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Altersforum stösst auf immenses Interesse

Rund 150 Menschen über 60 Jahre nahmen am Donnerstag an einer Informationsveranstaltung zum entstehenden Altersforum teil. Im Zentrum stand die Frage nach dem Gewicht des Forums sowie den Rahmenbedingungen. Das politisch neutrale Altersforum startet im Idealfall Anfang 2018.

Grosser Zulauf: Die Informationsveranstaltung zum Altersforum lockte am Donnerstagabend weit über 100 Menschen ins Kreuz Jona.
Grosser Zulauf: Die Informationsveranstaltung zum Altersforum lockte am Donnerstagabend weit über 100 Menschen ins Kreuz Jona.
Manuela Matt

«Es ist aufregend!», rief Stadtrat Thomas Rüegg (FDP) zu Beginn des Informationsabends im Joner Kreuz aus. Gegen 150 Personen waren in den Saal geströmt, in dem Tische mit weissen Tischtüchern standen und Anmeldeformulare bereitlagen. Gerechnet hatte die Stadt mit deutlich weniger Interessierten.

Dann leitete er zum eigent­lichen Thema über, dem Alters­forum, das im ersten Quartal 2018 starten soll. «60+ ist heute kein Alter mehr», konstatierte der FDP-Politiker. Seine Mutter sei 97-jährig und lebe noch immer zu Hause. Die Frage, ob dies gut oder schlecht sei, könnte beispielsweise im Altersforum diskutiert werden. «Mit einer gewissen Lebenserfahrung und Altersmilde können solche Fragen besser beantwortet werden», zeigte sich Rüegg überzeugt.

«Das Alter» gibt es nicht

Auch Undine De Cambio, Leiterin Fachstelle Alter und Gesundheit, fand, «das Alter» oder «die älteren Menschen» gäbe es nicht. «Das Altersforum soll eine Plattform bieten, um diese Individualität abzuholen.» Das Alters­forum sei politisch neutral, konfessions- und verbandsunabhängig. Sie könne sich gut vorstellen, dass sich zu einzelnen Themen und Handlungsfeldern dereinst Arbeitsgruppen bildeten. Rasch tauchte die Frage auf, wie oft denn eine solche Gruppe tagen solle. «Die Arbeitsgruppe ist individuell, fix sind nur die drei jährlichen Treffen des Altersforums», erklärte De Cambio. An diesen Treffen könnten dann die einzelnen Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vorstellen. «Es gibt keine Vorgabe bei den Themen – Sie setzen die Schwerpunkte», hielt die Expertin für Alter und Gesundheit fest. Die Erkenntnisse sollten dann an die Politiker weitergeleitet werden.

Dennoch solle das Forum für die Teilnehmenden eine gewisse Verbindlichkeit haben. Künftige Treffen werden denn auch nicht mehr öffentlich ausgeschrieben. «Wer sich per Formular anmeldet, wird Mitglied und erhält Informationen zum nächsten Treffen», kündigte De Cambio an.

Aktualisiertes Leitbild

Die Partizipation älterer Menschen ist im Altersleitbild 2025 verankert, das der Stadtrat im ­Juli verabschiedet hat. Die Menschen über 60 Jahre sollen «konsequent in Entwicklungen, Veranstaltungen und im öffentlichen Leben einbezogen werden», heisst es im Leitbild. Die Teilnahme an der Entwicklung der Stadt und der Gesundheitsversorgung mit dem Fokus Alter soll durch ein Altersforum sichergestellt werden.

Nach der kurzen Einleitung von Thomas Rüegg und Undine De Cambio konnten die An­wesenden Fragen stellen. «Bleibt das Altersforum oder soll es irgendwann aufhören, wenn alles umgesetzt ist?», wollte ein Herr wissen. «Ich stelle mir vor, dass das Altersforum zu einer ständigen Institution wird», antwortete Thomas Rüegg. Es sei aber weder ein Rat noch eine Kommission. «Es ist ein Forum, das den Austausch pflegt.» Ein anderer Mann wollte wissen, wer die Ideen aus dem Forum in den Stadtrat trage. «Ich verstehe mich als Sprachrohr des Altersforums», sagte Undine de Cambio ohne Zögern. «Wir haben jedoch keine Entscheidungskompetenz.» Die Stadt habe sich aber zum neuen Leitbild bekannt, ergänzte Rüegg rasch. Letztendlich sei es ein «Entwicklungs- und Dialogprozess». Der Stadtrat müsse abwägen, welche Inputs er an die Hand nehmen könne und welche nicht.

Die Frage nach dem Gewicht

Auch die Abgrenzung zwischen Stadt- und Altersforum beschäftigte die Zuhörenden. «Soll eine Delegation aus dem Altersforum im Stadtforum Einsitz nehmen?», fragte ein Mann. Rüegg winkte ab. «Das Stadtforum hat eine politische Funktion.» Das Altersforum solle sich – wie der Name bereits sagt – aufs Thema Alter fokussieren.

Eine Frau schlug vor, an Ort und Stelle einen Ausschuss mit einer Präsidentin oder einem Präsidenten zu bilden. «Dann hätte das Altersforum Power!», rief sie aus. Rüegg nahm den ­Input entgegen, gab jedoch zu ­bedenken, dass die Stadt ein «niederschwelliges Angebot» – ein «Forum für alle» – schaffen wolle. Es sei denkbar, dass sich das Altersforum dereinst «in die Selbstständigkeit» bewege, ergänzte De Cambio. Trotz diesem Statement war spürbar, dass die Stadt die Fäden vorerst nicht aus der Hand geben will. «Wir nehmen euch ­etwas Arbeit ab», sagte Thomas Rüegg charmant.

Zum Schluss der Veranstaltung wollte Kurt Felder, Ressortleiter Gesellschaft und Alter, «den Puls fühlen». Dazu wurden die Anwesenden angehalten, je drei grüne Punkte auf Tafeln im Saal zu verteilen, um dadurch Unterthemen zu gewichten. Dieser an verflossene Schulstunden erinnernde Vorschlag stiess nicht nur auf Wohlwollen; ein Herr lancierte sogleich den Gegenvorschlag, die Gewichtung während des Aperitifs vorzunehmen. Rüegg hielt ­jedoch am skizzierten Plan fest und betonte, es solle nicht nur «eine Stimme» hörbar sein. Am meisten Punkte erhielten die Themenbereiche «Gesundheitsversorgung», «Gemeinwohl und Partizipation, «Wohnen und Lebensraum» sowie «Mobilität und Lebensraum».

Die als kritisch bekannte Bürgerschaft von Rapperswil-Jona zeigte sich beim Aperitif nur halbwegs zufrieden mit der Informationsveranstaltung. Man wisse halt nicht, wie das im Alters­forum werde, meinte ein Paar. «Aber dass wir mitreden können, ist gut.»

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