St. Gallen

Bildungsdirektor will Eltern stärker in die Pflicht nehmen

Der St. Galler Bildungsdirektor will Eltern zu mehr Verantwortung erziehen. Mittel können dabei Gespräche, Ermahnungen oder gar Bussen sein.

Die Schulen müssten sich immer wieder mit Kindern auseinandersetzen, die noch nicht bereit seien für die Einschulung. Das sagt der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP).

Die Schulen müssten sich immer wieder mit Kindern auseinandersetzen, die noch nicht bereit seien für die Einschulung. Das sagt der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP). Bild: Manuela Matt

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«Es gibt Kinder, die bei der Einschulung nicht einmal selbst auf die Toilette können.» Der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) malte an der Jahresmedienkonferenz der Regierung vom Dienstag ein düsteres Bild der heutigen Schulkinder. Es komme kantonsweit immer mal wieder vor, dass Kindergartenkinder noch nicht einmal «trocken» seien oder mit nicht geputzten Zähnen in der Schule auftauchen würden.

Andere Kinder könnten kein Deutsch, obwohl ihre Eltern trotz Migrationshintergrund der deutschen Sprache mächtig wären. Kurzum: Es gibt vereinzelt Kinder, die nicht sozialisiert sind. In den Schulen seien in den vergangenen Jahren solche negative Veränderungen stark spürbar.

Hier will die St. Galler Regierung nun ansetzen und die Eltern mehr in die Verantwortung nehmen. Frei nach dem Grundsatz im Volksschulgesetz, dass die Schule die Eltern in der Erziehung des Kindes «zu einem lebensbejahenden, tüchtigen und gemeinschaftsfähigen Menschen» unterstützt. In jüngster Zeit habe man jedoch feststellen müssen, dass einzelne Eltern, das Kind lieber zur Erziehung in der Schule abgeben würden.

Die Massnahmen, welche das Bildungsdepartement umsetzen will, stehen an und für sich bereits heute im Gesetz. Sie reichen von der Ermahnung der Eltern über eine Busse, bis zur Ausschulung. «Eine Kindergartenlehrperson muss Unterrichten können», fasst Kölliker zusammen. Ihre Aufgabe sei es nicht, Kinder auf die Toilette zu begleiten «im Sinn von Babysitten.» Sei dies der Fall, müsse man ein Kind in Zukunft öfter um ein Jahr zurückstellen, bis es wirklich bereit sei, beschult zu werden.

Nur halb so schlimm

Auch die Schulen im Linthgebiet müssen sich immer wieder mit unreifen Kindern auseinandersetzen, doch sie sehen die Situation weniger düster als der kantonale Bildungsdirektor. In Uznach etwa werde durchschnittlich pro Jahr bei ein bis zwei Kindern die Einschulung aufgeschoben, erklärt Urs Kuhn, Rektor der Schule Uznach.

Das sei jeweils relativ unspektakulär. Die Anträge würden von Fachleuten vom schulpsychologischen Dienst oder dem Schularzt gestellt, nachdem sie die Situation mit den Eltern besprochen haben. Zu Konflikten komme es erfahrungsgemäss nicht.

Auch in Rapperswil-Jona setzte die Schule auf den Dialog wenn ein Kind im Kindergarten Mühe hat, erklärt Schulpräsident Thomas Rüegg (FDP). Die Eltern miteinzubeziehen sei zentral.

Ab und zu komme es vor, dass ein Kind wieder aus dem Kindergarten herausgenommen werden müsse, wenn die Eltern mit der «ernüchternden Realität» konfrontiert würden, sagt Rüegg. Häufiger sei aber, dass Eltern ihr Kind ein Jahr zurückbehalten möchten. «Solchen Gesuchen gegenüber sind wir freundlich eingestellt.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.01.2018, 18:05 Uhr

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