Amden

Bischof verabschiedet die Baldegger Schwestern

Nach 91 Jahren gehen im Ammler Kur- und Ferienhaus Bergruh die Türen zu. Das Kurhaus wird 2016 zu einem Asylzentrum. Zur Abschiedsfeier der Baldegger Schwestern kam hoher Besuch.

Bischof Markus Büchel wurde gestern von Schwester Romana Pfefferli herzlich empfangen.

Bischof Markus Büchel wurde gestern von Schwester Romana Pfefferli herzlich empfangen. Bild: Reto Schneider

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Ein schöneres Kompliment hätte der Bischof den Schwestern nicht machen können: «Papst Franziskus hätte Freude an eurem Entscheid.» Gemeint ist der Entschluss der Baldegger Schwestern, das Kurhaus Bergruh in Amden nach 91 Jahren für einen guten Zweck dem Kanton St. Gallen zu überlassen. Dieser will in der Bergruh im nächsten Jahr ein kantonales Asylzentrum errichten. Anfang Jahr sollen dort die ersten Asylbewerber einziehen.

Der Besuch von Bischof Markus Büchel in Amden markierte das Ende einer Ära. Das Kurhaus Bergruh hoch über dem Walensee war jahrzehntelang ein Ort für Ruhesuchende. Weil die Zahl der Mitglieder im Orden zurück­geht und die Gästezahlen rückläufig sind, entschieden sich die Ordensschwestern, das Kurhaus auf­zu­geben. Morgen verlassen die letzten Gäste die Bergruh.

Ruhe soll einkehren

Der Entscheid der Schwestern hatte im Dorf für heftige Reaktionen gesorgt. Auf Transparenten an ihren Häusern hatten viele Ammler ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Diese Kritik sprach der Bischof in seiner Predigt an: «Wir müssen jetzt nach vorn schauen.» Die jetzige Si­tua­tion mit den zahlreichen Flüchtlingen sei eine Herausforderung für Europa. «Lasst uns dafür beten, dass die kleine Bergunruhe, die in Amden entstanden ist, wieder zur Bergruhe wird», sagte er.

Auf die harschen Reaktionen angesprochen, sagte Büchel, er könne die Befürchtungen der Bevölkerung nachvollziehen. «Da kommt etwas Neues auf uns zu, und wir wissen nicht recht, wie damit umzugehen.» Umso wichtiger sei es, in einer solchen Si­tua­tion ein Zeichen zu setzen. Die Baldegger Schwestern hätten genau dies getan. «Ich hoffe, dass die Befürchtungen der Leute durch gute Erfahrungen mit den Asylbewerbern verschwinden werden.»

Sorge, Freude, Hoffnung

Generaloberin Zita Estermann brachte die Gefühlslage der Bald­egger Schwestern auf den Punkt: «Wir sind heute mit gemischten Gefühlen hier. Mit Freude, Wehmut, Sorgen, aber auch Zuversicht und Hoffnung.» Auch sie spielte in ihrer Abschiedsrede auf die vorgängige Kritik an: «Es ­haben nie alle Menschen zur gleichen Zeit den gleichen Blick auf die Dinge.» Die Schwestern seien dankbar, dass sie mit ihrem Entscheid Menschen in Not helfen können. «Wir beten auch für jene, die Mühe haben mit unserem Entscheid.»

Auch der Ammler Gemeindepräsident Urs Roth nahm an der Abschiedsfeier in der Bergruh teil. Der Gemeinderat war dem Entscheid der Schwestern kritisch ge­gen­übergestanden. Heute, mit der verschärften Flücht­lings­si­tua­­tion, habe er einen anderen Blick auf das Ganze, sagte Roth. Aufgabe des Gemeinderates werde es nun sein, zwischen den beiden Lagern in der Bevölkerung zu vermitteln. ()

Erstellt: 29.09.2015, 08:39 Uhr

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