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Bruno Hug beschäftigt jetzt auch das Kantonsgericht

Drei Stunden dauerte die Gerichtsverhandlung, und wie jedes Mal, wenn Bruno Hug vor Gericht steht, ging es auch um die Kesb.

Bruno Hug musste sich vor dem Kantonsgericht St. Gallen verantworten.
Bruno Hug musste sich vor dem Kantonsgericht St. Gallen verantworten.
Archiv: PD

Was am Dienstagnachmittag am St. Galler Kantonsgericht verhandelt wurde, hatte sich vor einem Jahr noch unter ganz ­anderen Vorzeichen präsentiert. Damals war Bruno Hug Chefredaktor der «Obersee-Nachrichten» (ON) und verteidigte sich vor dem Einzelrichter am Kreisgericht See-Gaster in Uznach selber. Dessen Schuldspruch akzeptierte er nicht und legte Berufung beim Kantonsgericht ein. Die Staatsanwaltschaft tat es ihm mit einer sogenannten Anschlussberufung gleich.Vor dem Kantonsgericht erschien Hug – inzwischen nicht mehr ON-Chefredaktor – mit einem Anwalt.

Dem Fall liegt eine Privatklage des ­Joner Treuhänders Pius Schätti zugrunde, der Hug üble Nach-rede vorwarf. Schätti, inzwischen nicht mehr Teil des Verfahrens und vor Gericht demzufolge auch nicht anwesend, war von der Kesb Linth als Beistand für den Rentner und Treuhänder P. V. eingesetzt worden. In einem Artikel mit Kommentar im Juli 2016 schrieb Hug, Schätti habe P. V. zu einer Unterschrift gedrängt, mit dem Versprechen, nur so könne er die psychiatrische Klinik verlassen. In diesem Zusammenhang brauchte Hug den Ausdruck Erpressung. Ebenso schilderte er in der Wochenzeitung, wie Schätti die Kundendossiers von P. V. an sich genommen habe, und benutzte dafür in einem Kommentarden Ausdruck «faktischen Raub».

Befangener Richter

Hugs Verteidiger forderte einen vollumfänglichen Freispruch. Falls das Kantonsgericht das ­anders sieht, will er die Anklageschrift an die Vorinstanz zurückweisen. Sie genüge den Mindestanforderungen des Bundesgerichts nicht und weise zahlreiche Mängel auf. So werde nicht dargelegt, welche konkreten Äusserungen als üble Nachrede einzustufen seien. Weiter bezeichnete Hugs Verteidiger den Einzelrichter am Kreisgericht See-Gaster als befangen. Das Gericht habe sich in der Klage der Stadt Rapperswil-Jona und des Kesb-Präsidenten Walter Grob selber ­wegen Befangenheit aus dem Rennen genommen. Auch im vorliegenden Fall gehe es um Kesb-kritische Berichte, also müsse man da ebenfalls von Befangenheit ausgehen. Der angesprochene Walter Grob verfolgte die Verhandlung auf der Zuschauertribüne.

Der Staatsanwalt wollte von der Argumentation des Vertei­digers gar nichts wissen und ­beantragte eine Erhöhung des Strafmasses. Das Kreisgericht See-Gaster hatte Hug zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 440 Franken verurteilt. In Anbetracht von Hugs gegenwärtigem Einkommen – welches dasjenige des Stadtpräsidenten von Rapperswil-Jona deutlich übersteigt – verlangte der Staatsanwalt eine Erhöhung auf 30 mal 540 Franken und eine Busse von gut 3000 Franken. Diese sei als «Denkzettel» zu verstehen, sagte er. Ausserdem müsse das Urteil des Kantonsgerichts in den ON veröffentlicht werden – auf Hugs Kosten.

«All die Probleme»

Der ehemalige ON-Chefredaktor spielte am Dienstag vor dem Kantonsgericht noch einmal seine liebste Rolle: die des Kämpfers für die entrechteten Opfer und gegen die mächtigen Behörden. Mit vielen Gesten und noch mehr Worten brachte er seine Argumente vor – es schien, als hätte er jeden Namen, jedes Datum im Kopf gespeichert. Einzig sein ständiges Fusswippen deutete eine gewisse Anspannung an. Ob er den Artikel über Pius Schätti heute immer noch so schreiben würde, will der Gerichtspräsident wissen. Hug zögert, erwähnt «all die Probleme», in die er jetzt gekommen sei, und dass er Schätti eine Korrektur in den ON angeboten habe. Dieser habe jedoch abgelehnt.

Warum er denn vor der Ver­öffentlichung des Artikels keine Stellungnahme von Schätti eingeholt habe, fragt der Vorsitzende weiter. «Sie hätten ja schreiben können, er bestreite die Vorwürfe.» Ja, das hätte er wohl, räumt Hug ein. «Aber dann hebt sich irgendwann alles auf.» Er habe Schätti im Übrigen nie als Privatperson angegriffen, sondern als Amtsträger im System Kesb. Und mit dem Ausdruck Erpressung habe er ihm keine strafrechtliche Handlung unterstellen wollen. Dieser habe sich dar­auf bezogen, dass auf den Rentner P. V. Druck ausgeübt worden sei. Das werde dem durchschnittlichen ON-Leser auch sofort klar, argumentierte der Verteidiger. Hug habe seine Fragen nicht mit Schätti besprechen wollen, sondern mit Walter Grob. «Weil man als Journalist zum Chef geht, wenn man Fragen hat.» Grob aber habe auf Hugs E-Mails nicht ­reagiert. Der Staatsanwalt hingegen sieht es als erwiesen an, dass Hug dem Treuhänder Pius Schätti mit den Ausdrücken Erpressung und Raub strafbare Handlungen vorwirft. Deshalb sei die Verurteilung wegen übler Nachrede rechtens.

Das Urteil wird in den nächsten Tagen veröffentlicht.

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