Uetliburg

Aus Uetliburg in die Sterne-Restaurants dieser Welt

Tatjana Caviezel aus Uetliburg ist im Berufsweltmeisterin in der Kategorie «Restaurant Service». Im Gespräch mit der ZSZ erklärt sie, wie sie von den Erfahrungen der WM profitiert hat: Mit dem Wissen serviert sie nun in Sterne-Restaurants.

Berufsweltmeisterin und mit 21 schon im Sternerestaurants angestellt: Tatjana Caviezel.

Berufsweltmeisterin und mit 21 schon im Sternerestaurants angestellt: Tatjana Caviezel. Bild: zvg

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Sie haben die Berufsweltmeisterschaft in Abu Dhabi gewonnen. Was machen Sie jetzt?
Tatjana Caviezel: Ich hatte meine Lehre ja schon vor der WM abgeschlossen, jetzt habe ich eine saisonale Festanstellung in einem Gourmet-Restaurant im Grand Hotel Kronehof in Pontresina. Im April geht es dann weiter nach Frankreich in ein Restaurant mit drei Michelin Sternen.

Pontresina ist ja doch recht weit weg. Sind Sie dort hingezogen?
Ich wohne immer noch in Uetliburg, habe aber in Pontresina eine Personalwohnung, weil ich nicht jeden Abend nach Hause fahren kann.

Von Frankreich bis Pontresina: Wie ist das für Sie persönlich, so viel unterwegs zu sein?
Ich war für die Vorbereitungen der WM noch in Hong Kong, Abu Dhabi, im Tessin und Zürich zum Arbeiten. Ich bin jung, ich möchte etwas von der Welt sehen. Ausserdem macht mir das Reisen sehr viel Spass. Klar ist es manchmal etwa anstrengend, so weit zu fahren und die Koffer immer wieder aufs Neue zu packen. Aber ich habe es mir selber ausgesucht. Das viele Unterwegssein und mich immer wieder neu anpassen müssen, macht es für mich spannend.

Konnten Sie etwas von der Weltmeisterschaft und dem Training in ihren Arbeitsalltag mitnehmen?
Auf jeden Fall. Alles, was ich dort gesehen habe, kann ich in die Zukunft mitnehmen. Ich habe viele Kontakte geknüpft und mit Menschen aus anderen Kulturen zusammengearbeitet. Ich konnte sehen, wie man in anderen Ländern mit dem Service umgehen.

Gibt es hier keine internationale Regelung?
Es gibt bestimmte Dinge, die klar sind. Das sind zum Beispiel Hygiene-Regeln. Andere Dinge, wie zum Beispiel von welcher Seite man serviert, sind sehr unterschiedlich.

Haben Sie noch Kontakt zu den Menschen, die Sie dort kennengelernt haben?
Zum Schweizer Team habe ich noch sehr viel Kontakt, besonders zu der Thurgauer Köchin Evelyne Tanner, die zusammen mit mir trainiert hat. Bei den Konkurrenten stehe ich vor allem mit denjenigen aus den Nachbarländern in Kontakt.

Haben Sie ein konkretes Beispiel, was Ihnen der Wettbewerb im Bezug auf Ihr Gastro-Wissen gebracht hat?
Da wäre zum Beispiel das mis-en-place. Bei der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi musste jeder einzelne Schritt sitzen, jedes Detail stimmen: Das Niveau dort ist sehr hoch. Von diesem Wissen kann ich noch heute profitieren.

Können Sie sich vorstellen an weiteren Wettbewerben im Gastro-Bereich teilzunehmen?
Es gäbe da noch die schweizerischen Service-Meisterschaften der Hotel und Gastro Union für Erwachsene. Dort möchte ich aber eher nicht mehr teilnehmen. Ich habe international schon mehr gesehen. Sonst gibt es noch Möglichkeiten in der Bar- oder Café-Branche. Bis jetzt habe ich da noch nichts geplant, aber man weiss ja nie (lacht).

Wollen Sie Ihr Wissen weitergeben, als Berufstrainerin zum Beispiel? Oder konzentrieren Sie sich erstmal auf Ihre eigene Karriere?
Im Moment schaue ich erst einmal, dass ich selbst weitermache. Ich überlege mir noch eine Ausbildung zu absolvieren. Ich möchte vielleicht an die Hotelfachschule oder die Restaurationsfachleiterprüfung machen. Ich könnte mir auch vorstellen, im Bereich Bildung zu arbeiten. Vielleicht als Berufsschullehrerin, das ist nicht ausgeschlossen.

Sie sind ja in sehr gehobenen Restaurants und Gesellschaften unterwegs. Wie ist das für Sie?
Nach der Lehre war es mein Ziel, in der gehobenen Gastronomie unterwegs zu sein, da mir dieser Service am meisten zusagt. Wenn ich darüber nachdenke sind es ziemliche Gegensätze. Als ich in Abu Dhabi gearbeitet habe, habe ich viele Arbeitskollegen kennengelernt, die nur zum Arbeiten nach Abu Dhabi gekommen sind. Ihre Familie, darunter vor allem ihre Kinder, haben sie in ihrem Heimatland zurückgelassen, um genug Geld zu verdienen und sie zu ernähren.

Wie ist das in Pontresina?
Hier in Pontresina sieht man jeden Tag so viele wohlhabende Leute, die nur so mit dem Geld um sich schmeissen. Daran musste ich mich anfangs erst gewöhnen. Natürlich gönnt man sich dann an seinem freien Tag auch mal ein Glässchen Champagner mit den Arbeitskollegen; einen Pelzmantel habe ich mir aber noch keinen gekauft.

Wie sieht es eigentlich bei Ihnen daheim aus? Achten Sie dort auch auf guten Service?
Bei meiner Familie achte ich schon darauf, wie sie sich zu Tisch benehmen. Aber zuhause ist das eigentlich nicht so ein Problem, eher wenn ich in anderen Restaurants essen gehe. Man will es eigentlich gar nicht, aber manche Sachen fallen mir einfach auf. Das ist wohl so eine Berufskrankheit. (has)

Erstellt: 12.02.2018, 13:47 Uhr

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