Rapperswil-Jona

So soll das Schloss in Zukunft aussehen

Die Modernisierung des Schlosses Rapperswil soll sanft geschehen: Ein grosser Kontrast zum Alten fehlt. Mit der zurückhaltenden Architektur sollen die Besucher viel mehr das Schloss als ganzes Museum wahrnehmen.

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«Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.» Es ist ein längst abgedroschenes Zitat des deutschen Politikers Ferdinand August Bebel, das die Architekturbüros «Park» und «Raumfalter» am Mittwoch bemühten. «Es gilt im Schloss Rapperswil eben sehr intensiv», begründete Architekt Markus Lüscher die Zitat-Wahl. «Das Schloss ist ein historisches Gebäude, das sich über die Jahre stark verändert hat.»

Park und Raumfalter-Architekten sind als Sieger aus dem anonymen Wettbewerb von zwölf Architekturbüros für die Modernisierungs des Schloss Rapperswil hervorgangen. Diese zwölf hatten Stadt und Ortsgemeinde aus zuvor 60 Bewerbern ausgewählt. Beweisen mussten sich die Büros in vier Punkten: Einerseits muss das sogenannte Palas-Gebäude neu erschlossen werden, sodass sich die verschiedenen Besucherströme gut trennen lassen und auch die Gastronomie-Mitarbeiter eigene Wege durch das Schloss erhalten. Weiter braucht es einen Ersatzneubau im Schlosshof für das bestehende Buffet und eine neue Verbindung mit Fluchttreppe zwischen Palas und Gügelerturm (Ausstellungsräume). Alle weiteren Details zur Modernisierung des Schlosses werden nun in der konkreten Ausarbeitung des Projektes geklärt.

Das Siegerprojekt «crepaccio e mulini», zu deutsch Gletscherspalte und Gletschermühle überzeugt weniger durch optische Effekthascherei, als durch durchdachte Anordnung der geforderten Umbauten.

Eine skulpturale Treppe

Wer zukünftig den Schlosshügel – ein Überrest des Linthgletschers – betritt wird dort noch vor dem Eingangstor eine kleine Buvette vorfinden, die als Café zum Verweilen einlädt. Tritt man dann durch das Eingangstor in den Schlosshof, dürfte der Blick auf eine neue Treppe fallen. Dort wo heute ein Holzschopf steht, entsteht die neue Erschliessungstreppe zwischen Palas und Gügelerturm. An dieser Stelle war eigentlich ein Scharnierbau vorgewesen, den die Besucherströme trennen sollte. Weil die Denkmalpflege aber einen zurückhaltenden Bau forderte, verzichten Stadt und Ortsgemeinde darauf und fokussierten sich auf die vom Feuerschutz geforderte Fluchttreppe.

Wie die Architekten vor den Medien betonten, soll sie aber nicht nur ein Fluchtweg sein, sondern auch neue Blicke auf den Schlosshof - der neu einen Plattenboden statt Kies erhält - ermöglichen. Ebenfalls im Schlosshof wird der zweite Holzschopf ersetzt, welcher der Gastronomie heute als Theke und Anrichte dient. Ein neues doppelt solanges Gebäude ersetzt diesen. Damit soll für die Event-gastronomie im Schloss mehr Flexibilität geschaffen werden. Wie dieses Gebäude genau aussehen wird, ist derzeit noch offen. Dies wird in der weiteren Erarbeitung geklärt. Klar ist: Der heutige Regen-Baldachin über dem Schlosshof bleibt bestehen, dies war eine Vorgabe von Stadt und Ortsgemeinde im Wettbewerbsprogramm.

Der Eingang in das eigentliche Hauptgebäude des Schlosses erfolgt weiterhin über die Türe ganz hinten im Schlosshof. Dahinter ändert sich allerdings quasi alles. Die Gehwege für Besucher und Gastronomie werden getrennt. Besonders clever ist der Aufgang in die oberen Räume gelöst. Eine sich windende, «skulpturale» Treppenanlage führt die Besucher nach oben. Mit einem Lichtschacht, der sogenannten Gletscherspalte, fällt Tageslicht in den heute dunklen Raum. Die «Gletscherspalte», aber auch die Treppe ermöglichen gleichzeitig einen Blick nach oben, der den Besuchern neue Perspektiven bescheren soll. «Jede Treppe hat das Potenzial ein Erlebnis zu sein», meinte Architekt Lüscher vor den Medien.

Die Treppe selbst soll dereinst aus Stahlbeton realisiert werden, dem Bollinger Sandstein beigemischt werden kann. Aus dem Sandstein wurde das Schloss gebaut, mit dem Material soll eine Verbindung zwischen gestern und heute geschaffen werden. Dass der Bollinger Steinbruch im Besitz der Ortsgemeinde ist, darf wohl als glückliche Fügung betrachtet werden.

Ein schräger Lift löst Probleme

Die Architekten betonten, mit der Materialwahl dem Besucher eine «Raumerfahrung» zu ermöglichen. «Der Besucher soll als erstes den Raum sehen und nicht, was am Schloss nun neu ist», meinte der Architekt. «Wir haben nicht den Gegensatz gesucht». Gleichzeitig gehe es überhaupt nicht darum das Schloss zu rekonstruieren. Historisches zu bewahren, so wie es auch die Denkmalpflege forderte, liegt den Planern denn auch am Herzen. Das zeigt sich etwa beim Rittersaal. Zwar war eine allfällige Modernisierung des Saals nicht im Wettbewerbsauftrag enthalten und dennoch machten sich die Architekten darüber gedanken wie dort viel bewahrt werden kann. Hätten sie nämlich die zwei neuen Lifte einfach vertikal ins Gebäude geplant, so wäre ein Zugang zum Rittersaal zerstört worden. Die Architekten lösen dieses Problem, in dem sie für die Besucher einen Lift planen, der leicht schräg durch das Gebäude verläuft. So können die Räume optimal erschlossen werden.

Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) und Ortsgemeindepräsident Matthias Mächler zeigten sich überzeugt, dass mit den ausgewählten Architekten ein erfolgreiches Projekt realisiert werden kann. Nun gehe die intensive Arbeit an den tausenden von Details mit den Architekten, aber auch der Museumsgestaltung, aber erst richtig los. «Dass wir uns fundamental mit dem Schloss, unserem Identifikationsmerkmal, beschäftigen, schulden wir unserer Bevölkerung», meint der Stadtpräsident. Bis 2023 wollen Stadt und Ortsgemeinde rund 16 Millionen Franken in das Schloss investieren. Eine neue Ausstellung über die gesamte Schlossgeschichte soll das bestehende Polenmuseum ablösen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.09.2018, 17:49 Uhr

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