Dabei erfahren sie unter anderem, dass auch Bioprodukte für die Umwelt belastend sind.

Jedes Produkt hat eine Geschichte: In der Wanderausstellung «Clever» lernen Schülerinnen und Schüler diese kennen.

Jedes Produkt hat eine Geschichte: In der Wanderausstellung «Clever» lernen Schülerinnen und Schüler diese kennen. Bild: Manuela Matt

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«Wie viele Erden würden wir brauchen, wenn alle Menschen wie wir in der Schweiz leben würden?» Die 18 Schüler von Stefan Peter werfen sich verlegene Blicke zu. Sie haben sich auf dem Areal des Schulhauses Hanfländer versammelt und hören gespannt zu. «Drei Erden würde es brauchen», erklärt Rahel Thommen, Betreuerin der Wanderausstellung «Clever». Ein Raunen geht durch die Klasse. Auf die Tatsache, dass für ein Kilogramm Bananen 900 Liter Wasser verwendet werden, rea­gie­ren die Jugend­lichen gleichermassen mit Erstaunen. Solche Eindrücke prägen den Donnerstagmorgen in dem kleinen Ausstellungscontainer.

Die Einrichtung der «Clever»- Aus­stellung erinnert an einen kleinen Laden: Chiquita-Bananen, Barilla-Pasta und Nu­tella zieren die Regale der Ausstellungsfläche. In Dreiergruppen müssen die Schüler für verschiedene Anlässe einkaufen. Das Bud­get ist vorgegeben, die Auswahl der Produkte ist dabei den Schülern selbst überlassen. Zum Schluss können sie an der Kasse die ausgewählten Waren scannen und erhalten neben dem Gesamtpreis auch eine Bewertung über die Nachhaltigkeit.

Diese erfolgt anhand von folgenden Kriterien: Einfluss auf das Klima, Verschmutzung, Ressourcenverbrauch, Artenvielfalt, Sozialverträglichkeit und Lebens­grundlage der Produktionsangestellten. Fair-Trade-Schokolade wird zwar zu fairen Arbeitsbedingnungen hergestellt, wirkt sich aber dennoch stark auf die Umwelt aus.

Bioprodukte geben Punkte

Die Klasse von Stefan Peter schnei­det gut ab, indem sie auf Bioprodukte und solche aus der Region setzt. Bei Mara wird das auch im Privaten umgesetzt: «Zuhause esse ich nur Biofleisch.» Und dann kommt die Ernüch­terung: Das Smartphone mit seinem überaus hohen Rohstoffverbrauch und den schlechten Herstellungsbedingungen ist besonders schädlich für die Umwelt. Es zeigt sich, dass viele Menschen bei solchen Luxusprodukten öfters­ mal ein Auge zudrücken. «Bei Kleidern und beim Natel schaue ich eher auf die Marke», gibt Nils offen zu.

«Ich war erstaunt, dass auch Schweizer Tiere mit umweltbelastendem Futter gefüttert werden.»
Yanic, Schüler

An einem anderen Posten müssen die Schüler unter Anleitung von Anna Schöpfer Alltagsprodukte bewerten. Dabei machen sie einige überraschende Ent­deckungen, beispielsweise beim Fleisch: «Ich war erstaunt, dass auch Schweizer Tiere mit umweltbelastendem Futter gefüttert werden», bemerkt Yanic. Auch die unzähligen Lebensmittellabels sorgen für Verwirrung. «Man kann nicht jedem Label trauen», mahnt Schöpfer. Max Havelaar und Heidi trifft man in jeder Migros-Filiale an – was jedoch hinter den Namen steckt, ist den meisten Konsumenten unbekannt. Die Schüler stellen schnell fest, dass Bioprodukte ebenfalls belastend für die Natur sein können. Auch Biomilch verursacht einen hohen Aufwand in Tier­haltung und Verarbeitung. «Der Methanausstoss ist ja bei jeder Kuh vorhanden», stellt Mara lachend­ fest.

«Unsere Besucher schätzen die Realitätsnähe», erklärt Marcel Anderegg, Leiter der Ausstellung «Clever». Seit 2011 zieht die Ausstellung der Stiftung Biovision von Stadt zu Stadt. Im Frühjahr stellten die Macher in Arbon aus, im August geht es weiter nach Bern. Die Arbeit des Teams um Anderegg zahlt sich aus: «Wir werden mittlerweile inzwi­schen von den Städten selbst angefragt», sagt er stolz. Er merke, dass das Interesse an nachhaltiger Ernährung stark gestie­gen sei. Zweifler gäbe es ­immer, denen würde man aber mit Fakten begegnen. «Wir wollen niemandem ein schlechtes Gewissen machen», versichert er.

Teil des Lehrplans

Obwohl sich Anderegg bemüht, das Thema auch Erwachsenen näher­ zu bringen, ist es kein Zufall, dass vor allem Schulklassen die Ausstellung besuchen. Seit Beginn des laufenden Schuljahrs ist «Bildung zur nachhaltigen Entwicklung» fester Bestandteil des Unterrichts im Kanton St. Gallen. Am Standort Rapperswil sind bereits­ über 30 Klassen aus den Zürichseegemeinden angemeldet. Für Stefan Peter, Oberstufenlehrer aus Rapperswil-Jona, kam die «Clever»-Ausstellung sehr gelegen­. Mit seinen Schülern erarbeitet er gerade das Thema Fleischkonsum.

Bewusstsein für die Umwelt

Ob sich der Besuch in der «Clever»-Ausstellung positiv auf das Kaufverhalten auswirkt, wird sich noch zeigen. Gerade bei den Schülern sei laut Peter der Preis ein entscheidender Faktor. Aber sowohl Anderegg als auch Peter sind sich einig, dass die Thematisierung ein wichtiger Schritt sei. «Es geht darum, ein Bewusstsein zu entwickeln, dass alles eine Geschichte hat», erklärt Peter.

Die Ausstellung «Clever» auf dem Schulareal Hanfländer ist bis am 11. Juli geöffnet. Informationen auf www.clever-konsumieren.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 09:12 Uhr

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