Ufenau

Viel Lärm auf der Insel der Stille

Ein Kran, Bagger, lärmende Baumaschinen: Auf der Ufenau ist der Umbau des Hauses zu den zwei Raben in vollem Gange. Mit schwimmender Plattform und per Helikopter gelangt das Baumaterial auf die Insel. Bis im Frühling 2018 erhält das Restaurant ein neues, altes Gesicht.

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Für einmal ist der Pächter auch der Kapitän. Beat Lötscher wartet als Erster am Schiffssteg. Nebelschwaden verdecken die Ufen­au, das Klosteridyll im Zürichsee, auch bekannt als die «Insel der Stille». Dort hiess Beat Lötscher zusammen mit seiner Frau Rösli bis im vergangenen Sommer Ausflügler aus fast der ganzen Welt willkommen. Jetzt, wo das historische Gasthaus umgebaut wird, fährt der Wirt hin und wieder auf die Insel, um zu schauen, wie das Haus zu den zwei Raben Schritt für Schritt einen neuen Anstrich erhält. Er sei halt ein «Gwundriger», sagt er verschmitzt und löst den Knoten am Schiffssteg.

Dreieinhalb Monate ist es jetzt her, seit die Umbauarbeiten auf der Insel Ufenau begonnen haben. Für sieben Millionen Franken wird das denkmalgeschützte Haus zu den zwei Raben samt Anbau renoviert. Damit soll das Haus aus dem Jahr 1681, wie der Verein «Freunde der Insel Ufen­au» schreibt, seine «barocke Schönheit» zurückerlangen. Mittels neuer Infrastruktur soll das Gasthaus auf Vordermann gebracht werden, damit es den heutigen Anforderungen entspricht – und trotzdem nichts von seinem historischen Charme verliert.

Eine schwimmende Baustelle

Von der «barocken Schönheit» ist das Gasthaus im Moment aber noch weit entfernt. Auf der Überfahrt wird schnell klar: Auf dem sonst so stillen Kleinod wartet eine Grossbaustelle. Ein Kran sticht von weitem ins Auge, ein Bagger füllt gleich neben der Anlegestelle eine grosse Mulde mit Erde und Kieselsteinen – Aushubmaterial, das später aufs Festland geschifft wird. Transportiert wird mittels grosser Schiffe der Kibag, die den beladenen Ponton über den See ziehen. Eine Baustelle auf einer Insel sei keine einfache Aufgabe, sagt Rudolf Späni, Leiter der Projektgruppe Ufenau. Es sei der eigentliche Knackpunkt des Projekts. Sehr vieles müsse man sehr genau planen.

Nebst dem schwimmenden Ponton ist auch ein Helikopter im Einsatz. Er fliegt schweres Baumaterial auf die Insel, oder auch Material, das zielgenau an einer bestimmten Stelle abgeladen werden muss – Beton zum Beispiel. Die letzte Ladung muss auf die Insel, bevor es richtig kalt wird. Fallen die Temperaturen unter null, lässt sich damit nicht mehr arbeiten.

Altes erhalten

Das Haus zu den zwei Raben ist derzeit gänzlich von einem Gerüst umhüllt. Bauarbeiter sind im und um das Gebäude, es klopft, hämmert und dröhnt von allen Seiten. An der Fassade machen sich zwei Männer mit einem Schaber zu schaffen: Der Fassadenputz sei bereits entfernt, erklärt Architekt Frank Roskothen, was bleibt, ist der Putz von 1860. «Wir versuchen, möglichst viel vom historischen Bauwerk zu erhalten.» Das Gasthaus wird in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege von innen und aussen saniert. Es bleibt aber eine Gastwirtschaft mit einer Gaststube im Erdgeschoss. Neu hat es im Erdgeschoss, dem ehemaligen Kühlraum, drei Fenster. Küche und Kühlraum sind künftig im Holzanbau untergebracht. Auch dieser, er stammt aus dem Jahr 1939, wird renoviert. Neu ist zudem ein zusätzlicher Zugang zum Garten. Ausserdem wird ein neuer Schopf für die Toiletten erstellt. Noch ist erst das Fundament zu sehen; es steht zwischen Holzanbau und der alten Scheune.

Auch am hinteren Teil des Gebäudes und in Richtung Garten ist es im Moment alles andere als idyllisch. Rohre ragen aus dem Boden, denn auch die Werkleitungen müssen neu verlegt werden. Auf der Wiese nebenan sind quadratische Sandsteinplatten verstreut. Sie kommen später auf die Gartenterrasse und liegen absichtlich im Gras: Sind sie Wind und Wetter ausgesetzt, verändert sich der Sandstein. Die Oberfläche soll bewusst verwittert aus­sehen, erklärt Architekt Rosko­then, das sei Teil des Konzepts.

Die alte Platane muss weg

Gleich um die Ecke ertönt erneut ohrenbetäubender Lärm. Eine Gruppe von Arbeitern reinigt die alten Ziegelsteine des Daches mit maschinellen Bürsten, eine grosse Staubwolke wirbelt auf. Auch hier gilt: Was in gutem Zustand ist, bleibt. Nur jeder dritte Ziegel wird aussortiert und landet krachend in der Mulde. Und dann ist da noch eine alte, 160-jährige Platane. Sie muss weg, erklärt Späni – der Baumstamm ist morsch und halb zerfallen. Die grösste aller Platanen – sie war für die Besucher ein beliebter Schattenspender – bleibe jedoch bestehen. Ausserdem würden laufend neue Bäume gepflanzt. Sie soll schliesslich grün bleiben, grün und idyllisch, die Insel der Stille. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.12.2016, 09:21 Uhr

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