Pfäffikon SZ

Auch unter OVS bleibt Pfäffikon eine Modedrehscheibe

Der Umbau ist vollzogen. In Rekordzeit ist der Name Charles Vögele aus dem Alltagsbild der Schweizer Städte verschwunden. Die Filiale im Seedamm-Center in Pfäffikon SZ wartet noch auf ihre Neugestaltung durch die italienische Modekette OVS.

Das italienische Modelabel OVS will den Schweizer Markt erobern — im Bild die umgebaute Filiale in Jona.

Das italienische Modelabel OVS will den Schweizer Markt erobern — im Bild die umgebaute Filiale in Jona. Bild: David Baer

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Gut ein Jahr ist es her, seit die Investorengruppe Sempione Retail rund um den italienischen Modekonzern OVS die serbelnde Textilgruppe Charles Vögele in Pfäffikon SZ übernommen hat. Die neuen Besitzer schritten schnell zur Tat: Innerhalb von nur vier Monaten wurden 145 Charles Vögele-Filialen hierzulande auf das neue OVS-Erscheinungsbild umgestellt und damit die Marktführer H&M und C&A punkto Verkaufsstellen überflügelt.

Kollektionen aus Venedig

40 Millionen Franken hat Sempione Retail für den Vögele-Umbau in der Schweiz bereitgestellt. Zuletzt wurden Mitte November die Filialen in Frauenfeld, Amriswil und Arbon unter dem neuen Label eröffnet. Am Zürichsee ist OVS in Adliswil, Uznach, Jona und Pfäffikon vertreten. Die über drei Stockwerke verteilte Filiale im Seedamm-Center wird — zusammen mit fünf weiteren Läden — nächstes Jahr umgebaut. Der Relaunch hat vor allem am ehemaligen Hauptsitz von Charles Vögele in Pfäffikon zu einem personellen Aderlass von über 200 Personen geführt.

Die Kollektionen werden neu am Hauptsitz von OVS in Venedig entwickelt. Aus diesem Grund entfallen in Pfäffikon die Funktionen im Bereich Einkauf und Produktentwicklung. Alle weiteren zentralen Funktionen verbleiben am See. Dazu gehören die Bereiche Human Resources, Controlling & Finance, Marketing, IT, Vertriebsorganisation Schweiz und Ladenbau.

Alles in allem sind am früheren Sitz von Charles Vögele in Pfäffikon noch 150 Personen beschäftigt. Das Logistikzentrum in Freienbach wurde Mitte Jahr geschlossen. Das Gebäude gehört der Vögele-Erbengemeinschaft. Bis jetzt sei noch nicht entschieden worden, was passiert, sagt Marianne Fassbind, zuständig für die Kommunikation von OVS in der Schweiz: «Wir schauen uns verschiedene Mieter an und sind in Verhandlung mit interessierten Parteien».

Ehrgeizige Ziele

Dass die Zeit des Stellenabbaus rund um die Übernahme von Charles Vögele durch OVS mittlerweile abgeschlossen ist, wird auch daraus ersichtlich, dass OVS im Sommer über 140 Stellenvakanzen aufwies. Ein Grossteil der ausgeschriebenen Stellen entfiel auf sogenannte Visual Merchandiser, Dekorateure, die auf die Inszenierung der Mode spezialisiert sind. Die meisten leeren Stellen seien besetzt worden, sagt Fassbind, einzig einige spezialisierte Stellen seien noch offen.

Der börsenkotierte OVS-Konzern, der früher als Oviesse SpA firmierte, verfolgt hierzulande ambitiöse Ziele: Nichts weniger als die Marktführerschaft peilt das Modelabel in der Schweiz an — und dies in einem schrumpfenden Textilmarkt und mit einem verändertem Kundenverhalten. Um die Konkurrenz zu distanzieren, müsste OVS nach Expertenangaben den Umsatz von Vögele, der zuletzt bei knapp 300 Millionen Franken lag, mehr als verdoppeln.

Dieses Ziel verfolgt der Konzern ohne den langjährigen CEO von Charles Vögele, Markus Voegeli. Der 57-jährige hat das Unternehmen per Ende November verlassen. Der bisherige Finanzchef Jürg Bieri hat alle Aufgaben von Voegeli übernommen und verantwortet die noch unter dem Namen Charles Vögele geführten Filialen in Deutschland, Österreich und Ungarn. Nach Angaben von Fassbind treten diese Läden bis auf weiteres noch unter der Marke Charles Vögele am Markt auf. Jürg Bieri wird dieses Geschäft auch in Zukunft von Pfäffikon aus führen. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehört zudem die Führung der OVS-Läden in der Schweiz.

Erstellt: 05.12.2017, 16:12 Uhr

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