Rapperswil-Jona

Ausgeh-Angebot für Jugendliche in der Kritik

Wo können Jugendliche in Rapperswil-Jona in den Ausgang? Besonders für die unter 18-Jährigen mangle es an Angeboten, kritisieren Eltern. Der Jugendrat gibt Gegensteuer und hat ein Barprojekt auf die Beine gestellt.

Das ZAK (Zentrum aktueller Kultur) (gross im Bild) in Rapperswil-Jona versucht in Zusammenarbeit mit der Stadt das Ausgehangebot für Jugendliche zu verbessern.

Das ZAK (Zentrum aktueller Kultur) (gross im Bild) in Rapperswil-Jona versucht in Zusammenarbeit mit der Stadt das Ausgehangebot für Jugendliche zu verbessern. Bild: Michael Trost

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Ganz junge Erwachsene haben in Rapperswil-Jona kaum Ausgeh-Möglichkeiten und weichen auf das riesige Angebot in Zürich aus . Dies hat Oliver Bühler, Event-Organisator und selbst Vater dreier Kinder, festgestellt. Eltern und Jugendliche in seinem Umfeld hätten die gleiche Beobachtung gemacht. Der Druck, weiter wegzufahren, beginne bereits bei den 13-Jährigen. «Aber wollen wir als Eltern das?», fragt Bühler rhetorisch.

Martin Ricklin kann die Kritik gut nachvollziehen. Der 30-Jährige ist Präsident des Vereins ZAK (Zentrum für aktuelle Kultur), seit 13 Jahren im ZAK aktiv und selbst in Rapperswil-Jona aufgewachsen. Er studiert an der Uni Basel Kulturmanagement und ist Mitglied des städtischen Kulturrats. Er kennt das Problem aus eigener Erfahrung. «Klar gibt es das Nelson oder den Bären. Doch welcher 14-Jährige kann sich eine Cola in einer Bar leisten?» Der Jugendtreff sei zwar gut, aber im Industriegebiet im Joner Stampf halt für viele zu weit vom Zentrum entfernt.

Ganz prekär beurteilt Ricklin, der sich seit Jahren mit dem Thema befasst, die Möglichkeiten für 16- bis 18 Jährige. «In diesem Alter kommen die Jugendlichen erstmals mit Alkohol in Berührung. Ich verstehe, wenn sich Eltern da Sorgen machen». Anders als ein 13-Jähriger könne sich ein 16-Jähriger zwar eine Cola in einer Bar leisten (oder auch ein Bier). «Nicht überall sind so junge Gäste aber erwünscht.»

Jugendbeiz als Versuch

Das Thema trifft offenbar die Aktualität. Der Jugendrat von Rapperswil-Jona, ein von den Jugendlichen gewähltes Gremium mit sieben Mitgliedern, ist in Sachen Ausgeh-Möglichkeiten nämlich zum selben Schluss gelangt. In Zusammenarbeit mit dem ZAK und der Unterstützung von Jürg Wrubel, Kinder- und Jugendbeauftragter der Stadt Rapperswil-Jona, initiierte er vor kurzem die Jugendbeiz «La Bambele». Am letzten Freitag im Monat ist im Joner ZAK auf dem Grünfels-Areal eine Bar für Jugendliche geöffnet, Zutritt ab 16 Jahren. Gestartet wurde das Projekt Ende September. Die nächste Jugendbeiz gibts morgen Freitag. Im Dezember ist Pause, im Januar und Februar gibt es den Anlass noch einmal.

Ob und wie eine Jugendbeiz in Zukunft aussehen müsste, wo diese sein sollte, müssen die Jugendlichen bestimmen, sagt Jürg Wrubel. Diese haben aktuell im Projekt Jugendbeiz die Gelegenheit, sich zu engagieren und ihre Meinung einzubringen. Die Projektgruppe steht Jugendlichen ab 16 Jahren offen. Jugendliche können sich direkt bei den Jugendlichen des Projektteams, am besten in der Jugendbeiz selber, melden. Selbstverständlich steht auch Jürg Wrubel als Kontakt zur Verfügung. Noch wird fleissig am Konzept und an Details gefeilt. Hier wirkt auch Martin Ricklin vom ZAK mit. Offene Fragen gibt es viele. Wieviel darf ein Getränk kosten? Was braucht es als Rahmenprogramm? «Ein Barbetrieb allein reicht nicht», weiss Ricklin. Vielmehr gehe es darum, ein stimmiges Ganzes zu bieten.

