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Blinde schärft Sozialkompetenz

Sie hat mehr Menschlichkeit und Wärme in die zahlenlastige Welt der Firma Swiss Quality Broker AG gebracht: die blinde Maria Oddo.

Maria Oddo ist stark sehbehindert und arbeitet in einem Brokerunternehmen in Pfäffikon SZ.
Maria Oddo ist stark sehbehindert und arbeitet in einem Brokerunternehmen in Pfäffikon SZ.
Patrick Gutenberg
Auch bei der Firma Sonova in Stäfa ist man auf sehbehinderte Mitarbeitende ausgerichtet.
Auch bei der Firma Sonova in Stäfa ist man auf sehbehinderte Mitarbeitende ausgerichtet.
zvg
Drei Auszubildende mit körperlichem Handicap sind derzeit bei Sonova tätig.
Drei Auszubildende mit körperlichem Handicap sind derzeit bei Sonova tätig.
zvg
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Soziales Engagement würde man nicht als erstes mit einer Firma aus der Finanzwelt in Verbindung bringen. Dennoch ist die Swiss Quality Broker AG mit Sitz in Pfäffikon in dieser Beziehung ein leuchtendes Vorbild. Für seine Verdienste um die Integration von handicapierten Menschen in den Arbeitsprozess wurde der grösste unabhängige Versicherungsbroker im Kanton Schwyz im vergangenen Jahr — zusammen mit der Keller Recycling AG (Hinwil) und der Ernst Meier AG (Dürnten) — mit dem This-Priis ausgezeichnet.Firmengründer und -chef Rolf Langenbach verspürte seit langem ein Unbehagen, wenn es um nachhaltige sinnvolle und Sinn stiftende Tätigkeiten ging, jenseits von Zahlen und Renditedenken.

Bei den sozialen Institutionen im Land, an die sich Swiss Quality Broker für Spendenmöglichkeiten wandte, hiess es jedoch: Schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap, wenn ihr ein gutes Werk tun wollt. Diese sind dünn gesät, nicht das Geld.

Teamgeist gefördert

So startete Swiss Quality Broker das Projekt «Lichtblick» mit dem Ziel, einen Arbeitsplatz für sehbehinderte Menschen zu schaffen. Seit August 2013 ist nun Maria Oddo als Sachbearbeiterin und telefonische Schaltzentrale mit einem 80-Prozent-Pensum in Pfäffikon angestellt. Die 41-jährige Rapperswilerin ist seit ihrem achten Lebensjahr praktisch völlig erblindet und ging erfolgreich aus einer spezifischen Stellenausschreibung hervor.

Für Rolf Langenbach war schnell klar, «dass wir und Maria Oddo super zusammenpassen». Ihr fröhliches Wesen habe dem Team gutgetan, es beflügelt und ungeahnte soziale Kompetenzen und Talente zum Vorschein gebracht. Der gesamte Prozess der Rekrutierung und Anstellung lief ab wie bei einem ganz «normalen» Anstellungsverfahren. Oddo, die über eine kaufmännische Ausbildung verfügt, war in ihrem Leben immer berufstätig.

Eine IV-Rente hat Maria Oddo nie bezogen. Allerdings: «Voll zu arbeiten ist schon etwas beschwerlicher». Ein 100-Prozent-Pensum wäre auch für sie nicht in Frage gekommen, «weil ich meinen Haushalt selber führe und auch alleine einkaufen gehe». Oddo liegt viel am Erhalt grösstmöglicher Autonomie. Wer bereit sei, sich als Mensch mit Handicap der freien Wirtschaft zu stellen, müsse mit seiner Behinderung umgehen können und diese akzeptieren: «Man stösst jeden Tag auf Hindernisse». Wichtig sei die Bereitschaft, fremde Hilfe anzunehmen: «Die Leute helfen gerne». Das kann Rolf Langenbach bestätigen: «Es brauchte von Anfang an gar keine Integration». Zwar habe es zu Beginn eine Phase gegeben, in der sich die Mitarbeiter etwas mehr um Maria Oddo hätten kümmern müssen, «aber heute ist sie eine Mitarbeitende wie jede andere, einfach mit einem Hund, der hin und wieder durch das Büro wetzt». So ist aus dem Projekt ein Dauerzustand geworden, «und es ist gut so, wie es ist».

Vollwertige Arbeitsstelle

Langenbach spricht — wie Maria Oddo — von einer Erfolgsstory, «umso mehr, als sich alles viel einfacher, schneller und positiver entwickelt hat, als erwartet». Maria Oddo besetzt eine vollwertige Arbeitsstelle und übt — von wenigen Ausnahmen abgesehen — die gleichen Tätigkeiten aus wie alle anderen im Betrieb. Ob das Modell auf andere Bereiche der Firma ausgedehnt wird, lässt Langenbach offen: «Wir sind dem Thema gegenüber nicht verschlossen». Derzeit gebe es aber eine Reihe wichtiger interner Projekte, die zuerst abgeschlossen werden müssten. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen mit seinen heute 40 Mitarbeitenden befindet sich immer noch in der Wachstumsphase und hat eben erst eine neue Geschäftsstelle in Sargans eröffnet. «Aber ich schliesse nicht aus, dass die in Pfäffikon verwirklichte Idee in den Tochterfirmen in den nächsten Jahren weitergetragen und dupliziert wird».

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