Trockenheit

Verkauf von Raketen und Co. steht auf der Kippe

Raketen, Böller und Vulkane dürften heuer nur spärlich über den Ladentisch gehen. Coop und Migros nehmen Feuerwerk teilweise ganz aus ihrem Sortiment, kleinere Dorflädenversuchen trotzdem, die bestellte Ware zu verkaufen.

Ob am 1. August in der Region überhaupt Feuerwerke abgebrannt werden können, ist höchst unsicher.

Ob am 1. August in der Region überhaupt Feuerwerke abgebrannt werden können, ist höchst unsicher. Bild: Keystone

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Das Risiko ist den Grossverteilern zu gross: Feuerwerk zu verkaufen, solange nicht klar ist, ob das Abbrennen am 1. August erlaubt ist, davon sehen sowohl Migros als auch Coop in mehreren Regionen ab. Sicherheit habe Vorrang, heisst es vonseiten der Genossenschaft Migros Ostschweiz, nun zieht auch die Genossenschaft Migros Zürich nach. Wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit ist der auf Samstag geplante Auftakt zum Feuerwerkverkauf in grösseren Migros-Filialen gestrichen.

Die Migros Zürich deckt einen Grossteil des Kantons Zürich, den ganzen Kanton Glarus sowie am oberen Zürichsee angrenzende Orte der Kantone St. Gallen und Schwyz ab.Gestern hat Coop Ostschweiz ebenfalls entschieden, auf Feuerwerksverkauf zu verzichten. Man möchte «einen Beitrag leisten, um mögliche Schäden durch Feuer oder Feuerwerk zu vermeiden», heisst es in der Mitteilung.

Bei Coop Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich warten die Verantwortlichen derweil noch ab. «Wir orientieren uns an den kantonalen Abbrennverboten», sagt Sprecher Markus Eugster. «Sollten solche ausgesprochen werden, verzichten wir auf den Feuerwerkverkauf beziehungsweise stoppen ihn freiwillig.» Ein Abbrennverbot bedeute nicht automatisch ein Verkaufsverbot. Und grundsätzlich möchte man dem Bedürfnis der Kunden nach Feuerwerk nachkommen.

Nur Tischbomben im Regal

Ähnlich ist die Situation im Warenhaus Manor. Kleinfeuerwerk der Kategorie 1 – Bengalzündhölzer, «Frauenfürze» und Tischbomben – steht etwa in der Filiale Rapperswil seit zwei Wochen in den Regalen. Raketen und explosivere Feuerwerksartikel der Kategorien 2 und 3 werden nur in wenigen Manor-Filialen angeboten – darunter keine im Kanton St. Gallen. Die nächstgelegenen sind Winterthur und das Mythencenter Schwyz, sagt ein Sprecher. In den Kantonen, in denen ein absolutes Feuerverbot im Freien gilt, stelle man den Verkauf ein.

Im Gegensatz zu den Grossverteilern halten kleinere Läden am Feuerwerkverkauf fest. «Wir sind gerade dabei, den Stand aufzubauen», sagt Marion Beier vom gleichnamigen Spielwarengeschäft in Horgen. Jeden Morgen überprüft sie den aktuellen Stand der kantonalen Vorschriften. Die Ware hat sie bereits im Frühjahr bestellt; nun hofft sie, dass auch einige Raketen und Knaller über die Theke gehen. Das Geschäft mit dem Feuerwerk laufe allerdings schon seit einigen Jahren harzig. Vor allem, seit Discounter wie Lidl und Aldi «mitmischen», sei es für kleine Läden schwierig, mitzuhalten. Die Discounter würden die Böller teils praktisch ohne Margen verkaufen. «Das können wir uns nicht leisten.»

Es drohen Einbussen

Auch dass der Verkauf von Feuerwerk seit einigen Jahren an strengere Auflagen gebunden ist, hat seinen Teil zum serbelnden Absatz beigetragen. «Und jetzt kommt auch noch die Trockenheit dazu», sagt Beier. Finanzielle Einbussen werde es dieses Jahr sicherlich geben, bedauert die Inhaberin des Spielwarengeschäfts. Trotzdem versucht sie, zuversichtlich zu bleiben. «Wir verkaufen unsere Artikel mit Herzblut.» So geht ein Teil der Einnahmen aus dem Feuerwerksverkauf an eine wohltätige Organisation.