Konkurrenz wäre erwünscht

Jürg Wrubel seinerseits, Vater von vier erwachsenen Kindern, ist mit der ersten Resonanz zufrieden. Letztes Mal seien 30, 40 Jugendliche gekommen, schätzt er. Ohnehin beurteilt er das Angebot in Rapperswil-Jona als «gar nicht schlecht.» Für Jugendliche bis 16 Jahre gibt es zwei Mal die Woche den Jugendtreff, mittwochs für die 11- bis 13-Jährigen bis 20 Uhr, freitags für die 12- bis 18-Jährigen bis 23 Uhr, ohne Alkoholausschank, versteht sich. Mit der Jugendbeiz im ZAK ist seiner Meinung nach auch das Bedürfnis der 16-Jährigen und älteren in einer Stadt von der Grösse Rapperswil-Jonas gut abgedeckt.

Dass der Jugendtreff für manche Jugendlichen zu weit vom Zentrum entfernt ist, wurde erkannt. Dazu stelle man aktuell Überlegungen an, sagt Leiterin Marion Lucas-Hirtz. Zurück zur Jugendbeiz. Ist ein Anlass pro Monat wirklich genug? Nein, findet Martin Ricklin. Die Beiz wöchentlich zu öffnen kommt für den Verein jedoch nicht Frage. «Unser Fokus liegt auf dem kulturellen Programm. Zudem arbeiten wir alle ehrenamtlich», sagt er. Konkurrenz wäre ist seiner Meinung nach deshalb nicht nur erwünscht, sondern sogar dringend nötig. «Es braucht ein Grundangebot für ein lebendiges Nachtleben, damit die jungen Erwachsenen überhaupt in Rapperswil-Jona bleiben und eine gewisse Sogwirkung entsteht. Das ZAK reicht da nicht aus.»

Restriktive Stadt?

Doch die Hürden, ein neues Lokal oder einen neuen, regelmässig stattfindenden Event aufzuziehen, seien hoch, findet Oliver Bühler. Die Bewilligungspraxis für Gastronomiebetriebe und die dazugehörigen Schliessungszeiten seien weltfremd. Mit diesen Auflagen lasse sich kein florierender, pulsierender und tragbarer Betrieb einrichten. Zudem kämen die Jugendlichen auch nicht. Dann wenn in Rapperswil-Jona die Lokale schliessen müssen, gehen heute die Jugendlichen in den Ausgang. Die Toleranz von Nachbarn sei zudem auf einem Tiefstand angekommen. Bühler selbst hat die Erfahrung mit seinen Lokalen gemacht.

Bei der Stadt sieht man das ganz anders: «Ich bin der Meinung, dass die Bewilligungspraxis der Stadt weder restriktiv noch weltfremd ist», sagt Stadtrat Roland Manhart (CVP). Gastwirtschaftsbetriebe dürfen unter der Woche bis 24 Uhr öffnen, an Freitagen und Samstagen gar bis 1 Uhr. Reklamationen oder Unmut über die bewilligten Schliessungszeiten sind ihm nicht bekannt. «Wenn es die gäbe, hätten wir im Stadtrat mehr Anträge um permanente Verlängerungen der Öffnungszeiten behandelt.» Betriebe können beim Stadtrat für einzelne Events einen temporären Antrag auf die sogenannte Verkürzung der Schliessungszeit stellen. Auch wenn das bewilligt wird: An die Nachtruhe halten müssen sich die Wirte trotzdem.

«La Bambele»morgen Freitag, ab 16 Jahren. Türöffnung 20 Uhr, ZAK, Grünfels, Jona

Erstellt: 23.11.2016, 16:22 Uhr

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