Rapperswil-Jona

Umstrittene Öffnungszeiten: Löst Coop einen Dominoeffekt aus?

Coop eröffnet am Donnerstag eine neue Filiale am Bahnhof Rapperswil. Shoppen ist dann bis 22 Uhr abends möglich. Die Konkurrenz reagiert auf die Ankündigung des Lebensmittelriesen überraschend gelassen.

 Im Altstadt-Perimeter (gelbes Gebiet) gelten die erweiterten Ladenöffnungszeiten.

Im Altstadt-Perimeter (gelbes Gebiet) gelten die erweiterten Ladenöffnungszeiten.

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Einkaufen bis abends um 22 Uhr, das ist der Gewerkschaft Unia ein Dorn im Auge. Sie befürchtet, dass Coop mit seiner neuen Filiale am Bahnhof Rapperswil mit den ausgedehnten Öffnungszeiten ein Exempel statuieren möchte. Einkaufen rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche – dieses Szenario will die Unia um jeden Preis verhindern. Droht nun wegen Coop in der Altstadt ein Dominoeffekt, der die übrigen Geschäfte unter Zugzwang bringt?

Dass Coop auch sonntags öffnen möchte, ist kein Geheimnis. Der Detailhändler hätte vom St. Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit auch eine Bewilligung erhalten, doch die Unia wehrte sich mit juristischen Mitteln. Dieses Verfahren ist noch im Gang.

Migros hält sich zurück

Gegen den Abendverkauf bis 22 Uhr gibt es allerdings juristisch nichts einzuwenden, denn Rapperswil profitiert von einer Ausnahmeregelung: Im Altstadt-Perimeter (gelbes Gebiet in der Karte) gelten die sogenannten erweiterten Ladenöffnungszeiten. Unter der Woche ist das Öffnen von 5 bis 22 Uhr erlaubt, sofern es sich um Läden für Touristen oder Lebensmittelläden mit höchstens 120 Quadratmetern Fläche handelt. Am Sonntag kommen wegen des Arbeitsgesetzes noch zusätzliche Regeln zur Anwendung.

Shoppen am Sonntag – das sind die Regeln Darf ein Laden am Sonntag öffnen? Antworten auf diese einfache Frage zu finden, ist hochkomplex. Zwei Gesetze sind dafür zu beachten.

Hauptkonkurrent von Coop ist die Migros auf der anderen Strassenseite. Auch die Migros wollte stets am Sonntag öffnen, unterlag aber vor den Gerichten. Die Migros liegt wie Coop ebenfalls im Altstadt-Perimeter, dürfte also – mit kleiner Ladenfläche – ebenfalls bis spätabends öffnen. Mediensprecher Christoph Frei gibt sich derzeit zurückhaltend: «Im Moment werden wir unsere aktuell gültigen Öffnungszeiten belassen.»

Das heisst: Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr, samstags von 7 bis 18 Uhr. Allerdings ist das nicht in Stein gemeisselt, wie Frei sagt: «Wir behalten das Thema sicher ganz genau im Auge.» Dass die Migros nicht sofort auf die Coop-Ankündigung reagiert, dürfte aber auch mit der Ladenfläche zusammenhängen. Coop reduziert die 230 Quadratmeter grosse Einkaufsfläche abends mithilfe von rollenden Warenregalen jeweils auf die vorgeschriebenen 120 Quadratmeter – Coop konnte diese Vorbereitungen von langer Hand treffen. Die Migros-Filiale Rapperswil ist mit 387 Quadratmetern deutlich grösser und seit Jahren nicht mehr umgestaltet worden. Auch die Migros müsste die Filialfläche abends einfach verkleinern können.

Abends läuft wenig

Bei den Altstadtläden nimmt man die Coop-Ankündigung gelassen, wie etwa Cécile Elsener von Elsener Messerschmied sagt. Einerseits habe man verschiedene Sortimente, andererseits seien abends in den Altstadtgassen nur noch Touristen unterwegs, die in Restaurants speisen möchten. Die Altstadtläden kämen deshalb kaum unter Zugzwang. Allerdings bezweifelt Elsener auch, dass abends um 22 Uhr noch viele Leute im Coop am Bahnhof einkaufen würden. «Wer in Rapperswil-Jona lebt, weiss, dass auch in den grossen Einkaufszentren ab 19 Uhr nicht mehr viel läuft.»

Lädelisterben bremsen

Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) sagt zu den längeren Coop-Öffnungszeiten: «Der Markt wird das regeln.» Er sei davon überzeugt, dass die Läden ohnehin nur dann öffnen würden, wenn auch ein Kundenbedürfnis bestehe. Dass sich Coop für die langen Öffnungszeiten auf den Altstadt-Perimeter berufen muss, hält Stöckling ohnehin für einen alten Zopf: «Eine allgemeine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten wäre eine Chance», sagt er.

«Für die Läden in der gesamten Stadt brauchen wir doch die gleich langen Spiesse und die gleichen Regeln, wie sie etwa für Tankstellenshops gelten.» Ohnehin bräuchten die Läden mehr Freiraum: «Im Internet kann man rund um die Uhr einkaufen, flexible Öffnungszeiten sind für mich deshalb ein Mittel gegen die Probleme im Detailhandel.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 11:14 Uhr

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