Dass sich das Geschäft mit den Knallern wenig rosig gestaltet, bestätigt auch Christian Frey. Seit 15 Jahren verkauft er vor seinem Modellautogeschäft in Stäfa Feuerwerksartikel. «Alle schauen gern hin, wenn Feuerwerk den Himmel erhellt, aber selber Geld dafür ausgeben wollen die wenigsten.» Dennoch will auch er heute mit dem Verkauf der 1. August-Knaller loslegen.

Noch unklar ist derweil die Situation im Verkaufsstand der Dropa-Drogerie vor dem Einkaufscenter Sonnenhof Rapperswil. «Wir müssen situativ entscheiden», sagt Marketingleiter Johnny Schuler. Man stehe mit den Behörden im Austausch – den Verkauf vorschnell absagen, möchte er lieber nicht. Gerade im städtischen Rapperswil-Jona gäbe es genug Orte, an denen man ohne Bedenken Raketen in den Himmel schiessen könne.

Einlagern bis Silvester

Und was geschieht mit der Ware, sollte es zu einem Feuerwerkverbot kommen? Je nach Vertrag mit dem Lieferanten könne man die Artikel gegen eine Gebühr einlagern lassen, sagt Marion Beier. Dann werden sie in einem sicheren Container aufbewahrt – und kommen an Silvester wieder in die Regale. Private können ihre Raketen an den meisten Verkaufsstellen mit dem Kassenzettel zurückbringen. In geringen Mengen kann Feuerwerk bedenkenlos im Keller aufbewahrt werden. Und der nächste Jahreswechsel kommt bestimmt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.07.2018, 18:28 Uhr

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Raketen, Böller und Lichterspektakel am Nachthimmel: Der 1. August wird traditionell gern mit Feuerwerk gefeiert. Der Schweizer Nationalfeiertag spült den Herstellern von Feuerwerk jeweils einen Grossteil ihrer Einnahmen in die Kasse. Dieses Jahr allerdings dürfte es für die Grossisten von Feuerwerk und Pyrotechnik weniger glanzvoll ausfallen. «Es wird sicher Einbussen geben», sagt Urs Corradini, Präsident der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk (SKF). Wegen der anhaltenden Trockenheit sei die Situation unter den Mitgliedern des Dachverbandes – sprich den Herstellern – derzeit «sehr angespannt». «Wer von diesem Business lebt, sitzt im Moment wie auf Nadeln.»

Feuerwerke abgesagt

Immer mehr Kantone diskutieren nebst einem Feuerverbot auch ein Abbrennverbot von Feuerwerk. Von diesen Vorschriften hängt das Geschäft mit den Knallkörpern massgeblich ab. Bereits jetzt hätten die Hersteller diverse Aufträge verloren, weil Grossfeuerwerke wegen der Trockenheit abgesagt wurden, weiss Corradini. In St. Gallen gilt derzeit ein Feuerverbot in Waldesnähe, in Zürich wird die Situation laufend überprüft.

Auch bei der Firma Hirt & Co. Fireworks AG in Wollerau blickt man dem Nationalfeiertag mit gemischten Gefühlen entgegen. Ob alle Aufträge für Grossfeuerwerke erfüllt werden können, zeige sich erst ganz kurz vor dem 1. August, sagt Tobias Isler. Fällt dies aufgrund eines kantonalen Verbots ins Wasser, müssten die Kunden natürlich nicht zahlen. «Die ganzen Vorbereitungen haben wir dann aber bereits getroffen», dadurch seien Kosten entstanden. «Die Situation ist für uns nicht ideal.» Zudem müssten bei professionellen Feuerwerken einige Komponenten ersetzt werden. Ein Goldregen, der bis ganz an den Boden herunterbrenne, werde etwa weggelassen. (ckn)

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