Rapperswil-Jona

Bitcoin-Firma erstellt in Jona ein gigantisches Rechenzentrum

Die Unity Investment AG gibt mächtig Gas. Die Bitcoin-Pioniere bauen derzeit in Jona ein Rechenzentrum von riesigen Ausmassen auf und nutzen dieses zum Schürfen von wichtigen Kryptowährungen.

Langjährige Mietverträge für das neue Rechenzentrum in Jona: Unity Investment-CEO Sean Prescott sieht hier ideale Rahmenbedingungen.

Langjährige Mietverträge für das neue Rechenzentrum in Jona: Unity Investment-CEO Sean Prescott sieht hier ideale Rahmenbedingungen. Bild: Michael Trost

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Obwohl erst neun Monate alt, ist der Name Unity Investment AG in der Kryptowelt schon eine feste Grösse: Ende Juli hat das Start-up aus Altendorf SZ am jährlichen Gipfeltreffen der führenden Kryptowährungs-Unternehmen in Warschau den Award für das beste Projekt aus dem Bereich «Initial Coin Offering (ICO)» erhalten.

Unity Investment plant ihr ICO gegen Jahresende.Der Begriff ICO lehnt sich an das «Initial Public Offering (IPO)» an – den klassischen Börsengang zur Wachstumsfinanzierung von Firmen. Im Unterschied zu einem herkömmlichen «going public» werden beim ICO keine Aktien abgegeben. Stattdessen findet eine projektbezogene Finanzierung statt.

4500 installierte Rechner

Auch beim ICO sammeln Jungunternehmen Kapital ein, allerdings auf der Basis von führenden Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Dabei wird eine neue digitale Währung generiert, die von Interessenten, die das Projekt unterstützen möchten, erworben werden kann. Damit verbunden ist für den Investor, in der Regel Family Offices und Vermögensverwalter, das Recht an den Erträgen der Geräte, die die Transaktionen durchführen. «Wir möchten mit dem ICO mindestens 30 Millionen Franken einnehmen», sagt Sean Prescott, CEO und Gründer der Unity Investment AG. Prescott ist von Haus aus Informatiker und «kryptoaffin seit Jahren». Über die Jahre hat sich der 33-Jährige dank vielfältiger Tätigkeit in der Finanzindustrie grosse Erfahrung und Expertise auf diesem Gebiet angeeignet. Das im Dezember 2017 gegründete Unternehmen ist derzeit noch komplett eigenfinanziert. Das wird sich mit dem ICO ändern.

Mit dem Erlös baut Unity Investment in Jona auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern in einer leerstehenden Halle ein Hochleistungs-Rechenzentrum weiter aus. Im Unterschied zu anderen ICO verfügt die Unity Investment AG zu diesem Zeitpunkt bereits über ein fertiges Produkt. Die in Jona im Endausbau rund um die Uhr betriebenen 4500 Rechner sind für die Validierung von weltweit getätigten Transaktionen von Kryptowährungen, in diesem Fall Bitcoins, Litecoins, Ethereum und weitere profitable Coins zuständig. Ein Bitcoin entspricht einem Wert von 6350 Franken (Stand 27.8.). Allerdings ist die Volatilität sehr hoch.

Bei jeder Überweisung fällt eine Transaktionsgebühr an. Einfacher gesagt: Während die Post bei einem Brief Absender und Adresse überprüft und ihn dann kostenpflichtig an den Bestimmungsort weiterleitet, übernehmen diese Aufgabe bei Unity Investment die Rechner. Seine Firma sei eigentlich eine «dezentralisierte Post für Datenpakete», sagt Prescott. Die von der Unity Investment AG am Zürichsee und im Aargau betriebenen Rechenzentren scannen den Markt und suchen («schürfen») nach der profitabelsten Krypto-Währung.

Verständnis fördern

Strom ist für die Unity Investment AG der mit Abstand grösste Kostenfresser. Die EW Jona-Rapperswil AG liefert der Firma den Strom nicht nur in Form von 100 Prozent grüner Energie, sondern auch zu äusserst günstigen Konditionen – deutlich günstiger als am alten Standort in Rothenturm im Kanton Schwyz. Neben der stabilen Stromversorgung bietet die Schweiz für Prescott weitere Vorteile, wie eine stabile technische Infrastruktur und eine hohe regulatorische Sicherheit – die aber bei der jungen Branche erst am Anfang steht.

Unity Investment AG ist Teil des Crypto-Valley, dem goldenen Dreieck zwischen Zug, Schwyz und Zürich. Hier haben mittlerweile rund 400 Krypto-Unternehmen ihre Zelte aufgeschlagen. Der eigene Algorithmus, «der ständig den besten, weil rentabelsten Coin generiert», ist es, der nach Ansicht von Prescott das Projekt Unity Investment einzigartig macht – «und dies in einer Grösse, bei der wir hierzulande keine Konkurrenz haben». Ein Hochleistungsrechner führt mehrere Milliarden kryptografische Verifizierungsversuche pro Sekunde aus – millionenfach schneller als ein herkömmlicher Laptop. «Ohne dieses Mining, für das wir die Infrastruktur liefern, funktionieren Kryptowährungen nicht». Es brauche diese Maschinen, um einen dezentralen Konsens der validierten Transaktionen zu schaffen, sagt Prescott.

Zu wünschen übrig lässt bisher einzig noch die Akzeptanz der Kryptowährungen in der breiten Bevölkerung. Erst rund drei Prozent der Leute nutzen Kryptowährungen. Deshalb will Unity Investment in Zukunft eigene Schulungsplattformen anbieten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.08.2018, 16:47 Uhr

Kryptowährungen und Blockchain

Die Bezeichnung Kryptowährung ist vom Wort «Kryptographie» abgeleitet. Dieses beschreibt die Wissenschaft, in der Daten und Informationen verschlüsselt oder geschützt werden. Kryptowährungen sind virtuelle Währungen und werden dezentral von einer digitalen Gemeinschaft aufgebaut, die über die ganze Welt verstreut ist. Im Vergleich zur klassischen Währung, kommen bei einer Kryptowährung keine Geldscheine oder Münzen zum Einsatz und auch keine Zentralbank oder öffentliche Stelle. Drei der meist gehandelten und grössten virtuellen Währungen, von denen es mittlerweile über 1600 gibt, sind – nach dem Marktführer Bitcoin – Ethereum, Ripple und Iota.

Auch Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie, durch welche alle Transaktionen blockweise aneinandergekettet werden. Jede Transaktion, wird elektronisch gespeichert und an die Marktteilnehmer verschickt, durch diese validiert und in deren eigenen Tabellen niedergeschrieben. Dadurch sind an jedem Ort die gleichen Tabellen ersichtlich und damit das System schwer manipulier-oder fälschbar. Einsatz finden Bitcoins heute vor allem für Micropayments, um Musik, Apps oder Online-Gaming-Zubehör im Internet zu kaufen. An jedem SBB-Billettautomaten sind Bitcoins zu kaufen. Der Kanton Zug akzeptiert Bitcoins für die Begleichung der Steuerrechnung. Zusätzlich können Firmengründungen mit Bitcoins finanziert werden. Laut Experten werden Kryptowährungen die «alten» Währungen, wie Euro oder Schweizer Franken, nicht ablösen, sondern sich zur Parallelwährung entwickeln.

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