Rapperswil-Jona

«Wir sind ein kleines reisendes Dorf»

Als Transportchef sorgt Thomas Banz dafür, dass der Circus Knie sicher von einem Spielort zum nächsten gelangt. Die diesjährige Saison ist seine elfte. Sein Motto: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete.

Thomas Banz ist seit elf Jahren Transportchef beim Circus Knie.

Thomas Banz ist seit elf Jahren Transportchef beim Circus Knie. Bild: Reto Schneider

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Die Saisonpremiere ist geglückt, die Vorstellungen in Rapperswil-Jona hat der Circus Knie erfolgreich hinter sich. Inzwischen ist der Tross in Winterthur angelangt, dem nächsten Spielort. Damit hat auch Thomas Banz seine diesjährige Feuertaufe hinter sich. Er sorgt in seiner mittlerweile elften Saison als Transportchef dafür, dass Zirkusmaterial, Artisten und Tiere sicher und termingerecht am nächsten Ziel ankommen. Banz ist der Herr über 135 Fahrzeuge und Anhängerwagen, 71 Campingformationen und 40 Wechselcontainer, in denen das Material transportiert wird.

Auf der Tournee werden rund 100 Fahrzeuge und Anhänger auf zwei Extrazügen der SBB zwischen den Spielorten transportiert, der Rest bewältigt die teilweise längeren Strecken über Nacht auf der Strasse. Banz ist gefragt, wenn der Circus Knie nach der letzten Vorstellung am jeweiligen Spielort damit beginnt, die Zelte abzubrechen. Seine Aufgabe ist es dann, sicherzustellen, dass der ganze Zirkus und alles benötigte Material über Nacht den Weg zum nächsten Spielort findet. Damit auch dort alles rechtzeitig für den Aufbau und für die erste Vorstellung bereit ist.

Zusammenarbeit ist wichtig

Vor und während der Tournee arbeitet Banz eng mit dem Zeltmeister und dem Zoomeister zusammen. Sie sind seine wichtigsten Ansprechpersonen beim Entscheid, wo und wie das Material platziert werden soll. «Wir müssen im Team arbeiten», sagt Banz. «Alleine kann man hier nichts erreichen.» An den jeweiligen Spielorten sind auch die lokalen Behörden wichtige Ansprechpartner.

Noch während die letzte Vorstellung läuft, beginnen die Abbauarbeiten. Es wird alles Material verladen und auf den Weg zum nächsten Spielort geschickt. Dort kommen die Schienentransporte am nächsten Morgen in der Früh an. Die Chauffeure müssen geweckt, die Anhänger von den SBB-Zügen abgeladen und geschickt auf dem Standplatz aufgestellt werden. Dann wird das Zelt wieder aufgestellt, und allmählich folgen die Küche, das Büro, der Zoo und die übrige Infrastruktur. Dieser Ablauf wiederholt sich 39-mal innerhalb von 8 Monaten.

2562 Bahnkilometer legt der Circus Knie auf seiner Tournee quer durch die Schweiz auf der Schiene zurück. Rund 3500 Kilometer sind es auf der Strasse. Thomas Banz hat viel Routine, mit der er diese Transporte organisiert und überwacht. Herausforderungen gibt es aber immer wieder. Die rund 160 Kilometer lange Strecke von Bern nach Genf beispielsweise sei eine solche. Alles Material, das in Bern benötigt wird, muss auch für den Aufbau in Genf wieder zur Verfügung stehen. Da muss alles bis auf die letzten Details klappen.

Herausfordernd sei auch der Transport von Brunnen nach Bellinzona. Am Innerschwyzer Spielort ist die letzte Vorstellung am Freitagabend um halb elf zu Ende. Die nächste beginnt im Tessin, rund 120 Kilometer entfernt, um vier Uhr am folgenden Nachmittag. Das bedeutet viel Zeitdruck für Thomas Banz und sein Team. In den letzten Jahren hat es zudem meist geregnet, und im Morast wird die Arbeit noch anspruchsvoller. Trotzdem bleibt Banz in solchen Si­tua­tio­nen gelassen. «Stress ist nicht gut, man muss ruhig blieben», sagt er. Wenn schon der Chef nervös werde, sei das nicht gut. «Wenn man ruhig bleibt, ergibt sich ein natürlicher Arbeitsfluss.»

Gute Vorbereitung

Doch die Arbeit beginnt für Banz nicht erst bei Tourneestart. Im Gegenteil: Während der Winterpause kümmert er sich um den Unterhalt der Fahrzeuge, lässt notwendige Services durchführen oder die Fahrzeuge zur Motorfahrzeugkontrolle bringen. Vieles kann selbst erledigt werden, denn in seinem 15-köpfigen Chauffeurenteam haben einige auch eine Mechanikerausbildung. Und was nicht selbst erledigt werden kann, wird durch Partner in Ordnung gebracht. «Wenn man im Winter gut arbeitet, dann kann man vieles schon im Voraus ausschliessen», sagt Banz.

Bereits vor der Tournee beginnt er auch damit, die Plätze an den verschiedenen Spielorten zu besichtigen. Auch wenn die meisten Orte jedes Jahr besucht werden, gilt es abzuklären, ob sich vor Ort etwas verändert hat, das die Anordnung des Wagenparks beeinflussen könnte, oder ob Baustellen zu Behinderungen führen. Vor Saisonbeginn besichtigt Banz alle Spielorte auf dem Tourneeplan bis und mit St. Gallen. Die weiteren Stationen wird er im Verlauf der Saison besuchen. In vier Blöcken arbeitet er den Spielplan durch. «Es macht keinen Sinn, jetzt schon die Spielorte zu besuchen, an denen wir uns erst im Herbst aufhalten werden», erklärt er. Denn bis dahin könnte sich wieder einiges ändern.

Ohne Stapler geht es nicht

Am anspruchsvollsten auf der ganzen Tournee sei nun der Zürcher Sechseläutenplatz. Nach der Neugestaltung stellte sich die Frage, wie viele Wagen und wie viel Material noch Platz hat. Ausserdem müsse der Circus Knie nun aufpassen, dass es keine Kratzer und keine Beschädigungen im Valser Quarzit gebe. Zum Schutz des Platzes werden Holz- und Gummiplatten unterlegt. Aber: «Das Material muss auch rechtzeitig dort sein.» Eine zusätzliche Herausforderung, die es zu bewältigen gilt.

An grössere Pannen kann er sich nicht erinnern. Trotzdem hat es in all den vergangenen Jahren auch schon kritische Si­tua­tio­nen zu bestehen gegeben. «Dann ziehen alle am gleichen Strick», sagt Banz. Einmal sei in Brunnen ein anderer Zug entgleist. Damals hätten alle mit angepackt. «Sogar der Buffetchef wurde vorübergehend zum Lastwagenfahrer.» Mühsam wäre für ihn, wenn einer der beiden Stapler ausfallen würde.

An seiner Arbeit liebt Thomas Banz die Abwechslung und die Vielseitigkeit. «Wir arbeiten hier mit 220 Menschen aus 15 Nationen zusammen», sagt er. Auch mit den Artisten hat er zu tun. «Daraus entstehen viele kollegiale Freundschaften.» Das schätzt er. Für die diesjährige Tournee wünscht sich Banz besseres Wetter – und eine unfallfreie Saison.

Erstellt: 02.04.2015, 13:15 Uhr

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