Artistik

Horgnerin lässt Männer die Wände hochgehen

Für Andréanne Quintal geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Sie gestaltet das Programm des Circus Knie mit einer eigenen Trampolinnummer mit. Am 23. März startet der Zirkus in Rapperswil seine diesjährige Tournee.

Sie lässt Männer die Wände hochgehen: Die Trampolinspringerin Andréanne Quintal, die für den Circus Knie eine Trampolinnummer choreografiert.

Sie lässt Männer die Wände hochgehen: Die Trampolinspringerin Andréanne Quintal, die für den Circus Knie eine Trampolinnummer choreografiert. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der ehemaligen Industriehalle im Zürcher Oberland gehen fünf Männer gerade die Wände hoch, einer nach dem anderen. Und das offenbar wegen einer jungen, zierlichen Frau. Diese steht gelassen – so wirkt es zumindest – inmitten des Geschehens und wirft knappe Kommandos in den Raum. Mal auf Englisch, mal auf Französisch, oder eher: in einem Gemisch von beidem, mit dem Klang der einen und dem Vokabular der anderen Sprache.

Andréanne Quintal heisst sie, die vor fast 33 Jahren im kanadischen Montreal geboren wurde und nun seit vier Jahren in Horgen wohnt. Ihr Beruf und die Liebe haben sie hierhin verschlagen. Quintal ist Trampolinspringerin und -choreografin, und in letzterer Funktion kann sie die fünf muskelbepackten Männer die Wände hochgehen lassen.

Zusammen mit Knie-Artisten

Dies im buchstäblichen Sinn. Als hätten sie an ihren Füssen Haftlamellen, wie man sie etwa von den Geckos kennt, erklimmen die fünf im Laufschritt die senkrechte, mehrere Meter hohe Wand eines Plexiglasquaders. Scheinbar mühelos, als würden die Gesetze der Schwerkraft nicht gelten. Und dennoch, an Spannung fehlt es nicht, sind die Laufschritte in der ungewöhnlichen Körperposition doch nur ein Element einer hochpräzisen Aneinanderreihung weiterer akrobatischer Kunststücke. Handstände, Salti – und vor allem spektakuläre Sprünge auf und von dem Trampolin, das vor dem Quader liegt, gehören genauso dazu. Ab nächstem Donnerstag wird die Choreografie der gebürtigen Kanadierin für das breite Publikum erlebbar sein – als Nummer im Zirkus Knie.

Damit erfüllt sich für Quintal ein lang gehegter Wunsch. «Seit mehreren Jahren bin ich in Kontakt mit der Familie Knie», sagt sie. Ihr Programm, in das sie die Gebrüder Errani integriert hat, hat der Schweizer Zirkusfamilie gefallen, und so stand einem Engagement nichts im Wege. Die drei italienischen Brüder, von denen der Älteste mit Géraldine Knie verheiratet ist, gehören zum Artistenstamm des Schweizer Zirkus und sind vielen im Publikum bereits vertraut. Sie absolvieren die Trampolinnummer mit Künstlern aus Quintals eigener Kompagnie, dem 2013 gegründeten Spicy Circus. Die Chemie stimme, freut sich Quintal über die Zusammenarbeit. «Alle haben schon für sich ihre Elemente geübt, nun ist das Herausfordernde, die ganze Nummer einwandfrei zusammenzusetzen», erklärt sie beim Training in Rüti.

Lange die einzige Frau

Herausfordernd sei auch, an der transparenten Oberfläche der Mauer zu arbeiten. Dies, weil sich das Scheinwerferlicht im Zirkuszelt darin reflektiere. «Diese Mauer, konstruiert von meinem Vater, wurde erst kürzlich gefertigt und von Kanada in die Schweiz transportiert», sagt Quintal. «Das ist für meine Kompagnie etwas absolut Neues, bis anhin hatten wir stets eine Wand aus Holz.»

Quintal selber gehört zu den nur gerade etwa fünfzig Trampolin-Wandspringern weltweit. Lange war sie hierin gar die einzige Frau. Der kanadische Cirque du Soleil, bei dem sie einst gearbeitet hat, hat diese Disziplin ursprünglich entwickelt. «Es braucht viel Mut, von der hohen Mauer auf das Trampolin zu springen», erklärt sie. Ein gewisses Mass an Angst sei denn auch notwendig. «Wer furchtlos drauflos springt, büsst dies nicht selten mit schweren Verletzungen.»

Die Wahlhorgnerin, die ihren Mann 2010 bei «Salto Natale» kennen gelernt hat, blickt auf eine über 20-jährige Karriere am Trampolin zurück, auf Engagements bei Zirkussen und Festials rund um den Globus. Seit sie mit «Spicy Circus» das eigene Unternehmen gegründet hat, hat sich ihre Tätigkeit mehr vom reinen Springen zum Choreografieren verlagert. Beim aktuellen Knieprogramm wird sie nicht aktiv mitspringen, sondern vom Rande aus immer wieder beobachten, ob alles den technischen Ansprüchen genügt. «Das Programm ist mein Baby», illustriert sie. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.03.2017, 14:46 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!